Finanzen

Novo Nordisk-Aktie: Wie Analysten die Zukunft nach dem Crash bewerten

Die jüngsten Turbulenzen rund um die Novo Nordisk-Aktie haben Anleger verunsichert und den Blick auf Chancen und Risiken neu geschärft. Welche Faktoren entscheiden darüber, ob der Konzern verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann?
28.11.2025 07:47
Lesezeit: 3 min
Novo Nordisk-Aktie: Wie Analysten die Zukunft nach dem Crash bewerten
Die Novo Nordisk-Aktie steht nach massiven Kursverlusten zwischen langfristigem Potenzial und spürbarem Wettbewerbsdruck (Foto: dpa) Foto: Victor Golmer

So bewerten Experten die Novo Nordisk-Aktie heute

Nur wenige Analysten warnten vor dem Einbruch von Novo Nordisk, als der Kurs im Sommer 2024 seinen Höhepunkt erreichte. Nach massiven Verlusten und beschädigtem Vertrauen ziehen sie nun erneut Bilanz und sehen eine Lage, die ihrer Ansicht nach falsch eingepreist wird. Gleichzeitig verweisen sie auf konkrete Risiken und entscheidende Faktoren, die erfüllt sein müssen, damit die Novo Nordisk-Aktie wieder an Schwung gewinnen kann.

Florent Cespedes, Senioranalyst bei Bernstein, gehörte zu den frühen Skeptikern. Er sieht heute eine Stimmungslage, die ins Gegenteil gekippt ist. Während 2024 nahezu jede Meldung zu Novo Nordisk Euphorie auslöste, herrscht inzwischen ein verbreiteter Pessimismus. Anleger seien so negativ wie zuvor positiv gewesen und zweifelten daran, dass sich der Konzern überhaupt erholen könne.

Karen Andersen von Morningstar war ebenfalls Teil der kleinen Gruppe vorsichtiger Stimmen. Sie warnte im Frühjahr 2024 vor sinkenden Preisen und wachsender Konkurrenz. In der Folge wurden die Gewinnerwartungen für Novo Nordisk deutlich gesenkt. Ihrer Einschätzung nach wird die Novo Nordisk-Aktie dennoch mehr als 25 Prozent unter ihrem fairen Wert gehandelt.

Neue Bewertungen der Novo Nordisk-Aktie nach dem Kursrutsch

Cespedes hatte im Juni 2024 eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen, als der Kurs seinen Höchststand erreichte. Damals rieten nur vier von 34 Analysten zum Verkauf. Im September 2025 jedoch änderte er seine Position und stufte die Aktie auf Kaufen hoch. Er geht davon aus, dass die Wahrheit zwischen den extremen Erwartungen an Konkurrent Eli Lilly und den tiefen Sorgen über Novo Nordisk liegt.

Seit dem vergangenen Sommer hat die Aktie rund 70 Prozent ihres Börsenwertes verloren, während Eli Lilly um mehr als 35 Prozent zulegen konnte. Für Cespedes sind die deutlichen Verluste ein Hinweis darauf, dass die Novo Nordisk-Aktie langfristig attraktiv geworden ist.

Der Markt für Adipositastherapien wachse zwar langsamer als ursprünglich angenommen, biete aber weiterhin erhebliches Potenzial. In den USA erhielten erst vier von 110 Millionen betroffenen Patienten eine Behandlung.

Kurzfristig könne der Kurs jedoch stärker schwanken oder weiter nachgeben. Der Grund liegt in niedrigeren Gewinnerwartungen für die Jahre 2026 und 2027, ausgelöst durch Preisrückgänge und höhere Kosten durch jüngste Übernahmen. Erst wenn diese Effekte vollständig eingepreist sind, könne Innovation wieder zu steigenden Umsätzen und einem Kursanstieg führen.

Zwei mögliche Kurstreiber für Investoren

Nach Einschätzung beider Analysten hängt die Trendwende der Aktie von zwei möglichen Kurstreibern ab. Ein zentraler Faktor wird die erfolgreiche Einführung von Semaglutid in Tablettenform in den USA zu Beginn des Jahres 2026 sein. Eine gelungene Markteinführung erfordert höhere Verkäufe in Direktvertriebskanälen sowie eine schnellere Positionierung als beim Konkurrenzprodukt Orforglipron von Eli Lilly.

Andersen hält eine Verbesserung der Marktstimmung für realistisch, sobald Novo Nordisk erste Umsätze mit der oralen Variante meldet. Gelingt der Start, könnte das Unternehmen verlorene Marktanteile teilweise zurückgewinnen und Vertrauen zurückgewinnen.

Als zweite Chance gilt die Veröffentlichung neuer Studiendaten zu Cagrisema, das direkt gegen das Eli-Lilly-Präparat Zepbound getestet wird. Die Ergebnisse werden im ersten Quartal 2026 erwartet und könnten erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung der beiden Marktführer haben.

Wesentliche Risiken für die Investmentstory

Trotz möglicher Kurstreiber bleibt die Anlagestory nach Einschätzung der Analysten risikobehaftet. Wachsende Konkurrenz, sinkende Preise und schwächere Studiendaten für Cagrisema gehören zu den größten Unsicherheiten. Zusätzlich drohen langfristig Nachahmerprodukte und preisgünstige GLP-1-Medikamente aus China nach 2030.

Andersen verweist zudem auf den bevorstehenden Patentablauf von Semaglutid. Für Kanada endet der Schutz 2026, für die USA 2032. Da Semaglutid die Grundlage des wichtigen Präparats Wegovy ist, steigt der Druck auf neue Wirkstoffe in der Pipeline. Diese müssen künftig belastbarer sein als bisherige Produkte und zugleich stärker überzeugen als Eli Lillys Tirzepatid.

Auswirkungen auf Deutschland und seine Pharmastrategie

Für Deutschland ist die Entwicklung der Novo Nordisk-Aktie besonders bedeutsam, da der Markt für Adipositastherapien auch hier wächst und pharmazeutische Wettbewerbsfähigkeit immer stärker unter globalem Druck steht.

Die Unsicherheiten bei Preisen, Patenten und Innovationsfähigkeit zeigen deutlich, dass europäische und deutsche Akteure intensiver in Forschung, Zulassung und Produktion investieren müssen, um langfristig unabhängig von internationalen Marktführern zu bleiben.

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