Finanzen

Marc Friedrich: Die Inflation ist da – und sie wird bleiben!

Marc Friedrich zeigt auf, warum die seit ein paar Monaten herrschende Inflation nicht vorübergehender Natur ist.
14.11.2021 11:04
Lesezeit: 5 min
Marc Friedrich: Die Inflation ist da – und sie wird bleiben!
Was sie sagt, wird gemacht: EZB-Präsidentin Christine Lagarde. (Foto: dpa) Foto: Francisco Seco

„Die Menschen müssen verstehen, dass man nicht ein wenig Inflation haben kann – weil ein wenig Inflation immer zu mehr Inflation führt und höhere Inflation unweigerlich zu noch höherer Inflation.

Friedrich von Hayek

Alles, was wir derzeit erleben, spricht dafür, dass der große Ökonom, dem 1974 der Nobelpreis verliehen wurde, recht hat. Denn seit Monaten steigt die Inflation immer weiter. Mit 3,9 Prozent erreichte sie in Deutschland im August ein 28-Jahres-Hoch. Im September toppte sie dies mit 4,1 Prozent sogar noch, und im Oktober stieg sie gar auf 4,5 Prozent. Auch in der Eurozone ist die Inflation weiter auf dem Vormarsch: Sie stieg von 2,2 Prozent auf zuletzt 4,1 Prozent. Noch stärker hat die Inflation in den USA zugelegt: 5,4 Prozent!

Gründe gibt es viele: die anziehende Nachfrage und die Nachholeffekte aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation während der Pandemie, die gestörten Lieferketten, die einsetzende De-Globalisierung sowie das viele Geld, dass die Staaten mit Konjunkturprogrammen und die Notenbanken mit der Druckerpresse über den Volkswirtschaften kräftig ausschütten.

Von offizieller Seite werden fleißig verbale Beruhigungspillen verteilt. Ökonomen wie Marcel Fratzscher und natürlich die Europäische Zentralbank (EZB) um ihre nicht demokratisch gewählte und wegen Geldwäsche verurteilte EZB-Präsidentin Christine Lagarde werden nicht müde, den Menschen einzutrichtern, dass die Inflation lediglich ein temporäres, kurzfristiges Ereignis sei. Man brauche keine Angst haben, die Sorgen wären reine

Panikmache. Als die Inflation jedoch in den vergangenen Monaten immer weiter stieg (und man den Menschen ihre Ängste nicht mehr so einfach nehmen konnte), änderte man einfach das Narrativ und feiert die Inflation mittlerweile als etwas Gutes: Nämlich als die notwendige „grüne Inflation“. Zuletzt hat Lagarde ihre Aussagen dann doch etwas abschwächen müssen, da die Inflation in der Eurozone auf ein neues Hoch von – wie oben bereits erwähnt - 4,1 Prozent stieg. Aber auch jetzt wiegelt sie noch ab: Die Inflation sei „beherrschbar“.

„Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk für einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk über die ganze Zeit hinweg täuschen.“

Abraham Lincoln

Gerne wird in Deutschland der Mehrwertsteuer-Effekt als Grund für den Wertverlust des Geldes angeführt. Im Zuge der Corona-Krise hatte die Bundesregierung als eine von mehreren Maßnahmen die Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 16 Prozent beziehungsweise von 7 Prozent auf 5 Prozent durchgeführt. Nun wurde diese Maßnahme wieder rückgängig gemacht, und eben diese Rückanpassung lasse die Inflation kurzfristig steigen, so heißt es. Aber: Wie kommt es dann, dass denjenigen Staaten, die keine Steuern gesenkt hatten, ebenfalls drei, vier oder gar fünf Prozent Inflation vermelden?

