Politik

Trumps Rede an die Nation: Eigenlob und Schweigen im Walde

Zwischen Weihnachtsbäumen und Selbstlob inszeniert Donald Trump seine Rede an die Nation als Erfolgsgeschichte. Er verspricht wirtschaftlichen Aufschwung, verteilt Geld an Soldaten und erklärt die Vergangenheit für überwunden. Doch während Trump Zahlen und Grafiken sprechen lässt, bleiben zentrale Themen unerwähnt. Die Rede zeigt, wo der Präsident punkten will – und wo er auffällig ausweicht.
18.12.2025 08:37
Aktualisiert: 18.12.2025 08:37
Lesezeit: 3 min

Rede an die Nation: Was Trump sagte und was nicht

Kurz vor Weihnachten tritt der US-Präsident vor die Kameras und richtet eine Rede an die Nation. Trump lobt sich darin – nach fast einem Jahr im Amt – vor allem selbst. Er steht unter großem Druck.

Er stand zwischen zwei Weihnachtsbäumen im Weißen Haus und verschenkte Geld an "Krieger", wie er die US-Soldaten neuerdings nennt: US-Präsident Donald Trump hielt eine Rede an die Nation und verteidigte darin seine in die Kritik geratene Wirtschaftspolitik. Die wichtigsten Erkenntnisse seiner Ansprache:

Wenig Neues: Abgesehen von der "Krieger-Dividende"

Eine Rede an die Nation hält ein Präsident dann, wenn er wichtige Ankündigungen machen will oder ein bedeutender Moment für die Amerikaner eingetreten ist. Zum Beispiel hatte Trumps Vorgänger Joe Biden in einer solchen Rede seinen Rückzug aus dem Präsidentschaftswahlkampf näher erklärt. Trump wählte diese Bühne am Abend, um sich nach fast einem Jahr im Amt selbst ein sehr gutes Zeugnis auszustellen. Immer wieder betonte er, dass es wirtschaftlich bergauf gehe und die Amerikaner das bald auch im eigenen Geldbeutel spüren würden.

Trump betonte erneut, vor einem Jahr sei das Land "tot" gewesen; nun sei es das "angesagteste" in der ganzen Welt. Der Republikaner zeichnete in seiner knapp 20-minütigen Rede das Bild einer düsteren Vergangenheit mit Millionen kriminellen Ausländern im Land, einer woken Gesellschaft und einer ausufernden Inflation. An allem schuld: die Vorgängerregierung von Demokrat Biden. Die Zukunft sehe deutlich besser aus, versprach Trump.

Einer Gruppe, die Trump besonders wichtig ist, überbrachte er ein Geschenk: Soldaten bekommen eine "Krieger-Dividende" ausgezahlt. Trump versprach knapp 1,5 Millionen Militärangehörigen jeweils einen Scheck in Höhe von 1.776 Dollar. Die Summe nimmt Bezug auf das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der USA: 1776. Die Trump-Regierung hatte das Pentagon unlängst in Kriegsministerium umbenannt.

Über das Trump nicht sprach

Mit keinem Wort erwähnte der US-Präsident den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine – und das in einer Woche, in der in Europa ein Treffen von Toppolitikern auf das andere folgt. Ebenfalls nicht namentlich genannt: Venezuela. Dabei hatte Trump noch am Vortag den Druck auf den autoritär regierenden Präsidenten Nicolás Maduro massiv verstärkt und eine Blockade von sanktionierten Öltankern vor der dortigen Küste angeordnet. Doch Trump ließ das Thema außen vor – er streifte lediglich den Kampf gegen Drogenschmuggel auf See, der erfolgreich verlaufe.

Warum Trump jetzt zu den Amerikanern sprach

Trump steht innenpolitisch unter Druck. Vor allem belastet ihn das Thema Lebenshaltungskosten. Viele Amerikaner klagen über hohe Preise im Supermarkt. Trump wirft den Demokraten vor, das Thema bewusst zu platzieren.

Er sagte in seiner Rede trotz der Kritik an hohen Preisen: "Die Löhne steigen viel schneller als die Inflation. Wie toll ist das denn?" Das Thema könnte entscheidend für die Zwischenwahlen im US-Parlament in knapp einem Jahr werden. Im Senat und im Repräsentantenhaus haben die Republikaner jeweils eine knappe Mehrheit.

Obwohl Trump als früherem Geschäftsmann vor seiner zweiten Amtszeit im Bereich Wirtschaft Kompetenzen zugesprochen wurden, zeigen jüngste Umfragewerte gerade hier schwindenden Zuspruch. Während Trumps Rede wurden im Fernsehen mehrere Grafiken eingeblendet, mit denen er Themen anriss, etwa die Entwicklung von Preisen für Benzin, Eiscreme oder Frühstückswürstchen.

Epstein-Akten: Die Uhr tickt

Doch Trump plagen auch andere Sorgen. Dazu gehört der Skandal um den 2019 gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Die beiden kannten sich, wie Fotos zeigen, auf denen beide zu sehen sind. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung Trumps in den Skandal.

Trump unterschrieb erst auf massiven Druck aus dem US-Parlament ein Gesetz, das die Veröffentlichung von Ermittlungsakten zu dem Fall um einen Missbrauchsring verfügt, dem viele Minderjährige zum Opfer gefallen sein sollen. Die Unterlagen müssen bis zum 19. Dezember veröffentlicht werden.

Trump hatte noch im Präsidentschaftswahlkampf die Freigabe der Akten gefordert, dann sträubte er sich nach dem Amtsantritt. Der Fall ist für Trump auch deshalb gefährlich, weil er offenbarte, dass der Rückhalt im Republikanerlager – selbst in seiner Bewegung "Make America Great Again" – bröseln kann.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Deutsche im Iran: Pistorius bereit für Bundeswehreinsatz bei Waffenruhe
26.03.2026

Der Iran-Krieg alarmiert die Bundesregierung, weil die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar werden. Verteidigungsminister Pistorius...

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...