Unternehmen

BP profitiert von Ölpreisen, doch Gaskontrakte reißen Milliardenloch

Der britische Ölkonzern BP hat im abgelaufenen Quartal von hohen Ölpreisen profitiert. Allerdings rissen Gasverträge die Bilanz tief in die roten Zahlen.
02.11.2021 11:34
Aktualisiert: 02.11.2021 11:34
Lesezeit: 2 min

Der britische Ölkonzern BP hat im abgelaufenen Quartal von hohen Ölpreisen profitiert und will einen weiteren Milliardenbetrag in einen Aktienrückkauf stecken. Allerdings rissen Gasverträge infolge rasant steigender Preise die Bilanz wegen eines Bewertungseffektes tief in die roten Zahlen. Bereinigt um Sondereffekte wie Bewertungsveränderungen von Ölbeständen verdiente BP in den Monaten Juli bis September 3,32 Milliarden US-Dollar (2,9 Milliarden Euro), wie der Konzern am Dienstag in London mitteilte. Das war mehr als von Analysten erwartet. Vor einem Jahr war der bereinigte Gewinn wegen niedrigerer Ölpreise nur 86 Millionen Dollar hoch.

Die Aktie rutschte am Vormittag in London um 2,8 Prozent auf rund 347 Pence ab, obwohl Analysten die Zahlen positiv bewerteten. RBC-Experte Biraj Borkhataria verwies auf ein starkes aktuelles Handelsumfeld für Gas, zudem gehe der Schuldenabbau weiter. Jefferies-Experte Giacomo Romeo sprach von einem größeren Aktienrückkauf, als das überschüssige Kapital vermuten ließe. Seit Anfang September hatte die BP-Aktie ausgehend von rund 300 Pence deutlich zugelegt.

Europaweit standen Öl- und Gasunternehmen am Dienstag unter Druck, der Branchenindex Stoxx Europe 600 Oil & Gas lag zuletzt 1,6 Prozent im Minus. Allerdings kann der BP-Kurs schon seit längerem nicht mit dem kräftigen Aufschwung der Ölpreise mithalten - mit dem Börseneinbruch in der Corona-Krise im Frühjahr 2020 stürzte die Notierung von zuvor über 500 Pence auf gut 220 Pence ab. Mit dem Fall der Ölpreise ging es bis Herbst 2020 sogar auf unter 190 Pence abwärts. Zwar erholte sich der Kurs allmählich - doch über die Marke von 370 Pence kam er bislang nicht wieder hinaus.

Marktexperte Michael Hewson vom britischen Broker CMC Markets UK sieht das auch als Folge der Skepsis von Anlegern, ob BP es tatsächlich schafft, sich zu einem Teil von Öl und Gas zu lösen. BP-Chef Bernard Looney plant, bis 2030 die Produktion fossiler Brennstoffe angesichts der Klimafolgen um rund 40 Prozent zu senken. Der Konzern habe es bislang versäumt, bedeutende Investitionen in klimafreundlichere Energien vorzunehmen, zahle aber weiter hohe Dividenden, schrieb Hewson.

Erst einmal will BP für viel Geld weitere Aktien zurückkaufen, 1,25 Milliarden Dollar zusätzlich sollen dafür nun aufgewendet werden. Die Zwischendividende für das Quartal bleibt mit 5,46 US-Cent je Aktie auf dem Niveau des Vorquartals. BP hatte mit dem Halbjahresergebnis für das laufende Jahr einen Aktienrückkauf in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt und diesen bereits abgeschlossen.

Looney sprach von einem weiteren guten Quartal und verwies auf höhere Rohstoffpreise, aber auch auf eine Stärkung der Konzernbilanz. Aus dem Betrieb flossen dem Konzern im dritten Quartal Finanzmittel (operativer Cashflow) von sechs Milliarden Dollar in die Kassen. Die Nettoverschuldung lag Ende September bei 32 Milliarden Dollar und damit leicht unter dem Wert drei Monate zuvor. Im vergangenen Jahr waren die Schulden in der Corona-Krise stark gestiegen.

Beim Nettoergebnis machten die Ende des Quartals ruckartig steigenden Gaspreise zur späteren Lieferung dem Konzern aber einen Strich durch die Rechnung. So fielen vor allem Sicherungsgeschäfte dem Konzern mit einer Vorsteuerbelastung von 6,1 Milliarden Dollar auf die Füße - der auf die Aktionäre entfallende Nettoverlust betrug daher 2,5 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatte der Fehlbetrag nur bei 450 Millionen Dollar gelegen. Von BP hieß es, das Missverhältnis dürfte sich dann wieder legen, wenn die Preise wieder sänken und die Mengen tatsächlich geliefert würden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Aktien erholen sich auf Allzeithochs nach positiven Iran-Äußerungen von Trump und Tech-Boom
01.06.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Wendungen in der globalen Diplomatie und neue Trends in der Technologiebranche die Anleger derzeit in...

DWN
Politik
Politik Statistisches Bundesamt: Auswanderung von Deutschen auf Allzeithoch
01.06.2026

Deutschlands Nettozuwanderung ist 2025 stark gesunken: Statt 430.000 kamen noch 235.000 Menschen hinzu. Es gibt eine rückläufige...

DWN
Politik
Politik Ausreisegenehmigungen für wehrfähige Männer rechtswidrig? Verteidigungsministerium räumt Fehler ein
01.06.2026

Erst wird sie übersehen, dann eilig wieder ausgesetzt: Eine Regel zu Ausreisegenehmigungen für Männer im wehrfähigen Alter. Minister...

DWN
Politik
Politik EU-Schulden werden zur Kostenfalle für Deutschland
01.06.2026

Europa will mehr Rüstung, sichere Energie, starke Industrie und stabile Renten. Doch der IWF warnt, dass diese Rechnung kaum aufgeht,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Flugkraftstoff gerettet, Urlaub nicht. Europas Airlines sparen weiter
01.06.2026

Erst drohten Flugausfälle, leere Tanks und ein chaotischer Sommer über Europas Flughäfen. Nun scheint der akute Mangel an Flugkraftstoff...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
01.06.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Automobilchef: Mehrere europäische Automarken werden aussterben
01.06.2026

Jahrzehntelang lernten chinesische Hersteller von deutschen Autobauern. Nun reisen Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW nach China, um...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
01.06.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...