Politik

CO2-Preis steigt ab morgen: 1.000 Euro mehr Heizkosten im Jahr

Mit dem Jahreswechsel steigt der CO2-Preis – was das für Tanken, Heizen und Ihre Nebenkostenabrechnung konkret heißt. Und wie es danach weitergeht.
31.12.2025 14:00
Lesezeit: 3 min
CO2-Preis steigt ab morgen: 1.000 Euro mehr Heizkosten im Jahr
Die Flammen eines Gasherds: Auch das Kochen mit Gas wird teurer. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Was ist der CO2-Preis?

Seit 2021 gilt in Deutschland der CO2-Preis für Heiz- und Brennstoffe. Eine schrittweise steigende CO2-Bepreisung soll Anreize für mehr Sparsamkeit und für den Umstieg auf klimafreundliche Technologien setzen, um CO2-Emissionen zu verringern.

Die Kosten geben die Unternehmen an die Endverbraucher weiter. Mit der steigenden CO2-Bepreisung verteuern sich das Tanken mit Benzin und Diesel sowie das Heizen mit Erdgas und Öl.

Derzeit ist der Preis noch gesetzlich vorgegeben, künftig soll er sich jedoch aus dem EU-Emissionshandel ergeben. Dabei müssen große Unternehmen, die Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel verkaufen, Emissionszertifikate vorweisen. Je nach Bedarf können sie diese untereinander handeln. So entsteht ein Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl der verfügbaren Zertifikate – das soll auf möglichst effiziente Weise zu mehr Klimaschutz führen.

Was passiert im kommenden Jahr und danach beim CO2-Preis?

Mit dem Jahreswechsel steigt der CO2-Preis von aktuell 55 Euro pro Tonne auf 55 bis 65 Euro pro Tonne. Es entsteht damit ein Preiskorridor, innerhalb dessen die CO2-Zertifikate ersteigert werden können. Der Start der Auktionen ist laut Umweltbundesamt (UBA) derzeit für Juli 2026 vorgesehen und soll bis Ende Oktober einmal pro Woche an der Leipziger Energiebörse stattfinden. Reicht die Nachfrage bei den Versteigerungen nicht aus, können weitere Zertifikate zu einem höheren Preis von 68 Euro erworben werden.

Ein Jahr später, ab 2027, sollten Brennstoffe wie Benzin und Erdgas eigentlich auch in den europäischen Emissionshandel einbezogen werden, der Preis würde sich dann durch Angebot und Nachfrage bilden. Doch nun kommt dieser Schritt voraussichtlich erst 2028. Darauf haben sich Unterhändler von Europaparlament und EU-Staaten vor Kurzem verständigt. Damit sollen große Preissprünge für Verbraucher beim Tanken und Heizen zunächst vermieden werden.

Mit welchen Preisen müssen Verbraucher rechnen?

Autofahrer müssen beim Tanken tendenziell tiefer in die Tasche greifen. Der ADAC rechnet für das kommende Jahr mit einem Anstieg des Benzinpreises um knapp drei Cent pro Liter und mit etwas weniger als drei Cent pro Liter beim Diesel.

Zu den Heizkosten für Öl und Gas heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): "Wir halten es für wahrscheinlich, dass sich der Preis eher am oberen Ende einpendelt." Dadurch könne Heizöl im nächsten Jahr etwa drei Cent pro Liter mehr kosten. Erdgas werde voraussichtlich um etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde teurer. "In einem typischen, wenig sanierten Einfamilienhaus mit Gasheizung und rund 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergeben sich dadurch ungefähre jährliche Mehrkosten von rund 50 Euro gegenüber dem Vorjahr."

Was sollten Mieter beachten?

Bei Gas- und Ölzentralheizungen teilen sich Mieter und Vermieter den CO2-Preis. Je energieeffizienter ein Haus ist, desto höher ist der Anteil, den Mieter tragen müssen. In schlecht gedämmten Gebäuden mit ineffizienter Heizung zahlen Vermieter dagegen den Löwenanteil.

Vermieter müssen den CO2-Preis in der Nebenkostenabrechnung transparent ausweisen, erklärt der vzbv. "Mieter sollten also unbedingt darauf achten, dass der Energieverbrauch, die anfallenden CO2-Kosten und die Aufteilung in der Abrechnung nachvollziehbar ausgewiesen sind. Ist das nicht der Fall, sollten Mieter sich bei dem Vermieter melden und eine Korrektur der Abrechnung verlangen."

Eigeninitiative ist bei Gasetagenheizungen mit eigenen Gasverträgen gefragt. Hier stellt der Versorger dem Mieter zunächst den vollen CO2-Preis in Rechnung, dieser kann dann vom Vermieter die Erstattung seines Anteils verlangen, führt der vzbv aus.

Was passiert mit den Einnahmen?

Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen in den Klima- und Transformationsfonds. Dieser ist eigentlich für die Umstellung auf ein klimafreundlicheres Wirtschaften gedacht. Allerdings finanziert der Fonds auch andere Kostenpunkte, etwa den ab Januar geplanten staatlich subventionierten niedrigeren Industriestrompreis.

Was ist für die Zukunft zu erwarten?

Langfristig ist mit einem weiteren Anstieg des CO2-Preises zu rechnen. Der Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Achim Wambach, rechnet ab 2028 mit einem Anstieg von bis zu 200 Euro pro Tonne CO2.

"Das wären für einen Liter Benzin rund 60 Cent mehr. Ein Vier-Personen-Haushalt, der noch mit Gas heizt, müsste mit rund 1.000 Euro höheren Heizkosten pro Jahr rechnen", sagte er der "Wirtschaftswoche". Diese Aussagen bezogen sich ursprünglich noch auf das Jahr 2027. Mit der Verschiebung um ein Jahr rechnet Wambach nun für 2028 mit diesen Werten, wie er bestätigte.

Welche sozialen Auswirkungen hat der CO2-Preis?

Befürworter von Emissionshandelssystemen betonen, dass der Markt hier Klimaschutz effizient organisiert. Doch ohne ergänzende gesetzliche Vorgaben landen die Preise ungebremst bei den Verbrauchern, lautet eine zentrale Sorge.

Je stärker die gesetzlichen Vorgaben etwa im Gebäudeenergiegesetz oder durch EU-Vorschriften für Neuwagen sind, desto niedriger fällt der CO2-Preis im Emissionshandel aus, erklärt Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute. Die Bundesregierung plane jedoch, die Vorgaben eher zurückzudrehen. "Es ist also eher mit hohen Preisen zu rechnen."

Höhne sagt voraus: "Wenn ab 2028 wirklich das neue EU-Emissionshandelssystem ungebremst einsetzt, schnellen entweder die Preise in die Höhe, oder sie werden von der Politik gedeckelt – auf Kosten der Klimaziele." Sozialer Ausgleich sei dabei essenziell, da gerade ärmere Haushalte bei hohen Energiepreisen überproportional belastet würden.

Der vzbv fordert daher, die Bundesregierung müsse Verbrauchern den Wechsel von teurer werdenden fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien ermöglichen. "Die gesetzlichen Vorgaben für den Heizungstausch müssen deswegen bestehen bleiben. Genauso zentral ist die Senkung des Energieverbrauchs insgesamt und damit auch der CO2-Kosten."

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