Wirtschaft

Bovenschulte mahnt zum Handeln: Bundesratspräsident fordert mehr soziale Gerechtigkeit

Mit deutlichen Worten hat der neue Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte seinen Amtsantritt genutzt, um auf die wachsende soziale Ungleichheit in Deutschland aufmerksam zu machen. In seiner Rede vor der Länderkammer warnte Bremens Regierungschef vor den Folgen einer immer ungleicheren Vermögensverteilung – und betonte, dass diese Entwicklung zu einer Gefahr für die Demokratie werden könne.
21.11.2025 11:40
Lesezeit: 1 min
Bovenschulte mahnt zum Handeln: Bundesratspräsident fordert mehr soziale Gerechtigkeit
Andreas Bovenschulte (SPD), Bürgermeister von Bremen und Präsident des Bundesrats, spricht bei der Sitzung des Bundesrat (Foto: dpa). Foto: Kay Nietfeld

Die Wirtschaftsweisen hätten festgestellt, dass Deutschland von allen Ländern des Euroraums die zweithöchste Vermögensungleichheit aufweise, sagte der SPD-Politiker. Auf die oberen 10 Prozent der Bevölkerung entfielen demnach rund 60 Prozent aller Vermögenswerte, auf die unteren 50 Prozent der Bevölkerung 2 Prozent.

Gefahr für demokratische Stabilität

"Solche massiven Unterschiede sind nicht nur sozial ungerecht und wirtschaftlich kontraproduktiv, sie gefährden auch die demokratische Stabilität unseres Gemeinwesens", warnte er. "Hier bedarf es dringend einer breiten, sachlich geführten Diskussion über mögliche Gegenstrategien."

"Viele Stärken - ein Land" ist Bremens Motto für Präsidentschaft

Bremen übernahm Anfang November turnusmäßig vom Saarland den Vorsitz im Bundesrat. Die Präsidentschaft wechselt jährlich. Die Reihenfolge richtet sich nach der Größe der 16 Bundesländer. Bremen stellte seine Präsidentschaft unter das Motto "Viele Stärken - ein Land".

"Damit möchten wir zum einen betonen, dass die gesellschaftliche und föderale Vielfalt Deutschlands mitnichten ein Systemfehler, sondern eine echte und große Stärke ist. Sie macht uns resilient und gibt uns Kraft für die anstehenden Herausforderungen", erklärte Bovenschulte. Zum anderen bringe das Motto zum Ausdruck, dass erst die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger das Land stark machten.

Der Föderalismus habe seine Leistungsfähigkeit in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder unter Beweis gestellt, sagte Bovenschulte. Es möge an der einen oder anderen Stelle Reformbedarf geben. "Aber dies ändert nichts daran, dass sich das grundsätzliche Konstruktionsprinzip des kooperativen Föderalismus sehr bewährt hat."

Bundesregierung bietet Ländern enge Zusammenarbeit an

Für die Bundesregierung bot Kanzleramtsminister Thorsten Frei den Ländern eine enge Zusammenarbeit an. "Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit, unsere Wirtschaft stärken, den sozialen Zusammenhalt bewahren und unser Land und seine Enkelinnen und Enkel auf eine nachhaltige und sichere Zukunft vorbereiten - alles im Schulterschluss mit den Ländern", sagte der CDU-Politiker in seiner Erwiderung auf Bovenschulte.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ripple startet RWA-Strategie, AMT DeFi-Verträge für erneuerbare Energien gehen live – XRP beginnt einen neuen Aufwärtszyklus

Mit der beschleunigten Einführung der RWA-Strategie (Real World Assets) durch Ripple entwickelt sich die Blockchain-Branche von reinem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Digitale Souveränität: Europas Weg aus der US-Tech-Abhängigkeit
18.01.2026

Europas Abhängigkeit von globalen Technologiekonzernen rückt zunehmend in den Fokus politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Wird...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Basel IV: Warum viele Unternehmen plötzlich keinen Kredit mehr erhalten
18.01.2026

Basel IV verändert die Kreditlandschaft grundlegend – und der Mittelstand zahlt den Preis. Immer mehr Unternehmen stoßen auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Trump im zweiten Amtsjahr: Wachsende Risiken für globale Finanzmärkte
18.01.2026

Donald Trumps zweite Amtszeit fällt in eine Phase erhöhter politischer und ökonomischer Verwundbarkeit der Märkte. Droht den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflationsschock, Schuldenfalle, Rezession: Das neue ökonomische Dreieck
18.01.2026

Deutschland geht der finanzielle Spielraum aus. Hinter der Fassade steckt ein Staat, der ganz langsam unter explodierenden Schulden, hoher...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 03: Die wichtigsten Analysen der Woche
18.01.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 03 des neuen Jahres fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Industrie am Wendepunkt: Strukturwandel prägt die Entwicklung
18.01.2026

Die deutsche Industrie verharrt nach dem Abschwung in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit. Handelt es sich um eine vorübergehende...

DWN
Technologie
Technologie Speicherchips: Der wahre Engpass der Künstlichen Intelligenz
18.01.2026

Jahrelang drehte sich im KI-Boom alles um Rechenleistung. Doch nun zeigt sich, dass nicht Prozessoren, sondern Speicherchips den Takt...

DWN
Technologie
Technologie BDEW kritisiert Infrastruktur auf dem Silbertablett: Was sich nach dem Angriff aufs Berliner Stromnetz dringend ändern muss
18.01.2026

Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz übt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) scharfe Kritik an geltenden...