Finanzen

Wirecard-Aktionäre: BGH blockiert Schadenersatz im Insolvenzverfahren

Die Ansprüche von Wirecard-Aktionären auf Schadenersatz sind vorerst blockiert. Der Bundesgerichtshof stellte klar, dass einfache Gläubiger zuerst bedient werden, und lässt damit Millionenforderungen auf der Strecke. Etwa 50.000 Aktionäre hatten zusammen rund 8,5 Milliarden Euro geltend gemacht, doch die Insolvenzmasse reicht kaum für einen Bruchteil. Die Entscheidung zeigt, wie eng Gläubigerrechte bei Pleiten kalkuliert werden – und dass Aktionäre oft leer ausgehen.
13.11.2025 10:20
Lesezeit: 1 min
Wirecard-Aktionäre: BGH blockiert Schadenersatz im Insolvenzverfahren
Wirecard-Aktionäre erhalten laut BGH-Urteil keinen vorrangigen Schadenersatz. (Foto: dpa) Foto: Peter Kneffel

BGH-Urteil: Wirecard-Aktionäre müssen sich hinten anstellen

Wirecard-Aktionäre können im Insolvenzverfahren des früheren Dax <DE0008469008>-Unternehmens ihre Schadenersatzansprüche nicht als einfache Insolvenzforderungen geltend machen. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, dass ihre Ansprüche erst nach denen einfacher Gläubiger wie kreditgebender Banken oder ehemaliger Angestellter berücksichtigt werden.

Union Investment scheitert mit Forderung

Im konkreten Fall hatte die Vermögensverwaltung Union Investment rund 10 Millionen Euro Schadenersatz zur Wirecard-Insolvenztabelle angemeldet. Doch der Insolvenzverwalter wies die Forderungen zurück, weil er andere Gläubiger als vorrangig einstufte. Die Aktionäre kämen nur zum Zug, falls am Ende Geld übrig bliebe – was unwahrscheinlich ist. Union Investment klagte daher auf Feststellung ihrer Forderungen zur Insolvenztabelle.

Klage der Aktionäre abgewiesen

Das Oberlandesgericht München hatte in dem Verfahren 2024 zunächst die Rechte der Aktionäre gestärkt und in einem Zwischenurteil entschieden, dass sie Ansprüche auf Schadenersatz als einfache Insolvenzforderungen anmelden können. Diese Entscheidung hob der BGH nun auf. Er stellte das frühere Urteil des Landgerichts München wieder her, das die Klage abgewiesen hatte. (Az. IX ZR 127/24)

Milliardenforderungen bei geringer Insolvenzmasse

Insgesamt ging es in Karlsruhe um viel Geld: Etwa 50.000 Wirecard-Aktionäre haben laut Gericht Schadenersatzforderungen in Höhe von rund 8,5 Milliarden Euro zur Insolvenztabelle angemeldet. Zusammen fordern die Wirecard-Gläubiger 15,4 Milliarden Euro. Die Insolvenzmasse umfasst jedoch nur rund 650 Millionen Euro. Voraussichtlich werden die Gläubiger also auch ohne Beteiligung der Aktionäre nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen erhalten.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wird der XRP-Preis manipuliert? Hinter der Klage der US-Börsenaufsicht deutet sich ein langfristiger Plan von AMT DeFi an

Die Diskussionen rund um die Preisentwicklung von XRP reißen seit Langem nicht ab. Insbesondere nach der Klage der US-Börsenaufsicht...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Boom: Das sind die Gewinner und Verlierer an den Aktienmärkten
16.01.2026

Die Kräfteverhältnisse an den Börsen verschieben sich spürbar, weil KI-Investitionen, Währungseffekte und Branchenrisiken neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entlastung für Verbraucher: Niedrigere Energiepreise drücken Inflation unter Zwei-Prozent-Marke
16.01.2026

Die Preisentwicklung in Deutschland hat sich im Dezember weiter abgeschwächt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sorgten vor allem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenübernahme in der Stahlbranche: US-Konzern greift nach Klöckner & Co
16.01.2026

In der Stahlindustrie bahnt sich ein milliardenschwerer Deal an: Worthington Steel aus den USA will Klöckner & Co für elf Euro je Aktie...

DWN
Politik
Politik Förderung Elektroautos: Regierung vertagt Details zur neuen E-Auto Prämie 2026
16.01.2026

Wer auf eine baldige Klarheit zur neuen Kaufprämie für Elektroautos gehofft hat, muss sich weiter gedulden. Bundesumweltminister Carsten...

DWN
Technologie
Technologie 2025 baute Deutschland fast 1.000 neue Windräder an Land
16.01.2026

Windräder an Land sind vor Ort oft umstritten, sollen aber eine zentrale Rolle bei der Energiewende spielen. Der Ausbau nahm 2025 deutlich...

DWN
Politik
Politik EU-Sanktionen gegen Russland: Europas Durchsetzungskraft auf dem Prüfstand
16.01.2026

Die europäische Sanktionspolitik gegen Russland gerät zunehmend unter rechtlichen und finanziellen Druck. Gefährden Klagen russischer...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: TSMC sorgte für Zuversicht an der Wall Street und trieb die Aktienkurse nach oben
16.01.2026

Die US-Aktienmärkte bewegten sich am Donnerstag nach oben, als die aktuellen Ergebnisse des Chipherstellers TSMC die Investoren beruhigten...

DWN
Technologie
Technologie AWS EU-Cloud startet: Milliarden-Investition in Brandenburg
15.01.2026

AWS eröffnet eine unabhängige Cloud für Europa und investiert dafür Milliarden in Brandenburg. Das neue Angebot richtet sich vor allem...