Politik

Trump droht Kolumbien und Mexiko

Die Aussagen aus Washington signalisieren eine neue Eskalationsstufe in der US-Politik gegenüber Lateinamerika. Droht daraus eine Strategie, die militärischen Druck, Ölinteressen und regionale Machtprojektion offen miteinander verbindet?
06.01.2026 16:00
Lesezeit: 3 min

Donald Trump droht weiteren Ländern mit Interventionen

US-Präsident Donald Trump hat erklärt, dass der kolumbianische Präsident Gustavo Petro künftig keine Drogen mehr in die Vereinigten Staaten liefern werde und eine militärische Operation gegen Kolumbien nicht ausgeschlossen. Auf Fragen von Journalisten sagte Trump am Sonntag zudem, dass er auch mit Blick auf Mexiko „etwas tun“ müsse.

Nach dem Angriff auf Venezuela am Samstag schloss der US-Präsident weitere militärische Interventionen gegen andere Länder der Region ausdrücklich nicht aus. Trump sprach mit Journalisten an Bord der Air Force One auf dem Rückflug von Florida nach Washington, wo er die Weihnachts- und Neujahrszeit in seiner Residenz Mar-a-Lago verbracht hatte.

Vorwürfe gegen Kolumbien und offene Drohungen

Trump bezeichnete Venezuela als „sehr krank“ und fügte hinzu, auch Kolumbien sei „sehr krank“ und werde von einem Mann regiert, der es möge, Kokain zu produzieren und in die USA zu verkaufen. Dies werde jedoch nicht mehr lange so weitergehen, sagte der Präsident. Auf die Nachfrage, ob er damit eine militärische Operation gegen Kolumbien meine, antwortete Trump, dies klinge gut.

In ähnlichem Ton äußerte sich der US-Präsident über Mexiko, das seiner Darstellung zufolge von Drogenkartellen beherrscht werde. Er erklärte, dass er mit Blick auf Mexiko handeln müsse, da Drogen über das Land in die USA gelangten.

Konflikt mit Mexiko und Angebot militärischer Hilfe

Mexiko müsse sich zusammenreißen, sagte Trump, da die Drogen durch Mexiko flössen und die USA gezwungen seien zu reagieren. Er betonte, dass die US-Regierung es bevorzugen würde, wenn Mexiko selbst handele, da das Land dazu in der Lage sei. Gleichzeitig räumte Trump ein, dass die Kartelle in Mexiko sehr stark seien.

Trump erklärte zudem, dass er bei jeder Gelegenheit in Gesprächen mit der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum angeboten habe, US-Truppen zur Bekämpfung der Kartelle zu entsenden. Sie sei jedoch nicht bereit gewesen, einem solchen Vorgehen zuzustimmen.

Einschätzung zur Lage auf Kuba nach Venezuela

Der US-Präsident äußerte außerdem die Einschätzung, dass das Regime auf Kuba nach dem Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ohne die Unterstützung aus Caracas kurz vor dem Zusammenbruch stehe.

Er sagte, Kuba habe derzeit keine eigenen Einnahmen und sei vollständig von den Erträgen aus venezolanischem Öl abhängig. Kuba erhalte derzeit nichts mehr, erklärte Trump, und das Land sei buchstäblich bereit zu kollabieren. Eine US-amerikanische Intervention sei dafür nicht erforderlich, so der Präsident weiter.

US-Anspruch auf Kontrolle über Venezuela

Mit Blick auf Venezuela wiederholte Trump seine Aussage, dass die USA das Land faktisch kontrollierten. Er erklärte, dass die mögliche Nachfolgerin von Maduro, Delcy Rodríguez, mit den Vereinigten Staaten kooperiere. Sollte dies nicht der Fall sein, drohte er ihr mit einem Schicksal, das schlimmer sei als das von Maduro.

Auf Fragen nach Wahlen und einer Demokratisierung Venezuelas sagte Trump, dass zunächst ein Wiederaufbau des Landes notwendig sei. Venezuela sei ruiniert und schlecht verwaltet worden, die Ölproduktion liege auf sehr niedrigem Niveau. Das Land müsste deutlich höhere Einnahmen und eine größere Ölförderung erzielen.

