Wirtschaft

Überstunden in Deutschland: Wer länger arbeitet – und wer nicht

Überstunden gehören für viele Beschäftigte nicht mehr zum Alltag – doch längst nicht überall sinkt die Mehrarbeit. Neue Zahlen zeigen, in welchen Branchen weiterhin länger gearbeitet wird und wer davon profitiert. Für Unternehmen eröffnen sich durch KI, Homeoffice und flexiblere Modelle neue Spielräume – aber auch Risiken, die klare Regeln erfordern.
25.07.2025 07:30
Lesezeit: 2 min

Weniger Menschen leisten Überstunden

Mehrarbeit ist in immer weniger Berufen gefragt. Wer dennoch Überstunden macht, erhält meist einen Ausgleich. Doch es gibt weiterhin Ausnahmen.

Nur für eine Minderheit der Beschäftigten in Deutschland gehören Überstunden laut amtlichen Daten zum Alltag. Rund jeder und jede Neunte hat im vergangenen Jahr mehr gearbeitet, als vertraglich vereinbart war, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Grundlage sind Selbsteinschätzungen aus der 2024er-Ausgabe des Mikrozensus, der jährlichen Haushaltsbefragung der Statistikämter. Hochgerechnet leisteten knapp 4,4 Millionen Personen regelmäßig Mehrarbeit. Das entspricht einem Anteil von elf Prozent der rund 39,1 Millionen Erwerbstätigen. Ein Jahr zuvor hatte es noch etwa 200.000 Menschen mehr gegeben, die regelmäßig länger gearbeitet haben. Bei den Männern liegt der Anteil mit Überstunden aktuell bei 13 Prozent, etwas höher als bei den Frauen, von denen nur jede zehnte Überstunden gemacht hat.

Arbeitszeitkonten weit verbreitet

In den meisten Fällen landen die Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto, können also später in Freizeit umgewandelt werden. 71 Prozent der Betroffenen nannten diese Option. 16 Prozent erhielten hingegen eine direkte Vergütung für die zusätzliche Arbeitszeit. Unbezahlte Überstunden haben laut eigener Angabe 19 Prozent der Befragten geleistet. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 20 Prozent. Mehrfachnennungen und damit Mischformen waren möglich.

Für 45 Prozent der Überstundenleistenden bleibt es bei höchstens fünf Stunden pro Woche. Jeder Siebte (15 Prozent) arbeitete jedoch auch mehr als 15 Stunden zusätzlich. Besonders häufig ist die Mehrarbeit im Bereich Finanz‑ und Versicherungsdienstleistungen, am seltensten im Gastgewerbe.

Neue Dynamiken durch KI und Homeoffice

Unternehmerinnen und Unternehmer sehen sich im Jahr 2025 verstärkt mit Veränderungen bei der Arbeitszeitorganisation konfrontiert. Laut der Studie "Wie wird KI die Produktivität in Deutschland verändern?" des Instituts der deutschen Wirtschaft plant die Bundesregierung eine Umstellung auf wöchentliche Arbeitszeitgrenzen. Gleichzeitig steigert KI die Effizienz und reduziert Überstunden durch automatisierte Prozesse. Flexibles Arbeiten im Homeoffice ermöglicht individuellere Arbeitszeiten, birgt aber zugleich das Risiko zeitlicher Entgrenzung, etwa durch ständige Erreichbarkeit. Für Unternehmen im unternehmerischen Umfeld bedeutet dies: Die Erfassung von Arbeitszeit wird komplexer, und es bedarf klarer Regeln. Laut dem IW-Kurzbericht fördern viele Betriebe die KI-Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden gezielt. So zeigt eine Befragung, dass Beschäftigte, die KI nutzen, stärker an Weiterbildung interessiert sind – ein Hebel für Innovationskraft und Mitarbeiterbindung. Unternehmen, die diesen Wandel aktiv gestalten, stärken ihre strategische Position angesichts Fachkräfteengpass und Digitalisierung. Gerade KMU sollten transparente Arbeitszeitmodelle und Weiterbildungsstrategien etablieren, um sowohl Produktivität zu steigern als auch qualifiziertes Personal zu halten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Achterbahnfahrt bei KI- und Tech-Aktien am Dienstag
20.10.2026

Spannung an der Wall Street: Was hinter den jüngsten Kursbewegungen steckt und welche Werte jetzt überraschen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...