Finanzen

JPMorgan-Chef Dimon warnt: Bankenkrise noch nicht vorbei

Nach Ansicht von JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sind die jüngsten Banken-Turbulenzen noch längst nicht überwunden. Das Bankensystem stehe unter Druck.
04.04.2023 17:07
Aktualisiert: 04.04.2023 17:07
Lesezeit: 2 min

Die Bankenkrise in den USA ist aus Sicht des Chefs des amerikanischen Branchenprimus JP Morgan, Jamie Dimon, noch längst nicht überwunden und wird noch auf Jahre hin Auswirkungen haben. Wie schon vor einem Jahr bedrohten Sturmwolken die US-Wirtschaft, schrieb Dimon in einer am Dienstag veröffentlichten 43-seitigen Jahresbotschaft. Das Bankensystem stehe nach dem Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB) und dem Notverkauf der Schweizer Credit Suisse erneut unter Druck. "Die derzeitige Krise ist noch nicht vorbei, und selbst wenn sie hinter uns liegt, wird sie noch jahrelang Auswirkungen haben," führte er aus.

Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession sei gestiegen, schrieb Dimon. "Und obwohl dies nicht mit 2008 vergleichbar ist, ist nicht klar, wann die aktuelle Krise enden wird." Sie habe den Finanzmarkt verunsichert und werde zweifellos zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen führen. Denn Banken und andere Kreditgeber würden konservativer werden, führte er aus. Allerdings sei unklar, ob die Turbulenzen auch den Konsum in den USA, der die US-Wirtschaft antreibe, bremsen werde. Die Risiken, die zur aktuellen Krise führten, hätten im Verborgenen gelegen. Dimon verwies dabei auf das Zinsrisiko und auf das Volumen der unbesicherten Einlagen bei der SVB.

Der SVB-Zusammenbruch sowie der Notverkauf der Schweizer Großbank Credit Suisse an den heimischen Rivalen UBS hatten Anleger weltweit an den Börsen aufgeschreckt und Bankaktien unter Druck gesetzt. Das hatte Befürchtungen geweckt, eine neue Bankenkrise könnte heraufziehen. Mögliche Ähnlichkeiten mit der globalen Finanzkrise spielte Dimon allerdings herunter. Während der Crash im Jahr 2008 international vernetzte große Banken, Hypotheken-Institute und Versicherer umfasste, "betrifft diese gegenwärtige Bankenkrise weit weniger Finanzakteure und weniger Probleme, die gelöst werden müssen," schrieb Dimon.

Der JP-Morgan-Chef spielte zuletzt bei der Bewältigung des Bankenbebens eine wichtige Rolle. Dimon half unlängst dabei, für das angeschlagene regionale Geldhaus First Republic Bank eine Rettungsaktion in Höhe von 30 Milliarden Dollar von elf großen Kreditgebern zu organisieren.

Alle neuen Bankenvorschriften als Reaktion auf die jüngsten Turbulenzen sollten "durchdacht" sein, forderte Dimon. Das schließe auch klarere Regeln für den Umgang mit gescheiterten Geldhäusern ein. "Erratische Stresstest-Kapitalanforderungen und ständige Ungewissheit über künftige Vorschriften schaden dem Bankensystem, ohne es sicherer zu machen", warnte er. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, bestehende Bankenregeln zu überprüfen. Es müsse sichergestellt werden, dass die geltenden Regeln auch die aktuellen Risiken im Bankensystem erfassten. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Proteinboom: Warum Lebensmittelkonzerne jetzt Millionen investieren
30.09.2026

Protein galt lange als Thema für Fitnessstudios und Spezialregale. Inzwischen verändert der Boom ganze Supermärkte und zwingt...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street gibt nach, während die Anleiherenditen sinkentitle
29.09.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Impulse die US-Märkte im späten Handel bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...