Deutschland

Energie-Krise: Gazprom kündigt massiven Preisanstieg an

Der russische Staatskonzern Gazprom kündigt für den späten Herbst neue Preissteigerungen an. Das befeuert die Inflation in Deutschland.
Autor
18.08.2022 12:40
Aktualisiert: 18.08.2022 12:40
Lesezeit: 2 min

Der russische Staatskonzern Gazprom kündigt für den späten Herbst neue Preissteigerungen an. Diese könnten um 60 Prozent auf mehr als 3.923 Euro pro 1.000 Kubikmeter zulegen. Das gab das Unternehmen im Laufe der Woche in Moskau bekannt.

„Die europäischen Spotgaspreise haben 2.500 Dollar pro 1000 Kubikmeter erreicht“, so Gazprom. „Nach vorsichtigen Schätzungen werden die Preise in diesem Winter 4.000 Dollar pro 1.000 Kubikmeter überschreiten, wenn diese Tendenz anhält.“

Bekanntlich hat die Ukraine eine der Gazprom-Routen für Lieferungen nach Europa geschlossen, Gazprom selbst ist im Streit über eine Gasturbine mit dem für die Wartung zuständigen deutschen Konzern Siemens Energy die Kapazität der Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland auf rund 20 Prozent der ursprünglichen Lieferung reduziert.

Insgesamt brachen die Gasexporte von Gazprom zwischen dem 1. Januar und dem 15. August um 36,2 Prozent auf 78,5 Milliarden Kubikmeter ein. Gleichzeitig nahm die Produktion um 13, 2 Prozent auf 274,8 Milliarden Kubikmeter ab. Allein im August sei – immer nach Auskunft des Unternehmens – die Produktion um 32,2 Prozent zurückgegangen.

Die niederländischen Großhandelspreise für Gas erreichten im Frühjahr dieses Jahres ein Rekordhoch von fast 335 Euro pro Megawattstunde (MWh). Seitdem sind sie auf etwa 230 Euro gefallen, allerdings liegen sie damit immer noch viel höher als vor einem Jahr, als sie etwa 46 Euro pro MWh betrugen.

In Deutschland wie auch in vielen anderen europäischen Ländern befeuern die hohen Energiepreis die Inflation. Experten zufolge könnte die deutsche Teuerungsrate im Herbst sogar zweistellige Werte erreichen.

Suche nach Alternativen

Derzeit bemüht sich Deutschland noch vor dem Winter alternative Gasquellen zu finden. Es besteht nämlich die Gefahr, dass Russland die Lieferungen weiter kürzt oder sogar ganz einstellt. Um die Krise abzumildern, sollen nun zwei Flüssiggas (LNG)-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven errichtet werden, deren Betriebsstart aber frühestens im Winter erfolgen kann.

Mit den beiden Terminals kann Deutschland nach Analysten-Angaben jährlich bis zu 12,5 Mrd. Kubikmeter LNG beziehen. Das wären etwa 13 % des deutschen Gasverbrauchs im Jahr 2021. Außerdem dürfte das über diesen Weg aus den USA und von arabischen Lieferanten gekaufte Flüssiggas, ebenfalls sehr teurer sein und kaum zu einer echten Preisentlastung führen.

Gaspreise für Verbraucher steigen von 6,5 Cent auf 21 Cent

Die Gaspreise für Verbraucher sind bereits auf einem historischen Niveau. Dadurch steigen aber auch die Einnahmen des Staates aus der Mehrwertsteuer. Die deutschen Haushalte werden für Gas im Jahr 2022 über 3,6 Milliarden Euro mehr Umsatzsteuer bezahlen als im Jahr 2021. Würde Gas mit dem geringeren Steuersatz von 7 Prozent besteuert, könnten Haushalte um 4,4 Milliarden Euro entlastet werden. Das zeigen Berechnungen des Vergleichsportals Verivox.

Zum 1. Oktober 2022 wird zusätzlich eine neue Gas-Umlage eingeführt. Über die Umlage werden die stark gestiegenen Einkaufspreise der Gasversorger an alle Gasverbraucher weitergegeben. Wird die Mehrwertsteuer darauf fällig, erhält der Staat bei einer Umlagenhöhe von 2,419 Cent/kWh (netto) aufs Jahr gerechnet zusätzlich 1,4 Milliarden Euro von den Haushalten.

„Die neue Umlage katapultiert die Gaspreise dann auf fast 21 Cent pro Kilowattstunde. Sie könnten allerdings noch deutlich höher steigen, denn die Großhandelspreise für Gas liegen derzeit sogar über diesem Niveau. Ein Ende der Preiserhöhungen ist also noch nicht in Sicht. Dieser Winter wird mit Sicherheit der teuerste aller Zeiten werden,“ sagt Thorsten Storck von Verifox.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Huaweis Chip-Königin: Die Frau hinter Chinas Hightech-Plan
30.07.2026

He Tingbo gilt als eine der wichtigsten Figuren in Chinas Chipindustrie. Die Huawei-Managerin soll den Konzern unabhängiger von westlicher...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Micron und SanDisk im Sog des anhaltenden Chip-Ausverkaufs
29.07.2026

Turbulenzen an den US-Märkten: Warum Anleger jetzt starke Nerven brauchen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dänemark-Handelspolitik: „Langlebige Mythen über Afrika sind kostspielig“
29.07.2026

Afrika gewinnt im globalen Wettbewerb um Märkte, Wertschöpfungsketten und die grüne Transformation zunehmend an Bedeutung. Damit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Dieses Familienunternehmen profitierte vom Krieg, nun droht der Kontrollverlust
29.07.2026

Aller Petfood blieb mit zwei Fabriken in Russland aktiv und profitierte zunächst vom abgeschotteten Markt. Nun geraten das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäischer Gaspreis steigt wieder: Iranische Attacken nach US-Angriffsstopp – Entspannung nicht in Sicht
29.07.2026

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten war nur von kurzer Dauer. Neue militärische Entwicklungen lassen den europäischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa droht ein Preisschock und ein stärker als erwarteter Anstieg des Euribor
29.07.2026

Der 6-Monats-Euribor ist auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren geklettert. Der Anstieg dürfte sich fortsetzen, da ein unerwartet...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starke Quartalszahlen stützen Erholung, Cashflow bleibt Belastungsfaktor
29.07.2026

Nach Monaten deutlicher Kursverluste zeigt sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch von ihrer besten Seite – dank starker Quartalszahlen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert
29.07.2026

Die Bundesregierung stellt die Förderung von Solarstrom grundlegend um. Das Kabinett hat eine Reform des EEG beschlossen, die private...