Panorama

Studie beweist: Lüften sorgt für bessere Stimmung im Homeoffice

Von Zuhause auszuarbeiten, hat viele Vorteile: Man spart sich den Weg ins Büro und kann am Schreibtisch ungehemmt snacken. Damit das Homeoffice wirklich gut klappt, ist noch etwas wichtig: Lüften.
11.08.2024 14:14
Lesezeit: 2 min
Studie beweist: Lüften sorgt für bessere Stimmung im Homeoffice
CO₂-Ampel. Das Aggregat hilft, die Raumluft zu checken und Schadstoffbelastung zu messen. (Foto. dpa) Foto: Soeren Stache

Wer im Homeoffice häufiger lüftet, ist produktiver und weniger gefährdet, einen Burnout zu erleiden. Eine bessere Luftqualität trägt auch zu einer positiven Einstellung zum Zu-Hause-Arbeiten bei. Das ergibt sich aus einer Befragung von rund 1000 niederländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im November 2020, also während der Corona-Pandemie.

Die Befragten fanden die Umgebungsbedingungen im Homeoffice besser, bevorzugten jedoch die technische Ausstattung ihres Büro-Arbeitsplatzes. Eine Gruppe der Universität Maastricht in den Niederlanden um Martijn Stroom veröffentlichte die Ergebnisse der Studie in der Fachzeitschrift „Plos One".

Befragung von Temperatur über Lärm bis WLAN

Zahlreiche bisherige Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen im Hinblick auf die Produktivität und die Zufriedenheit der Beschäftigten im Homeoffice. Stroom und Kollegen nutzten die während der Pandemie erhobenen Daten, um Faktoren zu finden, welche die Einstellung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zum Homeoffice beeinflussen.

So sollten die Befragten beurteilen, welche Aspekte im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zu Hause oder im Büro besser waren. Das waren zum einen die Umgebungsbedingungen im Innenraum, konkret Temperatur, Luftqualität, Beleuchtung und Lärm. Zum anderen fragten die Forscher nach der Ausstattung, nämlich Schreibtisch, Stuhl, Bildschirm, Computerhardware und WLAN.

Umgebung ist Zuhause besser

Während die Studienteilnehmer alle Umgebungsbedingungen durchschnittlich im Homeoffice besser bewerteten als im Büro, war es bei der Ausstattung genau umgekehrt. So wurde auf einer siebenteiligen Skala die Temperatur zu Hause durchschnittlich mit 5,13 bewertet, im Büro nur mit 4,59.

Frauen bewerteten ihre Produktivität im Homeoffice allgemein höher als Männer. Und je größer der Haushalt war, in dem jemand lebte, desto höher schätzte er oder sie durchschnittlich seine eigene Produktivität im Homeoffice ein. Insgesamt jedoch schätzten die Befragten ihre Produktivität im Büro mit 7,11 auf einer Zehner-Skala höher ein als die Produktivität zu Hause (6,84).

Fokus auf Lüften

Ein besonderes Augenmerk legten die Forscher auf den Zusammenhang zwischen Lüftung und anderen Aspekten des Homeoffice. Schon länger ist bekannt, dass abgestandene Luft zu Müdigkeit und Konzentrationsprobleme führen kann. Durch eine statistische Auswertung ermittelten die Forscher, dass sich mit der Zunahme der Frischluftzufuhr (von null bis hundert Prozent) auch die Zufriedenheit mit den Umgebungsbedingungen und mit der Ausstattung erhöhte.

Damit stiegen indirekt auch der Schätzwert der Produktivität (0,4 Punkte auf einer Zehn-Punkte-Skala) und der Willen, die Arbeit im Homeoffice fortzusetzen (1,2 Punkte). Zugleich sank mit zunehmender Lüftungsdauer die Tendenz zum Burnout (0,4 Punkte auf einer Sieben-Punkte-Skala). Die Forscher betonen allerdings, dass die Daten auf Schätzwerten der Befragten beruhen.

«Wir stellen fest, dass die Belüftung des Homeoffice ein entscheidender zugrunde liegender Faktor für die Vorhersage der Gesamtzufriedenheit ist und indirekt mit erhöhter Produktivität, erhöhter Bereitschaft zur Heimarbeit und geringerer Burnout-Neigung verbunden ist», fassen die Studienautoren ihr Ergebnis im Hinblick auf die Lüftung zusammen.

Fachleute empfehlen: mehrmals täglich Fenster auf

Wie viel lüften aber ist genug lüften? Steht die Luft im Raum, können sich dort Schadstoffe anreichern. Dazu zählt ausgeatmetes Kohlendioxid (CO2), aber auch Ausdünstungen von Möbeln und Baumaterialien. Mit Blick auf Kohlendioxid gehen Fachleute davon aus, dass 1000 ppm (Parts per Million) in der Raumluft in Ordnung sind.

Damit diese nicht überschritten werden, sollte mehrmals am Tag die Raumluft komplett ausgetauscht werden, durch Stoßlüften oder Querlüften. Wie häufig das nötig ist, hängt auch davon ab, wie viele Menschen sich im Inneren aufhalten und wie luftdicht das Haus ist. CO2-Messgeräte, auch "CO₂-Ampeln2 genannt, zeigen die Konzentration mit dem Gas, die Raumtemperatur und auch die relative Luftfeuchte an.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Tech-Aktien fallen weiter, da die Angst vor kriegsbedingter Inflation zunimmt
19.05.2026

Düstere Wolken über den Märkten: Erfahren Sie, welche Entwicklungen die Börse heute in Atem halten und worauf Anleger jetzt achten...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr-Beförderungsstopp sorgt für massive Kritik
19.05.2026

Mitten in den Reformplänen der Bundeswehr löst der Bundeswehr-Beförderungsstopp heftige Diskussionen aus. Gerichtsurteile erzwingen...

DWN
Politik
Politik Koalition sucht richtigen Zeitpunkt: Bundestag diskutiert Verzicht auf Diätenerhöhung
19.05.2026

Eigentlich war die nächste Diätenerhöhung bereits fest eingeplant. Doch die wirtschaftliche Lage und harte Sparmaßnahmen verändern die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Anleger blicken auf Stellenabbau beim VW-Entwicklungsdienstleister IAV
19.05.2026

Tausende Arbeitsplätze stehen bei IAV auf dem Spiel, die Stimmung unter den Beschäftigten ist angespannt. Während die IG Metall massive...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Varta-Stellenabbau: Produktion in Nördlingen endet, über 300 Arbeitsplätze fallen weg
19.05.2026

Varta verliert einen entscheidenden Kunden und zieht drastische Konsequenzen. Die Produktion im Werk Nördlingen endet, rund 350...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schutz für Stahlindustrie: EU verschärft Zollregeln für Stahlimporte
19.05.2026

Europas Stahlhersteller kämpfen seit Jahren gegen günstige Importe aus dem Ausland. Nun zieht die EU die Reißleine und verschärft die...

DWN
Finanzen
Finanzen Cerebras-Aktie: Nvidia-Konkurrent startet mit großem Knall an der Börse
19.05.2026

Vor ein paar Tagen ging in den USA ein Chiphersteller an die Börse, der als einer der heißesten Nvidia-Konkurrenten gilt. Die...

DWN
Politik
Politik Straße von Hormus unter Druck: VAE planen Pipeline als Antwort auf den Iran-Krieg
19.05.2026

Die VAE beschleunigen den Bau einer neuen Ölpipeline, die den Export unabhängiger von der Straße von Hormus machen soll. Für Europa und...