Deutschland

Deutsche Exporte auf Rekordhoch, aber Exportüberschuss schmilzt

Die deutschen Exporte sind im Jahr 2021 auf ein neues Rekordhoch angestiegen, aber auch die Importe zogen stark an, sodass der Exportüberschuss schmilzt.
09.02.2022 09:33
Aktualisiert: 09.02.2022 09:33
Lesezeit: 2 min

Materialmangel, gestörte Lieferketten, explodierende Energiepreise und Pandemie: Die deutschen Exporteure haben im vergangenen Jahr trotz vieler Hürden den Corona-Absturz von 2020 mehr als wettgemacht. Ihre Ausfuhren wuchsen im Gesamtjahr um 14,0 Prozent auf den Rekordwert von 1375,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Sie übertrafen damit wieder das Niveau des Vorkrisenjahres 2019, und zwar um 3,6 Prozent.

Die Importe legten 2021 sogar um 17,1 Prozent zu und erreichten mit 1202,2 Milliarden Euro ebenfalls eine neue Bestmarke - nicht zuletzt wegen stark gestiegener Preise für Energieeinfuhren wie Erdgas. Der im Ausland viel kritisierte deutsche Exportüberschuss summierte sich auf 173,3 Milliarden Euro, womit er das fünfte Jahr in Folge sank.

"Das Rekordjahr im Export sollte uns nicht auf die falsche Fährte führen", warnte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, vor Euphorie. "Störungen in globalen Lieferketten sowie hohe Logistikkosten belasten noch immer den Außenhandel und beeinträchtigen die Produktion." Eine kurzfristige Besserung der Probleme sei nicht in Sicht.

Das sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) genauso. "Für 2022 bleiben die Unsicherheiten im internationalen Geschäft für die deutschen Unternehmen überaus groß", sagte dessen Außenwirtschaftschef Volker Treier. Als Beispiele nannte er die Auswirkungen der Omikron-Welle auf den Welthandel, zuletzt gesunkene Auftragseingänge aus China sowie die andauernden Probleme in der Lieferkette, etwa durch Hafenschließungen in der Volksrepublik und fehlende Container-Kapazitäten.

"VOLLE AUFTRAGSBÜCHER"

Dennoch stehen die Chancen für einen anhaltenden Aufschwung im laufenden Jahr nicht schlecht. Die exportabhängige deutsche Industrie sitzt auf einem rekordhohen Auftragsberg, der wegen Materialengpässen nicht im eigentlich möglichen Tempo abgetragen werden kann. Viele Experten gehen aber davon aus, dass sich die Lage bei der Versorgung mit wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern und Rohstoffen im Laufe des Jahres entspannen wird. "Volle Auftragsbücher von Industrieunternehmen sind eine gute Basis für weiteres Exportwachstum", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. "Omikron und Lieferketten werden darüber entscheiden, wie kräftig dieses sein wird."

"TEUERUNGSSCHUB DROHT"

Allerdings gibt es auch jede Menge Risiken - von der hohen Inflation bis zum Ukraine-Russland-Konflikt. "Wenn die Energiepreise auf dem Weltmarkt nicht bald wieder etwas nachgeben, droht in den kommenden Monaten ein weiterer Teuerungsschub", warnte der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Sebastian Dullien. "Der könnte deutsche Haushalte und deutsche Unternehmen belasten und damit auch die Erholung dämpfen."

Geopolitische Konflikte wie etwa die aktuellen Spannungen an der Ostgrenze der Ukraine schlagen zudem auf das Gemüt vieler Exporteure. "Russland ist keine Top-Handelsnation für Deutschland", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Allerdings importiere Deutschland aus Russland entscheidende Rohstoffe, allen voran Gas, Öl und Metalle. "Ohne diese Rohstoffe funktioniert die deutsche Exportmaschinerie nur eingeschränkt", sagte Gitzel. "Ob es für Deutschland ein gutes Exportjahr 2022 wird, hängt also auch davon ab wie es im Osten der Ukraine weiter geht."

Besonders die Nachfrage aus den USA nach Waren "Made in Germany" zog im vergangenen Jahr an: Die Exporte in die boomende weltgrößte Volkswirtschaft wuchsen um 18,0 Prozent auf 122,1 Milliarden Euro. Die Vereinigten Staaten blieben damit größter deutscher Exportkunde, gefolgt von China. Die Ausfuhren in die Volksrepublik legten um 8,1 Prozent auf 103,6 Milliarden Euro zu, die nach Frankreich um 12,6 Prozent auf 102,3 Milliarden Euro. Die meisten Importe kamen 2021 aus der Volksrepublik China. Von dort wurden Waren im Wert von 141,7 Milliarden Euro eingeführt, ein Plus von 20,8 Prozent zum Vorjahr.

Am Jahresende zeigten sich die Exporteure in überraschend guter Form: Im Dezember legten die Ausfuhren um 0,9 Prozent zum Vormonat zu. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem leichten Rückgang von 0,2 Prozent gerechnet.

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