Finanzen

Libor-Manipulation: Kompletter Freispruch für Ex-Deutsche-Bank-Trader

Ein New Yorker Berufungsgericht hat ein früheres Urteil zur Libor-Manipulation kassiert und die Ex-Deutsche-Bank-Trader Matthew Connolly und Gavin Black freigesprochen.
28.01.2022 10:52
Lesezeit: 2 min
Libor-Manipulation: Kompletter Freispruch für Ex-Deutsche-Bank-Trader
Freispruch für zwei frühere Trader der Deutschen Bank: Libor-Manipulation war kein Verstoß gegen Gesetze. (Foto: dpa) Foto: Richard Drew

Ein US-Bundesberufungsgericht hat die Verurteilungen von zwei ehemaligen Händlern der Deutschen Bank aufgehoben, die im Zusammenhang mit einer angeblichen Manipulation der Libor-Benchmark angeklagt waren. Dies ist ein Rückschlag für die Staatsanwaltschaft, die auch Einzelpersonen für Aktionen belangen wollte, die den Banken bereits Geldstrafen in Milliardenhöhe eingebracht haben.

In einer Stellungnahme des Zweiten US-Berufungsgerichts in Manhattan vom Donnerstag heißt es, dass "die Regierung nicht nachweisen konnte, dass irgendeine der von den Händlern beeinflussten Eingaben falsch, betrügerisch oder irreführend war". Das Dreiergremium wies das Bezirksgericht an, die beiden Männer freizusprechen.

Der Libor-Skandal (London Interbank Offered Rate) erschütterte vor mehr als einem Jahrzehnt die weltweiten Finanzmärkte. Mehrere Banken mussten Geldstrafen zahlen, weil sie den Referenzzinssatz zu ihren Gunsten manipuliert hatten, wodurch Finanzverträge im Wert von Billionen Dollar betroffen waren.

In der Folge wurde versucht, den Libor durch neue, auf Markttransaktionen basierenden Benchmarks in der ganzen Welt zu ersetzen. Dieser Versuch ist Ende letzten Jahres einen großen Schritt vorangekommen, wie die Financial Times berichtet. Die Libor-Sätze in den meisten Währungen wurden abgeschafft und den Banken wurde verboten, neue Libor-Verträge in US-Dollar abzuschließen.

Nach einem Libor-Vergleich mit der Deutschen Bank in Höhe von 775 Millionen Dollar im Jahr 2015, erhob die US-Staatsanwaltschaft 2016 Anklage gegen Matthew Connolly und Gavin Black. Connolly war Leiter des Pool Trading Desks der Deutschen Bank in New York und beaufsichtigte die Händler, die mit Derivaten auf Basis des US-Dollar-Libor handelten. Black war Leiter des Geldmarkt- und Derivate Desks der Deutschen Bank in London.

Connolly und Black wurden von der US-Staatsanwaltschaft beschuldigt, sich mit anderen Händlern verschworen zu haben und Kollegen dazu zu verleitet zu haben, der British Bankers' Association (BBA), die den Libor damals verwaltete, falsche Zinssätze zu übermitteln. Dabei hätten sie von der Verschiebung des Zinssatzes profitiert oder Verluste bei Derivatverträgen verringert.

Nach einem einmonatigen Schwurgerichtsverfahren wurden sie im Oktober 2018 wegen Betrugs und Verschwörung zu Betrug und Bankbetrug für schuldig befunden. Connolly wurde zu zwei Jahren Haft unter Aufsicht und einer Geldstrafe von 100.000 US-Dollar verurteilt, während Black zu drei Jahren Haft unter Aufsicht und einer Geldstrafe von 300.000 US-Dollar verurteilt wurde.

Doch keiner der beiden Händler war für die Übermittlung der Libor-Fixes der Deutschen Bank an die BBA verantwortlich. Die Banker legten Berufung ein und argumentierten, die Regierung habe nicht nachgewiesen, dass ihre Handlungen gegen das Gesetz verstoßen hätten. Das Berufungsgericht stimmte dem nun zu.

Trotz Aussagen von Kollegen, dass Connelly und Black Libor-Angaben verlangten, die ihren Handelspositionen zugute kamen, befand das Berufungsgericht, dass die Beweise nicht ausreichten, um zu beweisen, dass die Angeklagten die Bank veranlasst hätten, falsche oder irreführende Angaben zu machen. Die Staatsanwaltschaft habe nicht bewiesen, dass der Referenzzinssatz außerhalb einer vernünftigen Bandbreite lag, zu der die Bank hätte leihen können - wie es der Libor zeigen sollte.

Anwalt Seth Levine, der Black vertrat, sagte, dass "Black seinen Beruf ausgeführt hat, wie er sein Leben gelebt hat: mit Ehre und Ehrlichkeit". Und Kenneth Breen, ein Partner bei der Kanzlei Paul Hastings, der Connolly vertrat, sagte: "Wir sind hocherfreut, dass Matt Connolly in diesem erfundenen Fall, der nie hätte erhoben werden dürfen, vollständig entlastet wurde".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienmarkt verliert an Schwung
05.02.2026

Der Boom auf dem deutschen Immobilienmarkt gerät ins Stocken. Nach Jahren kräftiger Zuwächse steigen die Preise nur noch minimal – bei...

DWN
Politik
Politik New Start läuft aus: Nukleare Ordnung vor dem Zerfall
05.02.2026

Der letzte große Vertrag zur Begrenzung von Atomwaffen ist Geschichte. Mit dem Auslaufen von New Start verlieren die USA und Russland das...

DWN
Finanzen
Finanzen Tonies-Aktie: Toniebox 2 mit großem Erfolg für SDAX-Wert – Tonies-Zahlen schlagen Erwartungen
05.02.2026

Der Spielwarenhersteller Tonies sorgt mit starkem Wachstum und einem erfolgreichen Produktlaunch für Aufmerksamkeit an der Börse. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-News: Kryptowährungen brechen ein – Bitcoin-Kurs auf tiefstem Stand seit Trumps Wahlsieg
05.02.2026

Am Donnerstag geht der Krypto-Crash weiter, Star-Investor Michael Burry warnt bereits vor einer "Todesspirale". Der Bitcoin-Kurs gerät...

DWN
Immobilien
Immobilien Fördergelder: KfW bündelt Wohnförderung in zwei Basisprogramme
05.02.2026

Weniger Programme, mehr Tempo: Die KfW verspricht schnellere Kredite für Hausbauer und Sanierer. Dem Standort Deutschland insgesamt will...

DWN
Technologie
Technologie Google Project Genie: KI verändert die Gaming-Branche
05.02.2026

Google Project Genie hat kurzfristige Marktreaktionen ausgelöst und die Debatte über KI in der Spielebranche verschärft. Handelt es sich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Die Ergebnisse von Alphabet übertrafen die Erwartungen, doch der Anstieg der Ausgaben verschreckte die Anleger
04.02.2026

Im Jahr 2026 plant das Unternehmen, im Wettlauf um künstliche Intelligenz durchschnittlich 180 Milliarden Dollar auszugeben.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Börsentag: Technologiegiganten zogen den Markt weiter nach unten
04.02.2026

Die US-Börsen beendeten den Handelstag am Mittwoch überwiegend im Minus.