Technologie

Kohleausstieg bis 2035: Folgen für die Energieversorgung

Der Ausstieg aus der Kohle und den anderen fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas ist in vielen Ländern schon seit Weltklimakonferenz im November 2021 beschlossene Sache. Damals wurde vereinbart, dass der Kohleausstieg beschleunigt wird und die Subventionen insgesamt für die fossilen Brennstoffe zurückgefahren werden.
12.05.2024 08:47
Lesezeit: 2 min

Jetzt haben die G7-Staaten bei einem Treffen in Turin letzte Woche konkrete Umsetzungspläne beschlossen und wollen den Kohleausstieg komplett bis 2035 vollziehen. Neben Deutschland zählen zur G7-Gruppe die USA, Kanada, Japan, Italien, Frankreich und Großbritannien. Zusammen erbringen die Länder fast 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und sind für ein Fünftel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Die Gesetzeslage in Deutschland würde eine Verbrennung von Kohle noch bis 2038 erlauben.

Ostdeutschland wehrt sich gegen beschleunigten Kohleausstieg

Insbesondere die ostdeutschen Bundesländer sind mit dem nun vorgezogenen Datum nicht einverstanden, da der Kohleabbau dort bis 2038 geplant ist. In den westdeutschen Kohlekraftwerken sollen hingegen schon 2030 die Lichter ausgehen. Für Westdeutschland und das Rheinische Braunkohlerevier existiert bereits ein Vertrag zwischen RWE und der Bundesregierung, der ein Ende des Kohlestroms bis 2030 beinhaltet. Eine derartige Vereinbarung gibt es in Ostdeutschland und auch in der Region Lausitz bislang noch nicht. Die Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg halten den vorgezogenen Termin auch nicht vereinbar mit dem geplanten Ausstieg 2038.

CO2-Zertifikate machen Kohlestrom bald unrentabel

Bundeswirtschaftsminister Habeck hält hingegen die Termindebatte für überflüssig, da sich der Kohleausstieg sowieso über knappere und damit teurer werdende CO2-Zertifikate regeln wird und eben nicht über einen gesetzten Termin. Auch nach Expertenmeinungen wird durch den CO2-Emissionshandel und steigenden Preise der Kohlestrom spätestens 2030 unrentabel werden. Aktuell liegt der CO2-Preis wieder bei 70 Euro pro Tonne.

Ferner hat bereits der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung deutlich zugenommen. Mit 62 Prozent im April 2024 haben die erneuerbaren Energien insbesondere die Stromversorgung über Braunkohle schon deutlich verdrängt. Insbesondere in Deutschland und Japan spielt jedoch die Kohle noch immer eine große Rolle bei der Stromerzeugung und sie ist immer noch der zweitwichtigste Stromerzeuger in Deutschland. Im Jahr 2022 lag ihr Anteil bei 33 Prozent, im Jahr 2023 immerhin noch bei 26 Prozent.

Kohlekraftwerkbetreiber orientieren sich neu

Auch die Betreiber europäischer Kohlekraftwerke orientieren sich bereits um. So hat sich der Vorstandschef des tschechischen Energieunternehmens EPH, Křetínský, der auch ein wichtiges ostdeutsches Kohlekraftwerk betreibt, vor kurzem bei Thyssen Krupp eingekauft und hält nun 20 Prozent an der Sparte Thyssenkrupp Steel Europe. Weitere 30 Prozent Beteiligung sollen noch folgen, nach Informationen des Manager Magazins. Thyssen Krupp befindet sich auch in einem grundsätzlichen Wandlungsprozess und will zukünftig Stahl klimaneutral produzieren.

Die dafür benötigten großen Mengen an Ökostrom könnte EHP dann mit erneuerbaren Energieanlagen liefern, wie beispielsweise mit der Gigawattfactory, die in der Lausitz geplant ist. Die insgesamt 33000 Hektar nicht mehr benötigten Bergbauflächen könnten dabei als Flächen für die notwendigen Solar- und Windparks dienen. Auch plant EHP, Wasserstoffkraftwerke zu bauen. Der tschechische Milliardär Křetínský als Betreiber von EHP erwartet nicht nur 1,75 Milliarden Euro vom Staat für den Kohleausstieg bis 2030, auch die klimaneutrale Stahlproduktion soll in Zukunft mit Milliardensummen aus Brüssel subventioniert werden. Zusätzlich könnten Milliarden Euro für den Aufbau der Gigawattfactory in der Lausitz fließen.

Allerdings zeigen sich in Bezug auf die Gigawattfactory bereits Konflikte mit den Anwohnern in der Lausitz, die Teile der Tagebauflächen für sich zurück beanspruchen. Der zur EHP gehörende Kohlekraftbetreiber Leag in der Lausitz will diese Flächen jedoch einbehalten.

Das baldige Ende der Kohleverstromung ist also auch in Ostdeutschland bereits absehbar, obwohl auf diesem Weg noch viele Konflikte zu lösen sind und die Fragen zu Subventionen noch nicht geklärt sind.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...