Finanzen

Zahl der Börsengänge erinnert an Platzen der Dotcom-Blase

Laut einer Studie von EY gab es dieses Jahr weltweit so viele Börsengänge wie seit 2000 nicht mehr. Ist dies ein Zeichen dafür, dass der Bullenmarkt zu Ende geht?
14.12.2021 09:46
Aktualisiert: 14.12.2021 09:46
Lesezeit: 1 min
Zahl der Börsengänge erinnert an Platzen der Dotcom-Blase
Jan Bredack, Vorstandschef der Veganz Group, steht beim Börsengang am 10. November traditionsgemäß am Bullen vor der Frankfurter Börse. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Die Corona-Krise kann Investoren ihren Appetit auf Börsenneulinge nicht nehmen: Im zu Ende gehenden Jahr gab es nach einer Studie der Unternehmensberater von EY so viele Börsengänge (IPO) wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. 2388 Unternehmen wagten 2021 weltweit den Schritt an den Aktienmarkt und erlösten damit 453 Milliarden Dollar, jeweils rund zwei Drittel mehr als 2020. Mehr war es zuletzt im Jahr 2000, als in Deutschland der Neue Markt auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung war. "2021 war ein extrem starkes IPO-Jahr", sagte EY-Listing-Experte Martin Steinbach am Dienstag. In Europa habe sich das Volumen der 485 Emissionen auf 81 Milliarden Euro fast verdreifacht.

Vor allem Firmen mit digitalen Geschäftsmodellen seien gefragt. Jeder vierte Börsenneuling kam aus der Tech-Branche, jeder dritte Dollar, der in Neuemissionen investiert wurde, kam Technologie-Unternehmen zugute. Gleichzeitig sei viel Geld im Markt, das nach lukrativen Anlagen suche. Auch für das nächste Jahr rechnet Steinbach mit einer großen Zahl von Börsengängen aus dem Technologie- und dem Gesundheitssektor. "Alles in allem ist damit das Umfeld für Börsengänge derzeit ausgesprochen gut", sagte Steinbach.

Das gelte auch für Deutschland. EY zählte in diesem Jahr 30 Börsengänge deutscher Unternehmen, davon allerdings nur 22 an einer deutschen Börse. Acht entschieden sich für ausländische Handelsplätze, allen voran für die US-Börsen Nyse und Nasdaq. Darunter waren der Online-Modehändler MyTheresa, der Solar-Autobauer Sono Motors und der Flugtaxi-Entwickler Lilium, der durch die Verschmelzung mit einer leeren Unternehmenshülle (SPAC) an die Technologiebörse Nasdaq ging. Der SPAC-Boom ist vor allem in den USA ungebrochen: 646 solcher Firmenmäntel, davon 91 Prozent aus den USA, sammelten in diesem Jahr 161 Milliarden Dollar ein - sie alle sind in den nächsten Monaten auf der Suche nach einem Unternehmen, das sie schlucken können.

Mit Neuemissionen in Deutschland erlösten Unternehmen 9,3 Milliarden Euro, einschließlich der vier SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) waren es 10,2 Milliarden. Der Funkturm-Betreiber Vantage Towers legte mit 2,2 Milliarden Euro den größten Börsengang in Deutschland hin und zugleich den drittgrößten in Europa. Dahinter rangiert der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 mit 1,8 Milliarden Euro und der Linux-Software-Firma Suse mit 1,1 Milliarden Euro. Für das kommende Jahr hält Steinbach 17 bis 23 Börsengänge in Deutschland für möglich. Zu den größeren Kandidaten zählen das Pharmaunternehmen Cheplapharm, der Prothesenhersteller Ottobock und das Stellenanzeigen-Portal Stepstone.

Weltweit war 2021 die Emission des US-Elektroautobauers Rivian mit einem Erlös von 13,7 Milliarden Dollar die größte, vor China Telecom mit 7,4 Milliarden Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Immobilienmarkt unter Druck: Strategien für Käufer und Verkäufer im aktuellen Zinsumfeld

Der Immobilienmarkt in Bremen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Nach Jahren des kontinuierlichen Preisanstiegs...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt 2028–2034: Deutschland soll Europas Rechnung bezahlen
05.08.2026

Zwei Billionen Euro, neue Schulden und ein Machtkampf zwischen Berlin und Paris: Die Verhandlungen über den EU-Haushalt 2028–2034 drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt höher, da Bessent auf baldiges US-Iran-Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus hindeutet
04.08.2026

Ein überraschender Wendepunkt an den globalen Finanzmärkten sorgt für Aufsehen – erfahren Sie, was die Börsen jetzt antreibt.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Marsch in die Flaute drückt Deutschlands Industrie 
04.08.2026

In China braut sich womöglich eine länger anhaltende Krise zusammen. Für die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft ist das eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Öl-Aktien: Konzerne kassieren, Deutschlands Wirtschaft zahlt
04.08.2026

Krieg im Nahen Osten, Ölpreise auf Rekordniveau und Milliardengewinne für die Energiekonzerne: Öl-Aktien schlagen 2026 sogar den...

DWN
Politik
Politik Trump-Vertraute Loomer in der Ukraine: „Russland hat mich getäuscht“
04.08.2026

Jahrelang verbreitete Laura Loomer die Erzählungen des Kremls und beschimpfte die Ukraine als Land der „Nazi-Apologeten“. Nun reist...

DWN
Finanzen
Finanzen Palantir-Aktie: Überwachungsfirma hebt Prognose kräftig an
04.08.2026

Die Palantir-Aktie schießt nach starken Quartalszahlen zweistellig nach oben und profitiert vom boomenden KI-Geschäft in den USA. Vor...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
04.08.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Finanzen
Finanzen Nivea bremst: Beiersdorf-Aktie gerät unter Druck
04.08.2026

Die Schwäche von Nivea zwingt Beiersdorf zu einer überraschenden Prognosesenkung und setzt die Beiersdorf-Aktie kräftig unter Druck....