Finanzen

Deutsche Bank: Gewinn überraschend stark gestiegen

Auch wegen der steigenden Zinsen konnte die Deutsche Bank ihren Quartalsgewinn überraschend deutlich um 475 Prozent steigern. Doch nun warnt das Institut.
26.10.2022 16:15
Aktualisiert: 26.10.2022 16:15
Lesezeit: 3 min

Steigende Zinsen und gute Geschäfte mit Firmenkunden haben der Deutschen Bank den höchsten Quartalsgewinn seit mehr als einem Jahrzehnt beschert. Unter dem Strich erzielte das Institut einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro, 475 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das größte deutsche Geldhaus am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit 835 Millionen Euro gerechnet.

"Seit wir unsere Strategie im Juli 2019 verkündet haben, haben wir uns zu keiner Zeit von unserem Weg abbringen lassen – trotz der so großen Veränderungen und gesamtwirtschaftlichen Schocks der vergangenen zwei Jahre," schrieb Bankchef Christian Sewing an die Beschäftigten. Das Institut warnte aber auch vor wachsenden Herausforderungen und einem stärkeren Kostendruck. Nach anfänglich deutlichen Gewinnen lagen die Aktien am Nachmittag leicht im Plus.

Für die Analysten von JPMorgan ergab sich ein gemischtes Bild: "Die Deutsche-Bank-Ergebnisse sind solide und verdeutlichen Verbesserungen unter CEO Christian Sewing", schrieben sie. Allerdings sei die Entwicklung der Kosten enttäuschend, auch wenn die Bank die Aufwand-Ertragsquote weiter im mittleren bis niedrigen 70-Prozent-Bereich erwartet. Insgesamt glauben JPMorgan-Analysten noch nicht daran, dass die Bank ihre Kosten im Griff hat.

SEWING KRITISIERT EZB-PLÄNE FÜR ÄNDERUNGEN BEI KREDITLINIEN

Das stärkste Wachstum verzeichnete der Konzern in der Unternehmensbank: Hier stiegen die Erträge um 25 Prozent, gefolgt von einem 13-prozentigen Ertragswachstum im Privatkundengeschäft. Grund waren vor allen gestiegene Zinserträge dank der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihre Nullzinspolitik im Sommer aufgab und am Donnerstag erneut eine Zinserhöhung verkünden dürfte. Doch die positiven Effekte könnten durch eine mögliche Änderung der günstigen Konditionen von EZB-Krediten zum Teil gedämpft werden. Die Institute hatten im Rahmen des TLTRO-Programms von der Notenbank Kreditlinien zum Nulltarif oder sogar zu Negativzinsen bekommen, um mehr Darlehen an die Wirtschaft zu geben. Nun will die EZB diese Konditionen im aktuellen Zinsumfeld streichen.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing kritisierte das: "Eine rückwirkende Änderung ist aus meiner Sicht nicht das Richtige", sagte er am Mittwoch bei einer Konferenz mit Analysten nach der Vorlage der Quartalszahlen. "Eine Änderung der TLTRO-Kreditkonditionen wäre sehr enttäuschend."

NOCH KEINE KREDITRISIKEN SICHTBAR AUFGRUND DER ENERGIEKRISE

Das schwache Geschäft mit Fusionen und Übernahmen dämpfte den Profit im Investmentbanking: Die Gewinne stiegen um sechs Prozent auf 2,37 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank entlässt Insidern zufolge dennoch mehrere Dutzend Investmentbanker in London und New York. Die Kündigungen seien nichts Ungewöhnliches, sagte von Moltke. Die Bank rechne damit, dass die volatilen Kapitalmärkte die Erträge in der Investmentbank weiterhin belasteten. Die Zinswende ließ die Gewinne im Wertpapiergeschäft aber steigen: Hier erzielte die Deutsche Bank einen Anstieg von 38 Prozent. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Ertragswachstum der US-Rivalen lag in diesem Bereich bei 23 Prozent.

Auf das erhöhte Risiko für Kreditausfälle reagierte die Bank mit einer Risikovorsorge in Höhe von 350 Millionen Euro - das dreifache wie im Vorjahresquartal, als sie noch 117 Millionen Euro beiseite legte. "Wir sind von unserem soliden Kreditbuch aber weiterhin überzeugt und haben unsere Prognose bekräftigt, dass wir für das Gesamtjahr eine Risikovorsorge von etwa 25 Basispunkten des durchschnittlichen Kreditvolumens erwarten", schrieb Sewing an die Mitarbeiter der Bank.

Das Institut kann laut Finanzchef zur Zeit keine eindeutige Tendenz in der Risikosituation erkennen. "Die Auswirkung der hohen Energiepreise auf die Risikovorsorge ist noch nicht sichtbar", erklärte er. Die Wertminderung durch notleidende Kredite sei weder durch die Energiekrise, noch die drohende Rezession bedingt. Dennoch erwarte die Bank im kommenden Jahr ein langsameres Kreditwachstum.

ZWEI RAZZIEN IM LAUFENDEN JAHR

Die Gesamterträge stiegen um 15 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. "Wir liegen voll auf Kurs, unsere Ziele für das Jahr 2022 zu erreichen", erklärte Bankchef Sewing. Das Ziel, die Zahl der Stellen auf 74.000 zu reduzieren, wird das Geldhaus bis Jahresende aber nicht erreichen. Dennoch sieht sich der Vorstand durch die Heraufstufung der Ratingagentur Moody's Mitte Oktober in ihrer Strategie zu einer profitablen Bank bestätigt.

Die Justizbehörden sind mit einigen Geschäften der Bank allerdings nicht einverstanden. Das Institut musste sich im laufenden Jahr bereits zwei Razzien stellen. Im Mai hatten Ermittler die Bank und ihre Fondstochter DWS wegen Greenwashing-Vorwürfen durchsucht. DWS wies diese zurück und die Deutsche Bank leitete eine interne Untersuchung bei der Tochtergesellschaft ein.

Im Oktober durchsuchten Staatsanwälte die Firmenzentrale wegen des Verdachts auf schwere Steuerhinterziehung im Rahmen von Cum-Ex. Wegen der illegalen Aktiengeschäfte musste das Frankfurter Institut zusammen mit der Warburg Bank und der Bank of New York Mellon 60 Millionen Euro an den Fiskus zahlen. Ob die seit 2017 laufenden Cum-Ex-Ermittlungen der Deutschen Bank weitere Kosten verursachen könnten, wollte der Finanzchef bei der Vorlage der Quartalszahlen nicht kommentieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lithium-Boom inmitten von Deutschland: Warum Mitteldeutschland zum Lithium-Produzenten werden könnte
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für Zukunftstechnologien. Noch bezieht die EU das „weiße Gold“ teuer...

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...