Finanzen

Banken im Euro-Raum verschärfen Kreditvergabe beträchtlich

Der wirtschaftliche Abschwung und die gestiegenen Zinsen krempeln den Kreditmarkt um.
31.01.2023 11:00
Aktualisiert: 31.01.2023 11:33
Lesezeit: 1 min

Die Banken in der Eurozone haben ihre Bedingungen für die Kreditvergabe erheblich verschärft. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag unter Bezug auf eine eigene Umfrage mitteilte, ist die Verschärfung bei Unternehmenskrediten so stark ausgefallen wie seit der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2011 nicht mehr. Die Bedingungen für Verbraucher- und Baukredite seien ebenfalls deutlich verschärft worden.

Als Gründe hätten die Banken eine größere Risikowahrnehmung mit Blick auf die trübere ökonomische Entwicklung genannt. Darüber hinaus seien spezielle Risiken in einzelnen Branchen oder Unternehmen angegeben worden. Auch seien die Banken weniger bereit, Risiken in der Kreditvergabe einzugehen. Aus Sicht der Geldhäuser dürften die Kreditbedingungen im neuen Jahr weiter verschärft werden.

Die Kreditnachfrage war unterdessen rückläufig, was vor allem an dem steigenden Zinsniveau gelegen habe. Die Nachfrage nach Baudarlehen sei sogar mit Rekordgeschwindigkeit gesunken. Aber auch das Interesse an Verbraucher- und sonstigen Krediten sei stark zurückgegangen. Für das erste Quartal 2023 wird ein weiterer Rückgang der Kreditnachfrage erwartet.

Die Ergebnisse basieren auf der Umfrage "Bank Lending Survey", die die EZB vier Mal im Jahr unter den Banken durchführt. Damit sollen Einsichten in die Kreditvergabe erlangt werden.

2022 für KfW ein Rekordjahr

Die staatliche Förderbank KfW hat im vergangenen Jahr mit Rekordsummen die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges abgefedert. Das Fördervolumen stieg auf 166,9 Milliarden Euro, wie die Bankengruppe am Dienstag mitteilte. Damit wurde der Rekord des Corona-Jahres 2020 (135,3 Mrd Euro) deutlich übertroffen. 2021 lag die Fördersumme im In- und Ausland zusammen bei 107 Milliarden Euro.

KfW-Chef Stefan Wintels sprach von einem „Ausnahmejahr“. 2022 ließen vor allem die gewaltigen Summen, die der Bund zur Sicherung der Energieversorgung sowie zur Entlastung von Haushalten und Unternehmen beschloss, das Fördervolumen in die Höhe schießen. 58,3 Milliarden Euro kamen für sogenannte Zuweisungsgeschäfte im Rahmen der Energiekrise zusammen.

Aber auch das traditionelle Fördergeschäft des seit 75 Jahren bestehenden Instituts, das zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Bundesländern gehört, legte zu. Die KfW versorgt Mittelständler, Häuslebauer und Studierende mit zinsgünstigen Krediten. Mit 37,4 Milliarden Euro machte die Bundesförderung für effiziente Gebäude gut ein Viertel der inländischen Förderung aus.

„Nach dem Ausnahmejahr wird unser Augenmerk darauf liegen, gezielte Unterstützung dort zu leisten, wo der Strukturwandel noch deutlich mehr Schub braucht und wo wir unternehmerisches Handeln sowie die Pläne von Privathaushalten und Kommunen effektiv unterstützen“, kündigte Wintels an - die Bank will also weitaus vorsichtiger und selektiver investieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...