Finanzen

Signale in der EZB für Anhebung des Leitzins mehren sich, Euro steigt

Angesichts der hohen Inflation mehren sich in der EZB die Rufe, den Leitzins anzuheben. Die deutsche EZB-Direktorin geht davon aus, dass ab Juli erhöht wird.
06.05.2022 12:12
Lesezeit: 2 min

Angesichts der hohen Inflation mehren sich die Rufe in der Europäische Zentralbank nach einer baldigen Zinswende. "Nach heutigem Stand gehe ich davon aus, dass wir im Juli die Zinsen erstmalig erhöhen können", sagte die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel der "Bild" (Freitagausgabe). Auch der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau Villeroy ist mit Blick auf die rekordhohe Teuerungsrate von zuletzt 7,5 Prozent alarmiert und sieht die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde unter Zugzwang. Er nannte es den "offensichtlichsten nächsten Schritt", die Zinsen Richtung Null zu lenken. Dafür kämen die kommenden EZB-Sitzungen infrage.

Diese stehen im Juni und Juli an, eine weitere folgt im September. Der finnische Notenbankchef Olli Rehn hatten jüngst den Juli ins Spiel gebracht und dafür einen Zinsschritt um einen Viertelprozent-Punkt beim Einlagesatz vorgeschlagen. Derzeit liegt dieser Strafzins für Banken, die Geld bei der EZB parken, bei minus 0,5 Prozent. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat eine ganze Abfolge von Erhöhungen signalisiert, aber die Bedeutung der eigentlichen Zinswende heruntergespielt. Der Zeitpunkt der ersten Anhebung sei nicht so wichtig wie der geldpolitische Normalisierungsprozess als Ganzes, argumentiert der Ire.

EURO-WECHSELKURS IM FOKUS

Die jüngste kräftige Zinserhöhung in den USA erhöhe den Druck auf die EZB zusätzlich, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest der Augsburger Allgemeinen: "Die Zinserhöhung der USA führt zu einer Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro, das erhöht den Inflationsdruck in Europa. Insofern besteht für die EZB ein gewisser Druck, zu folgen." Die US-Notenbank Fed hat auf die hohe Inflation jüngst mit dem größten Zinssprung seit 22 Jahren reagiert und will weitere Erhöhungen folgen lassen.

Auch Villeroy rät dazu, den Wechselkurs genau im Blick zu halten: "Wir haben zwar kein Wechselkursziel, aber das Niveau des Euro spielt bei der importierten Inflation eine wichtige Rolle", sagte der Währungshüter: "Ein zu schwacher Euro würde unserem Preis-Stabilitätsziel zuwiderlaufen." Anleger interpretierten dies als Signal einer nahenden Zinswende und kauften Euro. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich am Vormittag auf 1,0564 von 1,0499 Dollar.

Der renommierte Ökonom Gunther Schnabl von der Universität Leipzig warnte unterdessen vor Risiken für den Euro. "Die Gefahr des Auseinanderbrechens des Euros und einer neuen Schuldenkrise ist real. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist höher als zur Schuldenkrise 2011, weil die Staatsverschuldung in der Zwischenzeit weiter angestiegen ist", sagte er "Bild". Denn durch ein Ende der Ankäufe von Staatsanleihen und bei Zinserhöhungen der EZB könnten "die hoch verschuldeten Eurosüdländer, einschließlich Frankreich, in Zahlungsschwierigkeiten geraten."

Die EZB will als Vorstufe einer Zinswende zunächst ihre milliardenschweren Anleihenkäufe auslaufen lassen. Sie hat dafür bislang keinen Endpunkt genannt, peilt nach bisherigen Planungen jedoch ein Ende im dritten Quartal an. Laut Villeroy liegen keine Argumente dafür auf der Hand, über den Juni hinaus mit Zukäufen solcher Papiere geldpolitisch auf dem Gaspedal zu bleiben: "Die Inflation ist nicht nur höher, sondern auch viel breiter", sagte er. Die EZB könne nicht darüber hinwegsehen, auch weil die Inflationserwartungen anscheinend immer weniger bei dem von der Notenbank angestrebten Wert von zwei Prozent verankert seien.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

DWN
Politik
Politik Berlin wählt: Diese Koalitionen sind möglich – und was sonst noch wichtig ist!
19.09.2026

Rund 2,5 Millionen Berliner entscheiden am Sonntag über die politische Zukunft ihrer Stadt. Nach einem von Wohnungsnot, Verkehr und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Safran-Anbau: KI und Roboter sollen Europas Abhängigkeit beenden
19.09.2026

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt, doch seine Lieferkette ist anfällig und kaum transparent. Ein schwedisches Start-up will das...

DWN
Technologie
Technologie Gefälschte IT-Mitarbeiter: Remote-Jobs werden zum Einfallstor für Spione
19.09.2026

Sie sehen aus wie ganz normale Bewerber, doch hinter Lebensläufen, Videogesprächen und vermeintlich echten Identitäten können...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi-Krise: „In zehn Jahren muss es Volkswagen noch geben“
19.09.2026

China holt Europas Autobauer nicht mehr nur ein. In wichtigen Technologiebereichen ist die Konkurrenz bereits vorbeigezogen. Audi-Chef...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Krypto-Rally an der Wall Street
18.09.2026

Unerwartete Entwicklungen bewegen die US-Märkte und sorgen für Aufsehen unter Anlegern.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Suezkanal: Warum Maersk jetzt die riskante Abkürzung nimmt
18.09.2026

Die Sicherheitslage im Roten Meer verschärft sich, doch ausgerechnet jetzt kehren große Reedereien auf die Route durch den Suezkanal...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Aus einem Hobby wird ein Unternehmen: Sie hatte eine Idee, er musste seinen Job kündigen
18.09.2026

Aurelija Mališauskienė, Gründerin des Unternehmens „Minimali“, begann während ihres Elternurlaubs mit der Herstellung von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
18.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...