Technologie

Langzeittest: E-Autos sind deutlich fehleranfälliger als Verbrenner

Eine renommierte Verbraucherschutz-Organisation stellt in einem Bericht fest, dass Elektroautos für deren Besitzer durchschnittlich 80 Prozent mehr Probleme machen als ein Verbrenner. Das überrascht, denn eigentlich sollte es aufgrund der Bauweise eher umgekehrt sein. Die Autohersteller müssen ihre E-Fahrzeuge in Zukunft noch besser optimieren.
19.02.2024 09:10
Lesezeit: 3 min

Einem neuen Bericht zufolge haben Elektrofahrzeuge fast 80 Prozent mehr Probleme und sind im Allgemeinen weniger zuverlässig als Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. E-Autos der Modelljahre 2021 und 2022 hatten insgesamt mehr als doppelt so hohe Problemraten wie Benzinfahrzeuge, 2023 waren es nur plus 21 Prozent. Der diesjährig niedrigere Abstand lässt zumindest erahnen, dass die Zuverlässigkeit von Elektroautos generell zunimmt.

Die Ergebnisse beruhen auf der jährlichen Umfrage unter den Mitgliedern der US-amerikanischen Verbraucherschutz-Organisation „Consumer Reports“ zur Zuverlässigkeit ihrer Fahrvehikel. Insgesamt wurden die Besitzer von 330.000 Fahrzeugen, die zwischen 2000 und 2024 hergestellt wurden, befragt. Dabei werden 20 potenzielle Problembereiche berücksichtigt, darunter (Elektro-)Motor, Getriebe, Lecks und Infotainmentsysteme.

Der Umfrage zufolge wiesen Elektroautos der letzten drei Modelljahre im Durchschnitt 79 Prozent mehr Probleme auf als vergleichbare Verbrenner, obwohl es nur 12 mögliche Problembereiche gibt (versus 17 bei Verbrenner-Autos). Typische Problemzonen sind Batterie, Elektromotor und der Ladeprozess.

„Die meisten Elektroautos werden heute entweder von alteingesessenen Automobilherstellern gefertigt, die neu in der EV-Technologie sind, oder von Unternehmen wie Rivian, die neu in der Herstellung von Autos sind“, erklärt Jake Fisher, Senior Director für Autotests bei Consumer Reports. „Es ist nicht verwunderlich, dass sie mit Wachstumsschmerzen zu kämpfen haben und etwas Zeit brauchen, um die Fehler zu beseitigen.“

Tesla solide

Eine gewisse Ausnahme stellt Tesla dar, das in der Zuverlässigkeits-Rangliste im soliden Mittelfeld landet. Kein Autohersteller produziert schon so lange Elektrofahrzeuge wie der jahrelange Platzhirsch aus den USA, der inzwischen mit BYD heftige Konkurrenz bekommen hat. Tesla hat einen Erfahrungs- und Technologie-Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern. Consumer Reporter empfiehlt inzwischen beide Vorzeigemodelle (Model 3 und Model Y).

Trotzdem gibt es noch Probleme, die Tesla einen Spitzenplatz in der Rangliste verwehren. „Während die Elektroauto-Komponenten von Tesla im Allgemeinen zuverlässig sind, hat das Unternehmen weiterhin Probleme mit der Verarbeitungsqualität seiner Fahrzeuge“, sagt Steven Elek, leitender Verantwortlicher bei Consumer Report für die Analyse von Autodaten. Tesla-Besitzer kämpfen unter anderem mit unregelmäßig verteiltem Lack, dysfunktionalen Türgriffen und nicht verschließbaren Kofferräumen.

Derweil schneiden die deutschen Automarken in der Zuverlässigkeits-Rangliste ziemlich schlecht ab. BMW ist der Lichtblick auf Platz neun, Volkswagen und Mercedes Benz zählen zu den Schlusslichtern.

Hybride erweisen sich als zuverlässig

Überraschenderweise zählen Hybride zu den zuverlässigsten Fahrzeugtypen. Diese machten 26 Prozent weniger Schwierigkeiten als klassische Verbrenner-Modelle, obwohl sie sowohl einen konventionellen Antriebsstrang als auch einen durch Brems- und Beschleunigungsenergie gespeisten Elektromotor haben und damit auch mehr potenzielle Problemstellen. Ein Faktor ist hier, dass es vor allem japanische und südkoreanische Autobauer sind, die seit Jahren Hybride produzieren, und diese Hersteller legen traditionell viel Wert auf Zuverlässigkeit. Toyota führt die Rangliste an, Honda schafft es auf Platz fünf. Kia und Hyundai liegen im oberen Drittel.

Plug-in-Hybride, die primär auf eine aufladbare Batterie setzen und den Verbrennungsmotor eher als Backup nutzen, sind laut Umfrage hingegen die fehleranfälligsten Fahrzeuge. Ihre Besitzer berichteten über 146 Prozent mehr Probleme als bei herkömmlichen Verbrennern.

Elektroauto-Industrie unter Druck

Der Bericht von Consumer Report kommt zu einer Zeit, in der die Elektroauto-Industrie von allen Seiten unter Beschuss steht. Jüngst hatte der Toyota-Chef prognostiziert, dass Elektrofahrzeuge niemals den globalen Automobilmarkt dominieren und maximal einen Marktanteil von 30 Prozent erreichen werden. Zur selben Zeit stieß der Autovermieter Hertz ein Drittel seiner Elektroautoflotte ab, um sie mit Verbrennern zu ersetzen.

Die Nachfrage ist gering. Die Hersteller unterbieten sich derzeit mit Rabatten, doch kaufen will kaum jemand. Das gilt auch im Gebrauchtwagensegment. E-Autos sind für die Masse immer noch zu teuer und mit zu vielen Fragezeichen versehen. So ist es zum Beispiel im Falle einer nötigen Reparatur sehr schwierig, überhaupt eine qualifizierte Werkstatt zu finden. Außerdem belastet etwa die drastisch verringerte Reichweite bei Kälte.

Daneben gibt es auch klare Vorteile. Autos mit Verbrennungsmotoren benötigen um die 1.500 Bauteile, ein Elektrofahrzeug jedoch nur rund 200. Die gewaltige Ersparnis an mechanischen Komponenten reduziert die Komplexität und sollte damit in der Theorie eigentlich zu weniger technischen Problemen und Wartungsbedarf führen. Man muss aber beachten, dass der Verbrennungsmotor eine mehr als hundertjährige Geschichte der Entwicklung und Optimierung vorweisen kann, während E-Autos erst seit grob 10 Jahren in größerem Stil produziert werden.

Die Technologien sind noch nicht gänzlich ausgereift. Es ist an den Autobauern, die Fehleranfälligkeit ihrer E-Fahrzeuge weiter zu reduzieren. Mit der Zeit dürften die Probleme zurückgehen. Man betrachte etwa die rasanten Entwicklungsfortschritte bei den Batterien. Der chinesische Hersteller CATL hat zuletzt mit seiner Schnellade-LFP-Batterie eine neue Duftmarke gesetzt.

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Jakob Schmidt

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Jakob Schmidt ist studierter Volkswirt und schreibt vor allem über Wirtschaft, Finanzen, Geldanlage und Edelmetalle.

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