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Bank of Japan schockt Finanzmärkte - noch immer keine Straffung

Zum Schock der Investoren bleibt die Bank of Japan bei extrem niedrigen Zinsen. Damit hängt das Damoklesschwert der Straffung weiter über den globalen Finanzmärkten.
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18.01.2023 12:36
Aktualisiert: 18.01.2023 12:36
Lesezeit: 5 min
Bank of Japan schockt Finanzmärkte - noch immer keine Straffung
Haruhiko Kuroda, Gouverneur der Bank of Japan (BoJ), am Mittwoch in Tokio. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Für Haruhiko Kuroda, den Gouverneur der Bank of Japan war die geldpolitische Sitzung am Mittwoch die vorletzte sein, bevor er im April aus dem Amt ausscheiden wird. Dies hatte im Vorfeld der Sitzung Spekulationen genährt, Kuroda werde die langjährigen Maßnahmen zur Renditekontrolle endlich abschaffen, um seinem Nachfolger den Übergang zu erleichtern.

Doch stattdessen hat sich die Bank of Japan gegen eine weitere Anpassungen ihres Programms zur Steuerung der Renditekurve entschieden. Die Notenbank ließ ihre wichtigsten geldpolitischen Einstellungen unverändert und beließ die kurzfristigen Zinsen bei minus 0,1 Prozent, während sie eine Handelsspanne von 50 Basispunkten um 0 Prozent für zehnjährige Anleihen beibehielt.

Es war erwartet worden, dass sie die Bank of Japan die Obergrenze der Handelsspanne anheben wird oder dass sie die Kontrolle der Renditekurve ganz aufgeben würde. Doch Kuroda sagte später auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Erklärung, er sehe keine Notwendigkeit, die Renditespanne weiter auszuweiten.

Die Bank erklärte, sie werde ihre Anleihekäufe in großem Umfang fortsetzen und bei Bedarf flexibel erhöhen. Damit zeigt sie ihre Absicht, ihr Programm zur Steuerung der Renditekurve vorerst weiter zu verteidigen. Die Entscheidung war ein Schock für die globalen Anlegern. Denn die Unsicherheit im Hinblick auf die künftige Geldpolitik wird die Märkte nun vorerst weiter beherrschen.

Denn das Festhalten der Notenbank an ihrer lockeren Geldpolitik dürfte die Spekulationen über eine Normalisierung der Geldpolitik nicht ausräumen. Denn die Inflation in Japan steigt. Die Wetten auf einen stärkeren Yen und höhere Renditen werden anhalten, da es nach Ansicht von Analysten nur eine Frage der Zeit ist, wann die Zentralbank aus die Renditekurvenkontrolle beendet.

Japan ist wachsendes Risiko für globale Finanzmärkte

"Wir sehen dies als eine Pause auf dem Weg zu einer weiteren Normalisierung der Geldpolitik", zitiert Bloomberg Mayank Mishra, einen Strategen bei Standard Chartered. "Wir bleiben für den Yen optimistisch und erwarten, dass die Renditedifferenzen bei einer weiteren Normalisierung der BOJ-Politik und einer Verlangsamung des globalen Wachstums/der Inflation weiterhin die Währung unterstützen werden."

Anleihen an anderen globalen Märkten wurden als am meisten gefährdet angesehen, wenn eine Änderung der Politik die japanischen Renditen in die Höhe treibt. Denn eine Welle japanischer Geldern könnte aus ausländischen Beständen in das Land zurückfließen. Japanische Anleger sind die größten ausländischen Besitzer von US-Staatsanleihen, aber auch Anleihen in Australien und Frankreich sind gefährdet.

Der Anstieg der Renditen bei japanischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr trug dazu bei, dass japanische Anleger ausländische Anleihen im Rekordumfang von 21,7 Billionen Yen (166 Milliarden Dollar) verkauften, wie aus den vorläufigen Daten des japanischen Finanzministeriums hervorgeht, die bis ins Jahr 2005 zurückreichen.

"Die große Befürchtung war, dass es zu massiven Verwerfungen kommen könnte, wenn sich japanische Anleger aufgrund der günstigeren lokalen Renditen massenhaft aus den Anleihemärkten der USA, der Eurozone und Australiens zurückziehen", sagte Richard Franulovich, Leiter der Währungsstrategie bei Westpac Banking. "Mit der heutigen Nachricht bleibt die BOJ als Anker für die globalen Renditen positioniert".

"Der Markt hat etwas erwartet, das in Bezug auf eine Änderung der Politik der Bank of Japan nicht möglich war", sagte Kerry Craig, ein globaler Marktstratege bei JPMorgan Asset Management in Melbourne. "Es war relativ klar, dass die Bank of Japan sich darauf konzentrieren würde, ihre Fähigkeit zur Steuerung der Märkte zu erhalten, anstatt sich vom Markt diktieren zu lassen, was zu geschehen hat."

