Familienunternehmen als Stabilitätsanker: Langfristige Perspektiven zahlen sich aus
Deutschlands Familienunternehmen sind mehr als Traditionsfirmen – sie sind ein entscheidender Stabilitätsanker für die Wirtschaft. Die aktuelle Ausarbeitung des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) Mannheim im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zeigt eindrücklich, wie die 500 größten Familienunternehmen trotz globaler Krisen wachsen, Arbeitsplätze sichern und den Standort Deutschland stärken.
Familienmitglieder in der Geschäftsführung: Risiko und Verantwortung
In 70 Prozent der größten deutschen Familienunternehmen sind Mitglieder der Inhaberfamilie an der Geschäftsführung beteiligt. Das ifm bewertet dies positiv: Es zeige, dass die Familien bereit seien, nicht nur wirtschaftliche Vorteile mitzunehmen, sondern auch Risiken zu tragen. Langfristige Ziele stünden im Vordergrund und prägen die Unternehmensstrategie.
Top 500: Beschäftigte, Umsatz und internationale Präsenz
Das ifm betrachtet seit 2007 in regelmäßigen Abständen die Bedeutung großer Familienunternehmen im Vergleich zu DAX-Konzernen im Streubesitz. Das Ranking unterscheidet nach den 500 beschäftigungsstärksten und 500 umsatzstärksten Unternehmen, wobei Familieneinfluss bei mindestens 50 Prozent des stimmberechtigten Unternehmenskapitals definiert wird. Demnach beschäftigten die Top 500 im Jahr 2022 rund 6,4 Millionen Menschen weltweit – 1,6 Millionen mehr als zehn Jahre zuvor. Große Familienunternehmen sind vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Handel tätig und im Schnitt 101 Jahre alt.
Bei diesen Unternehmen arbeiteten 46 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, also 2,97 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Bei den 33 Nicht-Familienunternehmen im DAX-40 lag der Inlandanteil nur bei 31 Prozent. Zwar nimmt die Internationalisierung auch bei den Top 500 zu, doch die Verwurzelung in der Heimat bleibt stark.
Besonnene Personalpolitik bei Umsatzschwankungen
Die ifm-Erhebung berücksichtigt die Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Beginn des Ukraine-Krieges. Wie schon in früheren Erhebungen zeigt sich: Familienunternehmen passen die Beschäftigung bei Umsatzschwankungen nur langsam an, weder nach unten noch nach oben. Zwischen 2013 und 2022 schufen die Top 500 rund 620.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland, während die DAX-Konzerne 57.000 Stellen abbauten, vor allem seit Beginn der Pandemie. Das Forscherteam bezeichnet Familienunternehmen als stabilisierenden Faktor der Wirtschaft. Ihre vergleichsweise hohen Eigenkapitalquoten von 43 Prozent stützen diese Einschätzung.
Herausforderungen und Chancen in der Strukturkrise
Trotz aller Stabilität stellen die aktuelle Strukturkrise, steigende Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten auch die Familienunternehmen vor große Herausforderungen. Sie müssen Innovationen vorantreiben, internationale Märkte erschließen und gleichzeitig die Tradition und langfristige Orientierung wahren.
Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, betont: „Unsere Untersuchung zur Bedeutung der 500 größten Familienunternehmen unterstreicht: Die Wirtschaft wird nicht nur an der Börse gehandelt, und unsere oft wenig bekannten Weltmarktführer in allen Winkeln des Landes geben Deutschland Beschäftigung und Stabilität.“
Fazit: Familienunternehmen als Rückgrat der Wirtschaft
Die TOP 500-Studie 2025 zeigt klar: Familienunternehmen sind Jobmotor, Stabilitätsanker und Innovationskraft zugleich. Ihre langfristige Perspektive, die persönliche Verantwortung der Eigentümerfamilien und die regionale Verankerung machen sie weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen und zu einem unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Wirtschaft. Für die Politik bedeutet dies: Familienunternehmen sind strategische Partner für den Standort Deutschland, deren Potenzial genutzt werden sollte – ohne die kritische Kontrolle über Governance, Steuerpolitik und Diversität zu vernachlässigen.