Ich hatte in meinem zuletzt veröffentlichten, immer noch hochaktuellen Buch die Inflation in Aussicht gestellt und warnte schon im März in einem Video vor der sich anbahnenden Geldentwertung – mit dem Ergebnis, dass ich belächelt wurde. Dabei war diese Prognose wirklich kein Kunststück; sie war, wie man neudeutsch so schön sagt, ein „no brainer“. Denn wie auch die Bank of England festgestellt hat: In den letzten 800 Jahren kam ein Jahr nach dem Beginn einer Pandemie immer eine Inflation!

Ich gehe davon aus, dass wir mit den angespannten Lieferketten mindestens bis Ende 2022 leben werden müssen, wenn nicht sogar länger, falls es weitere Lockdowns geben sollte. Selbstverständlich werden die Staaten weiter Schulden machen, und parallel haben sich die Notenbanken in eine ausweglose Sackgasse manövriert, aus der sie nicht mehr herausauskommen. Sie müssen, um das fragile Kartenhaus weiterhin zu stabilisieren, die Zinsen im Keller belassen und Geld ins System pumpen. Würde man das eine oder beides ändern, wäre „Ende Gelände“. Das mickrige Wirtschaftswachstum würde kollabieren, die Schulden explodieren, Zombie-Unternehmen und Zombie-Staaten kippen und die Börse deutlich korrigieren. All das will man natürlich weder bei der EZB noch bei der FED – also wird weiter Geld ins System gepumpt, ohne Rücksicht auf Verluste!

Die Europäische Zentralbank betont immer wieder, dass die Wahrung der „Preisniveaustabilität“ ihr oberstes Ziel und ihr wichtigster Auftrag sei. Hierfür strebt sie eine Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr an. Für mich ist dies seit jeher paradox, denn das bedeutet nichts anderes, als dass wir alle jedes Jahr effektiv zwei Prozent von unser Kaufkraft verlieren. Bei einer jährlichen Inflation von zwei Prozent verliert man nach 35 Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft. Wenn die Inflation nur um einen Prozentpunkt auf drei Prozent steigt, ist man schon nach 24 Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft los. Wenn wir nun dauerhaft bei den derzeit herrschenden vier Prozent bleiben sollten, kann sich jeder ausmalen, wohin die Reise geht.

In unserem falsch gestrickten Schuldgeldsystem wird die Enteignung der Bürger kontinuierlich weitergehen und die Gesellschaft immer weiter gespalten. Seit Einführung des Euros 2001 beträgt die offizielle Entwertung unseres Geldes fast 30 Prozent. Die wahre Inflation ist natürlich weitaus höher. Das wissen wir alle intuitiv.

Steigt die Geldmenge gleich schnell wie das Wirtschaftswachstum eines Landes, ist alles im Lot, und es herrscht theoretisch keine Geldentwertung, da allem neuen Geld auch neue Wirtschaftsgüter (Waren oder Dienstleistungen) gegenüberstehen. Steigt jedoch die umlaufende Geldmenge stärker als das Angebot an neuen Wirtschaftsgütern, verteilt sich mehr Geld auf die vorhandenen Waren und Dienstleistungen, deren Preise dann früher oder später steigen. Die Inflation ist also direkt abhängig von der Ausweitung der Geldmenge. Die Gleichung lautet:

Wahre Inflation = Geldmengenwachstum (M3) abzüglich Wirtschaftswachstum (BIP)

Diese Gleichung geht auf die Quantitätstheorie des schottischen Ökonomen und Philosophen David Hume (1711–1776) zurück.

Für das beste Ergebnis nimmt man die Geldmenge M3. In der Geldmenge M3 sind alle Arten des Geldes enthalten (M1 und M2), wie das folgende Schaubild aufzeigt:

Seit Einführung des Euro im Jahr 2001 haben wir bis 2020 offiziell schon 28,2 Prozent an Kaufkraft verloren. Inoffiziell ist es weit mehr, nämlich 87,53 Prozent! Und das sind Zahlen von der Zeit vor der Inflation 2021! Jetzt liegen wir definitiv über 90 Prozent!

