Politik

Italiens Wirtschaftsminister dämpft Hoffnungen auf schnelles Wachstum

Lesezeit: 1 min
16.02.2014 18:19
Der italienische Finanz- und Wirtschaftsminister Saccomanni warnt vor den Problemen, die auf den neuen Premier Renzi zukommen. Schnelle Fortschritte seien nicht zu erwarten, denn die italienische Wirtschaft sei „so behäbig wie ein Tanker“.
Italiens Wirtschaftsminister dämpft Hoffnungen auf schnelles Wachstum

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Italien  

In Italien wird nach dem Rückzug von Ministerpräsident Enrico Letta mit Hochdruck an der Bildung einer neuen Regierung gearbeitet. Präsident Giorgio Napolitano werde am Montagmorgen den Chef der Demokratischen Partei (PD), Matteo Renzi, treffen, hieß es Sonntag in einer Erklärung.

Es wird erwartet, dass Renzi dabei den Auftrag zur Regierungsbildung erhält - es wäre die 65. in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg. Der 39-Jährige wäre der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte des Landes und der dritte Regierungschef in Folge, der vom Präsidenten ernannt und nicht vom Volk gewählt wurde.

Die Bemühungen Renzis, die bisherige Regierungskoalition auch hinter sich zu vereinen und ein neues Kabinett zu bilden, liefen am Sonntag laut Berichten italienischer Medien auf Hochtouren. Der Chef der Mitte-Rechts-Partei, Angelino Alfano, signalisierte bereits, die Koalition auch unter Renzi fortzuführen. Es müssten aber erst die gemeinsamen abgesteckt werden. Das brauche Zeit.„Wir sind das Zünglein an der Waage“, sagte Alfano bei einer Parteiveranstaltung am Sonntag. „Wenn wir Nein sagen, gibt es keine neue Regierung.“

Letta hatte am Freitag die Konsequenzen aus dem Machtkampf mit Renzi gezogen und war am Freitag nach weniger als einem Jahr im Amt zurückgetreten (mehr hier).

Finanz- und Wirtschaftsminister Fabrizio Saccomanni warnte am Sonntag vor zu hohen Erwartungen. Die Ungeduld im Land steige, da sich alle schnelle Fortschritte erhofften. Das könne er zwar nachvollziehen. „Man muss aber auch verstehen, dass die italienische Wirtschaft so behäbig ist wie ein Tanker.“

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone leidet massiv unter den Folgen der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg und einer Arbeitslosigkeit wie es sie seit den 70er Jahren nicht gegeben hat.

Mit einem rigiden Sparkurs steuerten Letta und dessen Vorgänger Mario Monti dagegen. So gelang es Italien bisher, das Haushaltsdefizit unter der EU-Obergrenze von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung zu halten. Die Einhaltung dieses Maastricht-Kriteriums hat Renzi nun jedoch infrage gestellt. Die EU hat bereits signalisiert, nicht zu Ausnahmen beim Konsolidierungskurs bereit zu sein.

Die italienische Wirtschaft legte im vierten Quartal 2013 erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder zu, allerdings nur um magere 0,1 Prozent. In den letzten fünf Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt um 7 Prozent gesunken.

In den vergangenen Wochen hatte Renzi eine Änderung des Wahlrechts, eine Reform des Arbeitsrechts sowie die Abschaffung politischer Privilegien gefordert. Er wird von der Industrie und der Finanzbranche des Landes gestützt.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
DWN
Politik
Politik Erzbischof Carlo Maria Viganò: Der Tiefe Staat und die Tiefe Kirche verfolgen die gleiche Agenda

Im großen DWN-Interview legt der umstrittene Erzbischof Carlo Maria Viganò, der als Gegenspieler von Papst Franziskus gilt, seine Sicht...

DWN
Deutschland
Deutschland Tödliche Corona-Verläufe in Berlin am geringsten, in Sachsen-Anhalt am höchsten

Der Johns Hopkins University zufolge ist der Anteil der tödlichen Verläufe der Corona-Erkrankungen in Berlin und NRW deutschlandweit am...

DWN
Politik
Politik China wird aggressiver: Zwangsassimilation in der Inneren Mongolei

Peking hat verfügt, dass an den mongolisch-sprachigen Schulen in der Inneren Mongolei diverse Fächer nur noch auf Chinesisch unterrichtet...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin schwächelt: Ende des Bullenmarkts oder Chance zum Einstieg?

Seit seinem Rekordhoch am 21. Februar befindet sich Bitcoin in einer Phase der Schwäche. Doch Analysten erwarten weitere Rekorde, sobald...

DWN
Politik
Politik Dänemark erklärt Teile Syriens für sicher: Druck auf Flüchtlinge wächst

Dänemark hat Teile Syriens für sicher erklärt und einigen Flüchtlingen die Aufenthaltserlaubnis entzogen.

DWN
Politik
Politik Menschenaffen werden gegen Corona geimpft

Weil Menschenaffen vom Aussterben bedroht sind, werden sie gegen Corona geimpft.

DWN
Politik
Politik Orban-Regierung spricht von "sehr starker dritter Welle" und legt Ungarn lahm, auch Niedersachsen droht mit Oster-Lockdown

Lesen Sie im Folgenden den Corona-Ticker, den wir selbstverständlich laufend für sie aktualisieren.