Technologie

Klimaneutrales Deutschland: Investitionen für die Zukunft umleiten

Eine neue Studie zeigt, dass der Großteil der für ein klimaneutrales Deutschland erforderlichen Investitionen durch die Umverlagerung von Geldern für fossile Technologien hin zu klimafreundlichen Alternativen mobilisiert werden kann. Ab dem kommenden Jahr werden jährlich durchschnittlich 540 Milliarden Euro benötigt, um nicht nur notwendige Investitionen, sondern auch zusätzliche Mittel für den Klimaschutz zu sichern. Rund drei Viertel dieser Investitionen sind auch ohne den Übergang zur Klimaneutralität erforderlich.
20.10.2024 07:37
Lesezeit: 1 min
Klimaneutrales Deutschland: Investitionen für die Zukunft umleiten
Notwendige Investitionen könnten durch verschiedene Instrumente mobilisiert werden, darunter die CO2-Bepreisung, die fossile Energien verteuert und klimafreundliche Technologien attraktiver macht. (Foto: iStock.com, FotografieLink) Foto: FotografieLink

Der Großteil der für ein klimaneutrales Deutschland notwendigen Investitionen lässt sich laut einer Studie durch das Umlenken von Ausgaben für fossile Technologien hin zu klimaneutralen Alternativen mobilisieren. Der Gesamtbedarf an Investitionen - also ohnehin benötigte Investitionen und zusätzliche für den Klimaschutz - beträgt ab dem kommenden Jahr bis 2045 jährlich durchschnittlich 540 Milliarden Euro, wie eine Studie im Auftrag mehrerer Agora-Denkfabriken errechnete.

Rund drei Viertel dieser Investitionen würden demnach auch ohne den Übergang zur Klimaneutralität anfallen. Sie seien „für den Erhalt und die Erneuerung insbesondere von Gebäuden, Industrieanlagen und Verkehrsmitteln“ nötig, teilten die Denkfabriken mit. „Hier gilt es, Finanzströme durch Preisanreize und Marktregulierung auf klimaneutrale Lösungen umzulenken“, heißt es in der Studie.

Nur ein Viertel der Summe entfalle auf sogenannte Klimaschutzinvestitionen. „Das sind Mehrausgaben für die Anschaffung klimaneutraler Technologien im Vergleich zu fossilen Referenztechnologien - zum Beispiel der höhere Anschaffungspreis einer Wärmepumpe im Vergleich zu einer Gasheizung“, erklärten die Autorinnen und Autoren.

Die höheren Investitionen bedeuteten auch nicht immer Mehrkosten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. „So sind zum Beispiel viele Elektroautos trotz aktuell höherer Anschaffungskosten aufgrund der geringeren Betriebskosten über die gesamte Lebenszeit bereits heute günstiger als Benzin- und Dieselfahrzeuge.“

Studie empfiehlt Mix verschiedener Instrumente

2045 soll Deutschland klimaneutral sein - also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als auch wieder gebunden werden können. Die Studie sieht in einem Szenario etwa eine „stärker sozial gestaffelte Förderung zur Gebäudesanierung“ und den Ausbau der Infrastruktur des öffentlichen Personennahverkehrs vor.

Um notwendige Investitionen zu mobilisieren, empfiehlt die Studie verschiedene Instrumente: Preisbasierte Anreize wie die CO2-Bepreisung verteuerten fossile Energien und machten klimafreundliche Technologien attraktiver. Marktregulierung erlaube es, schädliche Technologien einzuschränken. „Finanzielle Förderung stellt sicher, dass es sozial gerecht zugeht und Einzelne nicht überfordert werden“, ergänzte der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende Deutschland, Simon Müller.

Die Forschungsorganisationen Prognos AG, Öko-Institut und Wuppertal Institut sowie die Universität Kassel haben die Studie im Auftrag der Denkfabriken Agora Energiewende, Agora Industrie, Agora Agrar und Agora Verkehrswende erstellt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

DWN
Politik
Politik Ursula von der Leyen Rede: Europas neuer Kurs ohne Trump
18.09.2026

Donald Trump kommt nicht einmal vor, dafür kündigt Ursula von der Leyen weitreichende Pläne für Kanada, China und Europas Sicherheit...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street erholt sich nach Fed-Zinserhöhung
17.09.2026

Nach turbulenten Tagen fassen die Anleger wieder Mut – das sind die wichtigsten Treiber der jüngsten Kursbewegung.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Landgericht Frankfurt entscheidet: Meta muss für betrügerische Social-Media-Anzeigen haften
17.09.2026

Fake-Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram bleibt für Meta nicht länger ohne rechtliche Folgen. Nach einer Entscheidung des...

DWN
Politik
Politik Unerwartete Wende: Russland behält Kontrolle über wichtige Basen am Mittelmeer
17.09.2026

Nach dem Sturz von Bashar al-Assad schien Russlands militärische Präsenz in Syrien infrage zu stehen. Doch nun zeigt sich eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise in Europa: Warum Anleger plötzlich profitieren können
17.09.2026

Die Ruhe an Europas Energiemärkten war offenbar nur geliehen. Öl und Gas verteuern sich wieder, die Inflation bleibt hartnäckig und die...

DWN
Panorama
Panorama Zuwanderung bremst Trend: Immer mehr Menschen in Deutschland leben wieder in Familien
17.09.2026

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnt zusammen mit Eltern oder Kindern in einem Haushalt. Nach einer langen Phase des...

DWN
Politik
Politik Überwachung und Chat-Weitergabe: BGH lässt EuGH-Datenschutzregeln im Privatleben klären
17.09.2026

Darf man Angehörige heimlich filmen oder private WhatsApp-Nachrichten an Dritte weiterleiten? Zwei verfahrene Alltagsstreitigkeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Comeback mit Verbrennungsmotoren: Volvo schaltet auf gemischten Antrieb um
17.09.2026

Volvo will den Weg aus der Krise schaffen und setzt dabei wieder verstärkt auf Verbrenner. Neue Fahrzeugmodelle sollen dem schwedischen...