Politik

Wadephul in Japan: Ausbau der Partnerschaft zwischen Berlin und Tokio

Wadephul in Japan wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Partnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Unternehmer blicken gespannt auf neue Chancen und Risiken, die sich durch geopolitische Spannungen ergeben. Doch welche Möglichkeiten bietet die Kooperation mit Japan tatsächlich für Unternehmen?
18.08.2025 08:19
Lesezeit: 2 min

Wadephul in Japan: Warnung an Peking vor Grenzverschiebungen

Deutschland und Japan verstärken ihre Zusammenarbeit, während sich die Beziehungen zu den USA verändern und China zunehmend aggressiv auftritt. "Wenn wir zusammenarbeiten, dann können wir die massiven Herausforderungen angehen, mit denen unsere beiden Länder konfrontiert sind", erklärte Außenminister Johann Wadephul bei einem Treffen mit seinem japanischen Kollegen Takeshi Iwaya in Tokio. "Uns eint dabei die Erkenntnis: Freiheit, Sicherheit und Wohlstand in Europa und im Indopazifik sind eng miteinander verwoben", betonte der CDU-Politiker.

Besonders sichtbar werde dies bei Chinas Unterstützung für die russische Kriegsmaschinerie, so Wadephul. "Ohne sie wäre der Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht möglich." Peking sei Russlands wichtigster Lieferant für sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können, und zugleich bedeutendster Abnehmer von Öl und Gas.

China drohe zudem offen damit, den Status quo im Süd- und Ostchinesischen Meer sowie in der Straße von Taiwan einseitig zu verändern und Grenzen zu verschieben, kritisierte Wadephul. "Jede Eskalation hätte in diesem sensiblen Knotenpunkt des internationalen Handels schwerwiegende Folgen für die globale Sicherheit und Weltwirtschaft." Eine Parallele zwischen Deutschland und Japan zog der Minister auch bei der Steigerung der Verteidigungsausgaben. Deutschland habe sich beim Nato-Gipfel verpflichtet, künftig fünf Prozent der Wirtschaftsleistung für Investitionen in Sicherheit und Verteidigung einzusetzen. Japan habe bereits 2022 beschlossen, seine Verteidigungsausgaben zu verdoppeln und frühzeitig Weitsicht gezeigt. Noch in diesem Herbst wollen die beiden Außenminister gemeinsam mit den Verteidigungsministern ihrer Länder zu weiteren Beratungen zusammenkommen. Dabei soll es ebenfalls um Kooperation im Cyberbereich gehen.

Wadephul: Verbündete mit neuen Herausforderungen

Deutschland habe "klassische Verbündete, die uns nahestehen, die für uns wichtig sind, wie die Vereinigten Staaten von Amerika", sagte Wadephul. Er ergänzte: "Aber auch diese Freundschaften beinhalten heutzutage neue Herausforderungen." Die Kriege und Konflikte in der Ukraine, im Gazastreifen und die mögliche nukleare Bewaffnung des Iran "machen deutlich, dass eine engere Zusammenarbeit von Freunden und natürlichen Verbündeten immer wichtiger wird".

Deutschland und Japan stünden als dritt- und viertgrößte Volkswirtschaften vor ähnlichen Herausforderungen, erklärte Wadephul in Japan, der Japan als "Premiumpartner" in Asien bezeichnete. Die jüngsten chinesischen Exportkontrollen etwa für seltene Erden zur Chipproduktion träfen deutsche wie japanische Unternehmen gleichermaßen. Japan sei beim Thema Wirtschaftssicherheit ein internationaler Vorreiter. Für Deutschland gehe es jetzt konkret darum, Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten schnell zu verringern.

Iwaya betont Kooperation mit Deutschland

Iwaya sagte, die internationale Ordnung stehe unter Druck. Die Rolle der Zusammenarbeit und Kooperation mit Japan und Deutschland als G7-Mitglieder wirtschaftsstarker Demokratien, die in Asien und Europa "als Antriebskraft agieren", werde immer bedeutender. Wadephul wollte in Tokio auch Ministerpräsident Shigeru Ishiba sowie mehrere für Wirtschaft zuständige Minister treffen und zudem eine Rede bei einer Friedensstiftung halten. Wadephul in Japan hat auch eine persönliche Dimension. Neben langjährigen politischen Kontakten spielt seine Familie eine Rolle: Seine Töchter besuchten ein Gymnasium in Kiel, an dem sie Japanisch lernten und im Rahmen eines Schüleraustausches eine Japan-Reise unternahmen. Dieses persönliche Erlebnis habe seine besondere Nähe zu Japan verstärkt.

Im Kontext aktueller Entwicklungen ist die Wadephul-Reise nach Japan auch für Unternehmer besonders relevant: Die jüngste Geschäftsklimaumfrage „German Business in Japan 2025“ zeigt, dass 82 Prozent der deutschen Unternehmen im Jahr 2024 Gewinne in Japan erzielten – und 23 Prozent sogar mit Vorsteuermargen von über 10 Prozent. Gleichzeitig planen 31 Prozent dieser Unternehmen im Jahr 2025 höhere Investitionen in Japan, 52 Prozent wollen zusätzliche Mitarbeitende einstellen – beides Steigerungen, die Unternehmern als handfeste Indikatoren für Wachstumspotenzial dienen.

Wadephuls Reise und sein Engagement stärken das Vertrauen in den Standort Japan, indem sie politische Stabilität und wirtschaftliche Sicherheit unterstreichen – zentrale Faktoren für eine gelungene Japan‑Reise. Zudem eröffnen Initiativen wie der neue Letter of Intent zur Wissenschafts- und Raumfahrtkooperation konkrete Perspektiven für technologiebasierte Geschäftsmodelle – etwa in Quantentechnologien, KI‑Robotik und Fusionsenergie.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...