Die Haltung der Notenbank eröffnet den Weg für eine zumindest kurzfristige Schwäche des Yen, der nach Ansicht einiger Analysten auf etwa 135 pro Dollar fallen könnte. Am Mittwoch fiel er bis auf rund 131 Yen pro Dollar, bevor er sich jedoch wieder etwas erholte. Andere Analysten betonen, dass die Anleihekäufe der Bank of Japan nicht nachhaltig seien, was zu einer erneuten Yen-Stärke führen könnte.

"Die BOJ wird die Kontrolle der Renditekurve durch den Kauf weiterer japanischer Staatsanleihen verteidigen müssen", sagt Amir Anvarzadeh, Stratege bei Asymmetric Advisors. "Früher oder später muss sie die Kontrolle der Renditekurve wieder anpassen, sei es unter Kuroda oder unter dem nächsten Gouverneur, aber das Volumen ihrer Anleihekäufe bleibt unhaltbar und der Yen wird wieder in Richtung der 120-Marke steigen."

Bank of Japan will Anleihekäufe bei Bedarf steigern

Die Zentralbank erklärte, sie werde die Käufe japanischer Staatsanleihen in großem Umfang fortsetzen und bei Bedarf flexibel erhöhen. Außerdem erhöhte sie eine Rückstellung für Kredite an Geschäftsbanken, um diese zu ermutigen, mehr Anleihen zu kaufen - eine weitere Taktik in ihrer hartnäckigen Verteidigung der Politik.

Kuroda schloss negative Zinssätze für die Refinanzierungsgeschäfte der Bank of Japan nicht aus. Im Wesentlichen werden Banken dabei für den Kauf japanischer Anleihen bezahlt. Dies war eine "positive Überraschung für den Markt" und der Grund für den Anstieg von US- und australischen Staatsanleihen, sagte Hidehiro Joke, ein leitender Anleihenstratege bei Mizuho Securities in Tokio.

Laut einer Bloomberg-Umfrage aus diesem Monat gehen die Ökonomen von einer Änderung aus, wobei einige ihren voraussichtlichen Zeitpunkt für eine Änderung vorverlegt haben. Einige rechnen nun mit einer Anpassung im April, der ersten Sitzung unter dem neuen Gouverneur, während andere einen Schwenk im Juni erwarten.

Die Entscheidung vom Mittwoch "bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass die Bank of Japan den aktuellen politischen Rahmen an die nächste Führung weitergibt, anstatt ihn unter Kuroda zu ändern", zitiert Bloomberg Hideo Kumano, einen leitenden Ökonom beim Dai-Ichi Life Research Institute.

Die japanische Zentralbank kaufte am Montag und Dienstag Staatsanleihen im Gesamtwert von rund 3 Billionen Yen (23 Milliarden Dollar), da die zehnjährige Rendite weiterhin über die Grenze von 0,5 Prozent stieg. In den letzten beiden Tagen der vergangenen Woche gab die Bank of Japan fast 10 Billionen Yen aus, um ihren Stimulierungsrahmen zu verteidigen.

Da die Erinnerung an den Schock vom Dezember bei Anlegern noch lebendig ist, werden die Wetten auf weitere Änderungen der BOJ wohl nicht verschwinden. Die Spekulationen dürften auch deshalb anhalten, weil die Inflation in Japan weit über der von der Notenbank angestrebten Marke von 2 Prozent liegt. Die Lebenshaltungskosten, die am Freitag veröffentlicht werden, erreichen voraussichtlich die doppelte Rate.

In seinen neuen vierteljährlichen Wirtschaftsprognosen vom Mittwoch hob das neunköpfige Gremium der BOJ seine Preisprognose für dieses Jahr und für das Geschäftsjahr 2024 an. Demnach werden sich die Preise in dem im April beginnenden Jahr abkühlen, was zum Teil auf die Auswirkungen staatlicher Maßnahmen zurückzuführen ist, die zu einer Senkung der Stromrechnungen führen dürften.

Laut Handelsminister Yasutoshi Nishimura nähert sich Japan der Phase, in der die lockere geldpolitische Linie gestoppt werden kann. "Natürlich wird die Geldpolitik in Zukunft normalisiert, aber bis wir einen klaren Weg in die Zukunft sehen, wird die BoJ meines Wissens an ihrer derzeitigen Politik festhalten", sagte der Minister auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Japans Zentralbank würde mit einer Abkehr von der lockeren Linie auf einen Zug aufspringen, mit dem die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank längst unterwegs sind. Die EZB hat die Zinsen seit Juli bereits viermal angehoben, zuletzt im Dezember um 0,5 Prozentpunkte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat weitere Zinserhöhungen im Umfang von je 0,5 Prozentpunkten in Aussicht gestellt.

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