Wirtschaft

Abschottung statt Gastfreundschaft: Trumps zweite Amtszeit trifft Amerikas Tourismusindustrie

Internationale Reisende meiden die USA – Fälle willkürlicher Festnahmen an den Grenzen häufen sich. Europas Touristen ziehen Konsequenzen. Die wirtschaftlichen Folgen für Amerika sind enorm.
20.04.2025 10:58
Lesezeit: 2 min
Abschottung statt Gastfreundschaft: Trumps zweite Amtszeit trifft Amerikas Tourismusindustrie
Leere Gates und abgesagte Reisen: Trumps Grenzpolitik hinterlässt erste sichtbare Spuren im amerikanischen Tourismus. (Foto: pixabay)

Weltreisende überdenken ihre Urlaubspläne in den USA

Nur wenige Wochen nach dem erneuten Amtsantritt von Präsident Donald Trump zeigen sich erste gravierende Auswirkungen seiner kompromisslosen Grenzpolitik: Die Zahl der internationalen Besucher in den Vereinigten Staaten bricht drastisch ein. Der Grund: Eine wachsende Zahl an Vorfällen, bei denen ausländische Reisende – darunter Geschäftsleute, Künstler und Wissenschaftler – ohne klare Begründung stunden-, tage- oder gar wochenlang an US-Grenzen festgehalten wurden. Betroffen sind nicht etwa mutmaßliche Kriminelle – sondern auch unbescholtene Staatsbürger aus langjährigen US-Partnerstaaten wie Deutschland, Frankreich und Kanada.

Die Botschaft, die von den neuen Maßnahmen ausgeht, ist klar: Die Vereinigten Staaten sind kein offenes Land mehr – nicht einmal für Freunde.

Internationale Entrüstung – und wirtschaftlicher Schaden

Laut einem aktuellen Bericht von OAG Aviation Worldwide sind kanadische Flugbuchungen in die USA im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent eingebrochen. Die Reaktion auf Trumps angedrohte Zollmaßnahmen gegenüber Kanada und seine provokative Bemerkung, Kanada solle der „51. Bundesstaat“ der USA werden, ist ebenso spürbar wie die persönliche Betroffenheit vieler Reisender.

Auch aus Europa wird signalisiert: So nicht. Der Chef der französischen Hotelgruppe Accor SA, Sébastien Bazin, berichtet von einem Rückgang der US-Buchungen um 25 Prozent. „Der schlechte Ruf macht sich bemerkbar“, so Bazin gegenüber Bloomberg. Und es bleibt nicht beim Image-Schaden: Laut Tourism Economics droht der US-Wirtschaft allein im Jahr 2025 ein Verlust von 9 Milliarden Dollar an touristischen Einnahmen – als direkte Folge der neuen Grenzpolitik.

Einzelfälle? Oder System?

Offizielle Stellen wie US Customs and Border Protection (CBP) betonen, dass „legale Reisende nichts zu befürchten haben“. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Immer mehr Fälle werden öffentlich, in denen internationale Gäste inhaftiert, verhört und abgeschoben wurden – ohne gerichtlichen Beschluss, ohne Möglichkeit zur Kommunikation.

Beispiel: Jessica Brösche, eine Tätowiererin aus Berlin, wurde auf dem Weg zu einer Kunstmesse in Los Angeles für mehrere Wochen inhaftiert – wegen angeblicher Schwarzarbeit bei einem früheren Besuch. Oder die kanadische Schauspielerin Jasmine Mooney, die trotz korrekter Unterlagen festgenommen und in ein US-Gefängnis überstellt wurde. Sie spricht von „Entmenschlichung“, von einem Gefühl „wie gekidnappt“.

Die Rolle der privaten Gefängniskonzerne

Besonders brisant: Die Unterbringung vieler dieser Festgenommenen erfolgt in Einrichtungen privater Gefängniskonzerne wie CoreCivic und GEO Group, deren Profit direkt von der Anzahl der Inhaftierten abhängt. Obwohl die Unternehmen betonen, keine rechtliche Verantwortung für die Festnahmen zu tragen, zeigen interne Investorengespräche eine andere Sprache. GEO erklärte jüngst gegenüber Anlegern, man rechne unter Trump mit „beispielloser operativer Aktivität“. Der wirtschaftliche Anreiz zur massenhaften Inhaftierung scheint gegeben.

