Wirtschaft

Weltgrößter Kohle-Exporteur blockiert Ausfuhren: Preise ziehen deutlich an

Der wichtigste Kohlelieferant der Welt stellt seine Exporte ein - ein schlechtes Omen nicht nur für die Weltwirtschaft, sondern auch für Deutschland.
05.01.2022 11:19
Aktualisiert: 05.01.2022 11:19
Lesezeit: 2 min

Indonesien hat einen sofortigen Stopp seiner Kohleexporte angekündigt und damit den ohnehin stark gestiegenen Preisen für Kohle auf den Weltmärkten neuen Schub verliehen. Das Land gilt derzeit als wichtigster Lieferant des fossilen Energieträgers weltweit. Berechnungen von Bloomberg zufolge wird Indonesien im laufenden Jahr - unter normalen Umständen - fast 500 Millionen Tonnen exportieren. Das zweitplatzierte Australien käme demnach auf rund 200 Millionen Tonnen.

Die Regierung in Jakarta begründete die Maßnahme mit der Sicherung der Energieversorgung. Würden die geplanten Ausfuhren durchgeführt, sei nicht genügend Kohle für die Stromerzeugung vorhanden und es drohten Stromausfälle. Kohleminen im ganzen Land wurden angewiesen, ausreichend kohle für den heimischen Verbrauch bereitzustellen - andernfalls droht die Regierung mit dem Entzug der Betriebslizenzen, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters.

Indonesien verfügt bereits über ein System verpflichtender Abgaben im Kohlemarkt. Demzufolge müssen die Minen des Landes 25 Prozent ihrer Förderung zu einem festgelegten Verkaufspreis von umgerechnet rund 70 US-Dollar je Tonnen dem Staatsversorger Perusahaan Listrik Negara zur Verfügung stellen.

In einer Stellungnahme vom Montag sprach Perusahaan Listrik Negara davon, dass mithilfe der Regierung mehr als 3 Millionen Tonnen zusätzlicher Kohlelieferungen für Januar gesichert worden seien. Man benötige jedoch rund 5 Millionen Tonnen, um kontrollierte Stromausfälle abzuwenden.

Die Regierung hab am vergangenen Wochenende bekannt, dass der Exportbann für den Januar gelte und in einigen Tagen auf seine Wirksamkeit hin überprüft werden solle.

Indirekte Folgen für Deutschland

Die ohnehin in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Weltmarktpreise für Kohle erhielten durch die Nachrichten neuen Schub. Etwa 40 bis 45 Prozent der über die Weltmeere verschifften Volumina könnten im Januar Beobachtern zufolge ausfallen, berichten mehrere Medien. An der Rohstoffbörse im chinesischen Zhengzhou stiegen die Futurespreise am Dienstag um rund 8 Prozent verglichen mit Freitag, berichtet die Financial Times. Die für den Weltmarkt maßgeblichen Newcastle Coal Futures in Australien stiegen am Mittwoch um mehr als 10 Prozent auf ein 10-Wochen-Hoch von über 170 US-Dollar je Tonne.

Auf Indonesien entfallen derzeit rund 70 Prozent der Kohleimporte Chinas und auch Indien gilt neben Japan und Südkorea als wichtiger Kunde. „Die Maßnahme könnte zu Folgewirkungen in China und Indien führen, welche zu den größten Kunden Indonesiens gehören“, zitiert die FT einen Analysten der ING Bank. Angesichts der signifikanten Stellung Chinas in den weltumspannenden Produktions- und Lieferketten ist es auch nicht ausgeschlossen, dass der Exportbann Indonesiens auf die Weltwirtschaft durchschlägt. Bereits im vergangenen Jahr mussten in China Fabriken die Produktion drosseln oder einstellen, um angesichts stockender Lieferungen von fossilen Rohstoffen Energie zu sparen.

Auf Deutschland dürften die Vorgänge keine direkten, aber indirekte Auswirkungen haben. So könnte die durch Indonesien veranlasste Verknappung des weltweiten Angebots die Preise für Kohle weiter antreiben, obwohl im vergangenen Jahr bereits signifikante Verteuerungen zu beobachten waren. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Kohle eine wachsende Bedeutung für die Stromerzeugung in Deutschland hat - obwohl die Bundesregierung den Ausstieg aus der Technologie massiv vorantreibt.

Weil der Wind nicht genug wehte, überholte Kohle die Windkraft im vergangenen Jahr und stieg zur wichtigsten Stromquelle hierzulande auf.

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