Strategische Forderungen und Blick auf Grönland

Trump erklärte, dass er von den neuen Machthabern in Caracas einen vollständigen Zugang zu Öl und anderen Ressourcen erwarte, damit die USA das Land wieder aufbauen könnten. Ferner wurde er auf seine im März des Vorjahres geäußerte Absicht angesprochen, Grönland annektieren zu wollen.

Der Präsident wollte sich dazu nicht weiter äußern, bekräftigte jedoch, dass die USA Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit und strategischer Interessen dringend benötigten. Er verwies darauf, dass russische und chinesische Schiffe in der Region operierten und Dänemark nicht in der Lage sei, die Sicherheit der Insel zu gewährleisten.

Trump spottete, die Dänen hätten zur Erhöhung der Sicherheit lediglich einen weiteren Hundeschlitten entsandt. Zugleich erklärte er, dass auch die Europäische Union ein Interesse daran habe, dass die USA die Kontrolle über Grönland übernähmen, und dies in Brüssel bekannt sei.

Auswirkungen der US-Außenpolitik auf Europa und Deutschland

Die jüngsten Aussagen Donald Trumps verdeutlichen eine erneute Verschärfung der US-Außenpolitik mit direkten Konsequenzen für Europa. Für Deutschland als wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eng mit den USA verflochtenes Land stellt sich die Frage, wie stabil transatlantische Beziehungen bleiben, wenn Washington zunehmend unilateral agiert.

Insbesondere energiepolitische Interessen, sicherheitspolitische Verpflichtungen innerhalb der NATO und die Rolle der EU in geopolitischen Konflikten könnten durch eine solche Politik stärker unter Druck geraten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
31.05.2026

Die schwarz-rote Regierung unter Kanzler Merz geht dem Ende zu - trotz aktueller Durchhalteparolen der möglichen Nachfolger Spahn und...

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsanleihen unter Druck: Wie der Krieg den Preis des Geldes erhöht
31.05.2026

Lange galten Staatsanleihen als sicherer Hafen, nun werden sie selbst zum Warnsignal. Krieg, Energiepreise und Inflation treiben Renditen...

DWN
Panorama
Panorama Kimmel, Fallon, Stewart: Die wichtigsten Late-Night-Shows in den USA – und ihre Wirkung
31.05.2026

Von Johnny Carson bis Jimmy Kimmel: Late-Night-Shows gehören fest zur US-Unterhaltungskultur. Heute kämpfen die Formate jedoch mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Psychische Belastung im Beruf: Wie Beschäftigte mentale Belastung besser bewältigen
31.05.2026

Pflegekräfte, Polizisten oder Rettungssanitäter erleben täglich belastende Situationen. Viele nehmen den emotionalen Druck mit nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Euro: Europas Banken bauen eigene Stablecoin-Alternative
31.05.2026

Europäische Banken wollen mit einem Euro-Stablecoin die digitale Zahlungsinfrastruktur verändern. Dahinter steht die Sorge, dass der...

DWN
Panorama
Panorama Kölner Dom: Eintrittsgeld geplant – verliert ein Wahrzeichen seinen Zauber?
31.05.2026

Der Kölner Dom zieht jedes Jahr Millionen Menschen an – Gläubige, Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ab Juli soll der Eintritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Diagnose in Minuten: Irisches Startup will ADHS schneller erkennen
31.05.2026

Ein irisches KI-Startup will ADHS und andere Erkrankungen mit Hirnscans deutlich schneller erkennen. Die Technologie könnte Diagnosen...

DWN
Panorama
Panorama Schlafprobleme im Alltag: Welche Maßnahmen wirklich zu besserem Schlaf führen
31.05.2026

Schlafmangel entwickelt sich für viele Menschen zu einem strukturellen Problem des modernen Alltags. Welche Faktoren spielen dabei eine...