Finanzen

Milliardenschwere Anleger schwenken um: Keine Rezession in Sicht

Milliardenschwere Fondsmanager halten eine globale Rezession inzwischen für höchst unwahrscheinlich. Dennoch dominieren Unsicherheit und selektives Handeln die Märkte.
22.06.2025 15:59
Aktualisiert: 29.06.2025 15:59
Lesezeit: 1 min
Milliardenschwere Anleger schwenken um: Keine Rezession in Sicht
Ein Auge auf die Märkte: Anleger weltweit sehen trotz geopolitischer Risiken kaum Anzeichen für eine Rezession – und positionieren sich neu. (Foto:dpa) Foto: Boris Roessler

Wie hoch ist die Gefahr für eine globale Rezession?

Die Rezessionsangst unter den weltweit größten Vermögensverwaltern ist in kurzer Zeit massiv gesunken. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Bank of America hervor, an der 222 globale Fondsmanager mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt umgerechnet fast 510 Milliarden Euro teilnahmen. Noch im April hielten 42 Prozent der befragten Manager eine Rezession innerhalb der kommenden zwölf Monate für wahrscheinlich – heute halten 36 Prozent sie für klar unwahrscheinlich. Die Bank of America spricht von einem „Zusammenbruch der Rezessionserwartungen“.

Eine der Hauptursachen für den Stimmungsumschwung liegt in der Entschärfung handelspolitischer Unsicherheiten. Während im April US-Zolldrohungen weltweit Sorgen auslösten, hat der republikanische Präsidentschaftsanwärter Donald Trump diese inzwischen abgeschwächt – zumindest in den Augen der Finanzmärkte. „Der Markt glaubt nicht mehr, dass Trump kurzfristige Verluste für langfristige Vorteile in Kauf nimmt“, analysiert Josephine Cetti, Chefstrategin bei Nordea.

Zölle, Ölpreise, Kreditlast: Kein Rezessionsmix

Auch Torsten Sløk, Chefökonom beim US-Investmenthaus Apollo, erkennt aktuell keinen rezessionsträchtigen Risiko-Cocktail. Zwar nennt er vier Bremsfaktoren für die US-Konjunktur – höhere Ölpreise, Zölle, steigende Kreditzahlungen und Zinsen –, diese reichten jedoch nicht aus, um eine Rezession auszulösen.

Das Anlegerverhalten zeigt ebenfalls Entspannung: Aktien werden verstärkt gekauft, insbesondere in Schwellenländern. Gleichzeitig werden defensive Sektoren – etwa Energieversorger oder Gesundheitswesen – gemieden. Dennoch sind Aktienpositionen im historischen Vergleich unterdurchschnittlich. „Das zeigt, dass noch Luft nach oben besteht“, sagt Sofie Manja Eger Huus, Strategin bei der Danske Bank.

Vorsicht bleibt, Rezession dennoch unwahrscheinlich

Trotz aller Signale zur Entwarnung bleiben Unsicherheiten bestehen. Noch immer sehen viele Investoren in einem möglichen globalen Handelskrieg das größte Risiko für die Finanzmärkte. Zudem, so Cetti, sei der Aktienmarkt anfällig: Seit Ende April habe er rund 20 Prozent zugelegt – ein Rückschlag sei jederzeit möglich. Andererseits interpretieren viele Anleger etwaige Korrekturen als günstige Einstiegsgelegenheit. Der Cash-Anteil institutioneller Investoren ist zwischen April und Juni von 4,8 auf 4,2 Prozent gefallen – ein weiterer Indikator für eine wiedererstarkte Risikobereitschaft.

Unterm Strich bleibt: Die milliardenschweren Profis setzen mehrheitlich auf anhaltendes Wachstum – aber mit Vorsicht. Die größte Angst der Anleger ist weniger eine Konjunkturabkühlung als ein unkontrollierbarer geopolitischer Schock. Das Vertrauen in politische Stabilität bleibt der entscheidende Risikofaktor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Geburtenrate im Sinkflug: Deutsche bekommen weniger Kinder
02.03.2026

Nicht nur der Mittelstand bricht weg, auch die Geburtenrate: Immer wenige Deutsche bekommen Kinder. Viele können sich eigene Kinder nicht...

DWN
Immobilien
Immobilien Trendwende im Bausektor: Die europäische Branche nimmt Fahrt auf
02.03.2026

Der europäische Bau befindet sich laut einer Analyse einer Forschergruppe um das Ifo-Institut im Aufschwung. Für das Jahr 2026 wird ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Finanzsektor im Umbau: Stellenabbau treibt Fachkräfte in neue Branchen
01.03.2026

Im Finanzsektor verdichten sich die Umbrüche durch Stellenabbau und strategische Neuausrichtungen vieler Institute. Welche Branchen...

DWN
Finanzen
Finanzen Zugang zum Bargeld wird schwieriger – Verbände stemmen sich dagegen
01.03.2026

Die Hürden für Barzahler wachsen: Ob an SB-Kassen, beim Ticketkauf oder im Schwimmbad – wer bar zahlen will, steht oft vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dollar, Macht, Abhängigkeiten – Weltordnung vor dem Umbruch?
01.03.2026

Die bestehende Weltordnung gerät ins Wanken. Doch für viele Länder des Globalen Südens hat sie nie funktioniert. Der Ökonom Dr....

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin kaufen oder weiter abwarten? Zwischen Korrektur und Stabilisierung
01.03.2026

Der Bitcoin steht nach deutlichen Kursverlusten erneut im Fokus der Finanzmärkte, während mehrere Indikatoren gegensätzliche Signale...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo ES90 im Vergleich: Wie behauptet sich die E-Limousine gegen deutsche Hersteller?
01.03.2026

Der Volvo ES90 tritt als neue Elektro-Limousine in der Oberklasse an und verbindet hohe Ladeleistung und Komfort mit konstruktiven...

DWN
Politik
Politik EU beschränkt CSRD und CSDDD: Was Unternehmen zu Nachhaltigkeitsberichten und Due Diligence wissen müssen
01.03.2026

Die Europäische Union grenzt mit der Reform von CSRD und CSDDD die Nachhaltigkeitsberichtspflichten und Sorgfaltspflichten stärker auf...