Ein Warnsignal an die Welt

Diplomaten sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer „bewussten Abschreckungsstrategie“. Es gehe darum, ein Signal zu senden – an potenzielle Migranten, aber auch an traditionelle Verbündete: Wer in die USA einreisen will, muss sich künftig gefallen lassen, wie ein potenzieller Verbrecher behandelt zu werden.

Der US-Einwanderungsanwalt Jacob Sapochnick bringt es auf den Punkt: „Früher wurde man bei Problemen einfach zurückgeschickt. Heute wird man ohne Worte inhaftiert – und erfährt erst später, dass man zur Abschiebung vorgesehen ist.“

Politisches Kalkül – ökonomisches Eigentor

Der politische Nutzen dieser Entwicklung ist klar: Präsident Trump kann seinen Wählern präsentieren, dass er handelt – kompromisslos, entschlossen, ohne Rücksicht auf diplomatische Befindlichkeiten. Doch der Preis dafür ist hoch: Der einst florierende US-Tourismusmarkt, der laut offiziellen Angaben 9,5 Millionen Arbeitsplätze sicherte und 2022 über 1,3 Billionen Dollar zur Wirtschaftsleistung beitrug, droht zu erodieren.

Analysten erwarten frühestens 2029 eine Rückkehr zur Normalität im internationalen Reiseverkehr – ein verlorenes Jahrzehnt, das auch Großereignisse wie die Fußball-WM 2026 oder die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles belasten könnte.

Fazit: Amerika schottet sich ab – und verliert

Die Vereinigten Staaten unter Donald Trump senden eine Botschaft der Abschreckung – nicht nur an illegale Einwanderer, sondern an die Welt. Die Folgen sind bereits spürbar: Vertrauensverlust, Umsatzeinbrüche, diplomatische Spannungen. Was als innenpolitische Stärke verkauft wird, entwickelt sich zur internationalen Schwäche. Und während Trump die Zölle erhöht und die Grenzen schließt, verliert Amerika – Besucher, Freunde und Milliarden.

Die Frage bleibt: Wer wird in Zukunft noch kommen – wenn die Einreise in die USA zum unkalkulierbaren Risiko wird?

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie KI-Abhängigkeit: So erpressbar ist Deutschland von den USA
12.09.2026

Im Juni sperrte das US-Handelsministerium den Zugang zu KI-Modellen des Anbieters Anthropic für ausländische Nutzer. Der Ausfall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Autoindustrie: China greift Europas Käufer an
12.09.2026

Europäische Autos werden immer sicherer, digitaler und leistungsfähiger. Doch viele Käufer können sich diesen Fortschritt kaum noch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Kinder zerbrechen, gerät auch die Arbeitswelt ins Wanken
12.09.2026

Zuerst brach ihr Sohn am ersten Schultag zusammen, dann brach sie selbst bei der Arbeit zusammen. Kinder in schwerer Belastung beeinflussen...

DWN
Panorama
Panorama Rolex Daytona: Vier Einzelstücke könnten Millionenrekord brechen
12.09.2026

Vier Rolex Daytona, vier Jahreszeiten und kein einziges zweites Exemplar auf der Welt: Rolex bricht mit einer Tradition, die den Mythos der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AeroSHARK-Installation: Airbus-Flugzeuge bekommen "Haifischhaut"
12.09.2026

Flugzeuge könnten künftig mit einer Oberfläche starten, deren Prinzip aus dem Meer stammt. Die sogenannte AeroSHARK-Folie soll...

DWN
Panorama
Panorama Angst vor dem Älterwerden: Wie aus Sorge neue Freiheit wird und was Experten raten
12.09.2026

Der Blick in den Spiegel, ein runder Geburtstag oder erste körperliche Beschwerden können plötzlich Angst vor dem Älterwerden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Berufswahl und KI: Warum junge Menschen mehr auf Praxiserfahrungen achten sollten
12.09.2026

Die traditionellen Ratschläge zur Berufsorientierung greifen nicht mehr. Lange Zeit galt das Absolvieren eines rein akademischen Studiums...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Handel schließt trotz heißgelaufener Inflationsdaten im grünen Bereich
11.09.2026

Überraschende Wende an der Wall Street: Warum eine vermeintliche Hiobsbotschaft die Märkte beflügelt.