Finanzen

EZB erhöht Druck: Vereinfachte Regeln für Europas Banken

Die EZB drängt auf einfachere EU-Bankenvorschriften und will kleinere Institute entlasten. Doch wie weit darf eine Reform gehen, ohne Stabilität zu gefährden? Die Debatte gewinnt an Dynamik – und stellt Europa vor eine heikle regulatorische Balance.
11.12.2025 13:00
Aktualisiert: 11.12.2025 13:00
Lesezeit: 1 min
EZB erhöht Druck: Vereinfachte Regeln für Europas Banken
Kapitalregeln für Banken: Warum kleine Institute auf Entlastung hoffen (Foto: dpa)

EZB drängt auf einfachere EU-Bankenvorschriften

Die Europäische Zentralbank setzt sich weiterhin für eine Vereinfachung der Kapitalregeln für Banken in Europa ein. Die Zahl der Anforderungen soll verringert werden, regt die EZB die Einführung eines einfacheren Aufsichtssystems für kleinere Banken an. Kleine Institute in Deutschland, darunter Sparkassen und Volksbanken, beklagen die Fülle an EU-Bankenvorschriften.

"Der EZB-Rat schlägt vor, die EU-Bankenvorschriften deutlich stärker an der Verhältnismäßigkeit auszurichten", teilte die Notenbank in Frankfurt mit. "Bewerkstelligen ließe sich dies durch Ausweitung des Anwendungsbereichs der bestehenden Regelungen für kleine Banken und deren umsichtige und einheitliche Vereinfachung."

Einfacher und schlanker: EU-Kommission muss entscheiden

Eine weitere Empfehlung der vom EZB-Rat eingesetzten "Taskforce": Verschiedene Kapitalpuffer zusammenzulegen, die Geldhäuser als Puffer gegen Krisen vorhalten müssen. Zudem sollen die regelmäßigen EU-weiten Stresstests, in denen Aufseher die Krisenfestigkeit von Banken anhand verschiedener Szenarien prüfen, nach Willen der EZB schlanker angelegt werden - sowohl von der Methodik als auch vom Anwendungsbereich.

Die EZB legt ihre Vorschläge nun der Europäischen Kommission vor, die beabsichtigt, 2026 einen Bericht zur Gesamtsituation des Bankensystems im Binnenmarkt vorzulegen. Um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, versucht Brüssel derzeit, EU-Bankenvorschriften zu entschlacken und das Bankensystem von Vorgaben zu entlasten.

Die komplexen Kapitalregeln für Banken in Europa wurden nach der globalen Finanzkrise ab 2008 eingeführt. Sie sind eine Lehre aus dem damaligen Zusammenbruch von Geldhäusern wie die gemeinsame EZB-Bankenaufsicht: Seit November 2014 beaufsichtigt die Zentralbank die größten Banken im Euroraum direkt und überwacht dort das Bankensystem.

Kapitalregeln: Furcht vor Nachteilen gegenüber der US-Konkurrenz

Hintergrund der Bemühungen um einfachere EU-Bankenvorschriften in Europa sind auch Bestrebungen der US-Regierung von Donald Trump, die Deregulierung der Finanzbranche voranzutreiben, etwa mit weniger strengen Kapitalregeln. Institute in Europa fürchten daher Nachteile gegenüber der US-Konkurrenz, die seit Jahren deutlich profitabler ist.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte jüngst die EU-Bankenvorschriften als zu rigoros bezeichnet und der Finanzbranche ein Entgegenkommen im europäischen Bankensystem in Aussicht gestellt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ist es sicher, auf Top-Up-Websites wie Refilled mit Kreditkarte zu bezahlen?

Jeden Tag gibt es mehr und mehr digitale Shops, die nach deinen Kredit- oder Debitkartendaten fragen. Mit Kreditkarte auf einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pilotengehalt bei Lufthansa: So viel verdienen Piloten 2026 wirklich
16.04.2026

Die anhaltenden Streiks bei der Lufthansa rücken die Vergütungsstrukturen der Piloten erneut in den Mittelpunkt. Wie hoch sind die...

DWN
Panorama
Panorama Geld zurück aus illegalem Online-Glücksspiel?
16.04.2026

Der Europäische Gerichtshof bringt Bewegung in Millionenklagen rund um Online-Glücksspiel ohne deutsche Lizenz. Spieler hoffen plötzlich...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor Kehrtwende: Debatte um EU-Kredit für die Ukraine nimmt Fahrt auf
16.04.2026

Nach dem politischen Umbruch in Ungarn rücken die EU-Finanzhilfen für die Ukraine wieder in den Fokus. Wird Budapest seine Blockade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industriestrompreis: EU gibt Milliarden frei
16.04.2026

Die EU-Kommission öffnet den Weg für einen subventionierten Industriestrompreis in Deutschland. Milliardenhilfen sollen die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch kämpft mit Kostenexplosion: Gewinne brechen dramatisch ein
16.04.2026

Bosch steckt in der Krise – und schreibt erstmals seit Jahren rote Zahlen. Vor allem die enormen Kosten für den Stellenabbau belasten...

DWN
Panorama
Panorama Arag-Analyse: Konflikte bei Arbeit und Wohnen nehmen zu
16.04.2026

Steigende Kosten treiben immer mehr Menschen vor Gericht – selbst bei kleinen Beträgen. Eine neue Analyse zeigt, wie stark Konflikte um...

DWN
Technologie
Technologie AEO: Wie KI-Suchmaschinen Google den Rang ablaufen
16.04.2026

Die klassische Google-Suche verliert an Macht, während KI-Systeme Antworten direkt liefern. Unternehmen kämpfen nicht mehr um Rankings,...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg verschärft Risiken: Investoren senken Wachstumserwartungen
16.04.2026

Die Erwartungen globaler Investoren an das Wirtschaftswachstum geraten unter Druck, während Inflation und geopolitische Risiken wieder...