Politik

Rechnungshof kritisiert mangelnde Kontrolle bei Bargeldgeschäften - und andere Geldverschwendung

Laut dem Bundesrechnungshof entgehen dem Staat jährlich Steuereinnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe – insbesondere in Bereichen, in denen Bargeldgeschäfte dominieren.
05.05.2025 17:40
Lesezeit: 1 min

Rechnungshof: Zu wenig Kontrollen bei Bargeldgeschäften

Der Grund, warum gerade in Bereichen, in denen Bargeldgeschäfte dominieren, dem Staat Steuereinnahmen in großer Höhe entgehen, ist einfach: "Angesichts von Betrugsquoten von bis zu 80 Prozent finden Kontrollen viel zu selten statt", heißt es im aktuellen Bericht der Prüfer. Der Bundesrechnungshof fordert vom Bundesfinanzministerium, die Steuerausfälle bei Bargeldgeschäften konsequenter zu bekämpfen.

In Deutschland werden zum Beispiel beim Friseur, in Kneipen, bei Taxis, beim Bäcker, auf Märkten oder in ähnlichen Branchen weiterhin viele Bargeldgeschäfte abgewickelt. Nach Einschätzung des Bundesrechnungshofs müsste eigentlich jährlich bei 2,4 Prozent aller Betriebe eine sogenannte Kassen-Nachschau erfolgen. Dies entspräche 190.000 Unternehmen – und selbst dann würde jede Firma nur alle 42 Jahre geprüft, heißt es im Bericht. Tatsächlich führt die Finanzverwaltung aber nur 15.000 solcher Kontrollen im Jahr durch. "Für unehrliche Steuerpflichtige besteht also kaum ein Risiko, entdeckt zu werden", warnen die Kontrolleure.

Verfehlte Schwerpunktsetzung im Verkehrsressort

Auch dem Bundesverkehrsministerium stellt der Rechnungshof ein schlechtes Zeugnis aus. Besonders bei der Instandhaltung von Wasserstraßen würden laut Bericht Prioritäten falsch gesetzt – mit dem Risiko, dass zentrale Verkehrswege durch Geldverschwendung unbrauchbar werden könnten.

Bei der Bahnhofsmodernisierung hingegen mangele es an wirksamer Steuerung. Von den 600 Millionen Euro, die zwischen 2019 und 2026 für die Erneuerung bereitstehen, wurden bis Ende 2023 nur 84 Millionen Euro genutzt – anstelle der vorgesehenen 324 Millionen Euro.

Teure Fehlinvestition in 3D-Drucker bei der Bundeswehr

Auch die Bundeswehr wird vom Bundesrechnungshof kritisiert. Zwar investiere sie Millionen in moderne 3D-Drucker, um Ersatzteile vor Ort zu fertigen – grundsätzlich eine gute Strategie gegen Materialengpässe. Doch kann die Armee die Geräte kaum sinnvoll einsetzen: "Denn hierfür benötigt sie Konstruktionsdaten und Fertigungsrechte, die sie sich erst für zehn Ersatzteile gesichert hat", so der Rechnungshof. Ohne diese Rechte bleiben die Drucker nutzlos – und damit reine Geldverschwendung.

Der Bericht wurde als Ergänzungsband zu den "Bemerkungen 2024" veröffentlicht. Ziel sei es laut Rechnungshofpräsident Kay Scheller, Fehlentwicklungen sowie unwirtschaftliches Verhalten der Bundesverwaltung im Bereich der Bargeldgeschäfte und anderer Ausgabenbereiche öffentlich zu machen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutscher Negativtrend: Immer mehr junge Menschen ohne Bildung und Arbeit
17.08.2026

In Deutschland steigt der Anteil junger Menschen ohne Job oder Bildungsplatz: Jeder zehnte junge Mensch zwischen 20 und 24 Jahren geht in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Führungskräfteentwicklung: Deutschlands Unternehmen unterschätzen ihr größtes Risiko
17.08.2026

Viele Unternehmen befördern ihre besten Fachkräfte und lassen sie anschließend mit der Führungsrolle allein. Die Folgen sind...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: EU-Außenbeauftragte will Russland-Sanktionen weiter ausweiten
17.08.2026

Die EU hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs insgesamt 21 Sanktionspakete gegen Russland beschlossen. Nun drohen neue...

DWN
Politik
Politik Sie baute mit Putins Rückendeckung ein Imperium auf, nun könnte es eine Finanzkrise auslösen
17.08.2026

In diesem Sommer steht Russlands Antwort auf Amazon, Wildberries, unter ständigen ukrainischen Angriffen. Die Folgen für Russlands...

DWN
Politik
Politik Bahnhöfe, Steuererklärung, TV – was sich im September ändert
17.08.2026

An ersten Bahnhöfen darf kein Alkohol getrunken werden und Sport-Fans können sich auf die NFL-Saison freuen. Der September bringt auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrigwasser in Deutschland: Ökonomin Grimm sagt steigende Preise voraus
17.08.2026

Die Preise könnten bei diversen Grundstoffen steigen, warnt die Wirtschaftsweise. Sie kritisiert die Politiker, die kurzsichtig agierten,...

DWN
Politik
Politik SPD rutscht weiter in den Keller: Klingbeil verteidigt seinen Kurs
17.08.2026

An der SPD-Basis rumort es, weil Umfragewerte seit Wochen nicht besser werden und die Partei sich in der Koalition teils schwertut. Den...

DWN
Finanzen
Finanzen Europäische Aktien brechen Rekorde: Welche Sektoren sind am attraktivsten?
17.08.2026

Nach einem turbulenten ersten Halbjahr tendieren die europäischen Aktienmärkte auf Allzeithochs. Analysten sehen ein zweistelliges...