Politik

Russland droht Nato in Ukraine-Krise mit militärischen Maßnahmen

Russland droht mit militärischen Maßnahmen, falls die Nato bis an die russische Grenze heranrückt. Die EU kündigt an, wie sie auf einen Angriff reagieren würde.
13.12.2021 15:49
Lesezeit: 2 min

Einen Tag nach der Warnung der G7-Staaten vor einem Angriff auf die Ukraine verschärft Russland den Ton. Russlands stellvertretender Außenminister Sergej Ryabkow drohte am Montag mit militärischen Maßnahmen, sollten die USA und die Nato keine Sicherheitsgarantien abgeben, dass das Militärbündnis nicht weiter nach Osten expandieren oder keine Waffensysteme nahe der russischen Grenze stationieren werde.

In Brüssel erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, zusammen mit den USA und Großbritannien würden mögliche Wirtschaftssanktionen erörtert. Es werde das deutliche Signal gesendet werden, dass Russland für jede Aggression einen hohen Preis bezahlen werde.

Am Sonntag hatten die sieben führenden Industriestaaten im Fall eines Angriffs mit deutlichen Folgen gedroht. Russland sollte keinen Zweifel daran habe, dass eine militärische Aggression gegen die Ukraine massive Konsequenzen hätte, erklärten die Außenminister der G7-Staaten USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Japan.

Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis erhob schwere Vorwürfe gegen Moskau: "Wir sind überzeugt, dass Russland einen umfänglichen Krieg gegen die Ukraine vorbereitet", sagte er in Brüssel. "Wenn es ein beispielloser Angriff ist, (...) dann heißt das, dass auch die Antwort des Westens beispiellos sein muss."

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock verwies auf unterschiedliche Instrumente, die der EU zur Verfügung stünden. Und diese "gilt es auch in Zukunft weiter zu nutzen", sagte die Grünen-Politikerin vor Beginn der Beratungen und betonte: "Wir sind der stärkste Binnenmarkt der Welt."

EU-Diplomaten sagten, in der Diskussion sei eine schrittweise Verschärfung bestehender Sanktionen, angefangen von Reiseeinschränkungen, dem Einfrieren von Vermögenswerten bis hin zur Kappung von Finanzströmen. Auch die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 sei im Visier. Dies wäre aber nur eine Option, sollte Russland die Ukraine angreifen.

Russland unterstützt Separatisten im Osten der Ukraine. Zudem hatte Russland 2014 die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim annektiert. Aktuell hat die massive Konzentration russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine im Westen und in der Regierung in Kiew Sorgen ausgelöst, es könne ein Angriff auf die Ukraine bevorstehen.

Die Regierung in Moskau weist das zurück und erklärt, Erweiterungen der Nato bedrohten Russland und widersprächen Zusicherungen, die beim Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 gemacht worden seien. Dagegen hat die US-Regierung wiederholt bekräftigt, kein Land habe das Recht, der Ukraine den Beitritt zur Nato zu verbieten.

Baerbock forderte auf europäischer Ebene ein geschlosseneres Vorgehen. "Wir brauchen angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit eine starke gemeinsame außenpolitische Stimme", sagte sie vor ihrem ersten Treffen der EU-Außenminister. Das sei zwar nicht einfach. "Aber ein starkes Europa darf sich nicht bei außenpolitischen Fragen von der Einstimmigkeit schwächen lassen." Eine gemeinsame europäische Außenpolitik sei für sie "nicht die Summe des kleinsten gemeinsamen Nenners".

Die EU-Minister sollten die Beratungen nicht als "Routineveranstaltung ansehen, wo jeder seinen Sprechzettel vorliest und dann zu Hause wieder seine nationale Außenpolitik macht", sagte Baerbock. "Wir versuchen, diesen Rat auch dafür zu nutzen, einen gemeinsamen Takt für eine gemeinsame Außenpolitik vorzugeben."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Technologie
Technologie Farizon V7E im Test: Chinas Angriff auf Europas Transporter
19.10.2026

Europas Transporterhersteller bekommen Konkurrenz aus China. Der Farizon V7E will mit viel Ladefläche, moderner Technik und einem...

DWN
Finanzen
Finanzen Einkommens-Vergleich: Wann man in Deutschland reich oder arm ist
19.10.2026

Ab wann gehört jemand zur Mittelschicht und wo beginnt Reichtum? Mit einem Rechner des IW Köln können Verbraucher ermitteln, wo sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hohe Kerosinkosten: Eurowings streicht Flüge und prüft Kurzarbeit
19.10.2026

Brandbrief an Mitarbeiter: Die Dubai-Flüge ab Köln und Stuttgart sind bereits gestrichen, weitere Einschnitte im Winterflugplan folgen....

DWN
Politik
Politik Neue Kandidaten für die Atombombe: Welches Land könnte die zehnte Atommacht werden?
19.10.2026

Iran steht einer eigenen Atomwaffe am nächsten, Saudi-Arabien baut ein Atomprogramm auf, technologisch überraschen dagegen Japan und...

DWN
Technologie
Technologie Elektromobilität: Wo Elektroautos besonders boomen
19.10.2026

Förderung, breitere Auswahl und die hohen Spritpreise treiben die Elektroautoneuzulassungen in Deutschland. In zwei Bundesländern fährt...

DWN
Politik
Politik Midterms: Trump geht auf Putin zu - Verständigung trotz Ukraine-Krieg
19.10.2026

Trump ist Selenskyj schon oft in den Rücken gefallen, in seinem aktuellen Kurs sehen einige Experten eine neue Qualität. Gibt der...

DWN
Politik
Politik Experte: Trumps neue Grönland-Ankündigung dreht sich um etwas ganz anderes
19.10.2026

Donald Trump kündigt eine großangelegte Suche nach Öl, Gas und kritischen Mineralien in Grönland an. Doch zwei Experten bezweifeln,...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
18.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...