Fakt ist: Wir alle werden durch die Inflation still und leise enteignet, denn wir verlieren Kaufkraft. Wir können für unser hart erarbeitetes Geld immer weniger erwerben, da der Euro stetig an Wert verliert. Die Inflation spiegelt sich in den steigenden Asset-Preisen wie Immobilien, Aktien, Kunst, Oldtimer und vor allem Bitcoin. Diese sind zuletzt rasant gestiegen. Gegenüber Bitcoin befinden sich der Euro und alle anderen Papierwährungen sogar schon in der Hyperinflation.

Aus diesem Grund war es noch nie wichtiger, seine Kaufkraft vor der Inflation zu schützen. Geld auf dem Konto zu haben, macht keinen Sinn, und zwar nicht nur wegen der Inflation, die an der Kaufkraft knabbert, sondern auch wegen der seit 2016 andauernden Nullzinsphase der EZB sowie dem Risiko der Enteignung durch das „Sanierungs- und Abwicklungs-Gesetz“ (SAG). Nichtdestotrotz liegen fast drei Billionen Euro auf der hohen Kante deutscher Sparer.

Die Flucht ins Betongold ist auch nicht mehr ratsam, da sich die Preise in vielen Städten bereits im Blasenmodus befinden und in anderen Städten schon recht ambitioniert sind. Solange die Staaten weiterhin unbegrenzt Schulden machen und die Notenbank unlimitiert Geld druckt, müssen Anleger das genaue Gegenteil machen als eine Art Lebensversicherung für ihre Kaufkraft: Sie müssen in durch die Natur und durch die Mathematik limitierte Werte investieren. Das sind die altbewährten Wertspeicher wie Gold, Silber, Diamanten, aber auch Rohstoffe, Aktien sowie das neue digitale Gold Bitcoin. Beginnen Sie jetzt! Denn die Inflation wird nicht durch ein Weihnachtswunder verschwinden, auch wenn Lagarde und Co. sich das sehnlichst wünschen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Politik
Politik Trump verdient Milliarden im Amt: Wie das Präsidentenamt zur Geldquelle wird
10.01.2026

Das Weiße Haus ist traditionell mit politischer Macht verbunden, nicht mit privater Vermögensmehrung. Doch in welchem Ausmaß wird das...

DWN
Politik
Politik Emissionshandel: CO2-Zertifikate bringen Deutschland 21,4 Milliarden Euro ein
10.01.2026

Mit CO2-Zertifikaten kaufen Unternehmen die Erlaubnis, Treibhausgase auszustoßen. Damit finanziert werden Klimaschutz und Energiewende....

DWN
Finanzen
Finanzen Nachhaltigkeitsfinanzierung: Wie grüne Kriterien die Finanzwelt grundlegend verändern
10.01.2026

Wer heute Geld von einer Bank möchte, muss mehr liefern als gute Zahlen. Klimadaten, Energieverbrauch und CO2-Bilanzen entscheiden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bahnchefin Evelyn Palla: Ein schwieriger Start an der Konzernspitze
10.01.2026

Seit 100 Tagen steht Bahnchefin Palla an der Spitze der Deutschen Bahn. Große Erwartungen, harte Einschnitte und wenig spürbare...

DWN
Panorama
Panorama CES 2026 in Las Vegas: Wenn KI den Alltag übernimmt
10.01.2026

Auf der CES 2026 in Las Vegas zeigen Konzerne, wie tief Künstliche Intelligenz bereits in Geräte, Fabriken und Visionen eingreift. Doch...

DWN
Panorama
Panorama Folgen des Klimawandels: Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort
10.01.2026

Nord- und Ostsee werden stetig wärmer: 2025 erreichte die Nordsee die höchste und die Ostsee die zweithöchste Temperatur seit Beginn der...

DWN
Panorama
Panorama Ukraine-Krieg: Tschechien will Granaten-Initiative für Ukraine weiterführen
10.01.2026

Mehr als vier Millionen Schuss Munition hat Kiew durch eine Prager Initiative erhalten. Überraschend will der neue Regierungschef Andrej...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
09.01.2026

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne...