Der Börsentag am Donnerstag brachte eine Abkühlung für die US-Aktienmärkte; die wichtigsten Indizes entfernten sich von ihren Rekordhochs und schlossen den Tag in den roten Zahlen.
Der S&P 500 fiel um 0,28 Prozent und schloss bei 6.861 Punkten, während der technologielastige Nasdaq Composite um 0,31 Prozent nachgab. Den härtesten Schlag musste der Dow Jones Industrial Average hinnehmen, der 0,54 Prozent seines Wertes bzw. fast 268 Punkte verlor und bei 49.395 Punkten schloss.
Die Märkte wurden sowohl durch Unstimmigkeiten innerhalb der Federal Reserve als auch durch eskalierende geopolitische Spannungen im Nahen Osten belastet, welche die Rohölpreise auf einen anhaltenden Aufwärtspfad getrieben haben.
Unsicherheit bei Technologiegiganten und künstlicher Intelligenz
Nvidia und Apple fielen am Donnerstag beide (um -0,04 Prozent bzw. -1,43 Prozent) und waren die treibenden Kräfte, die den S&P 500 nach unten zogen. Aktien aus dem KI-bezogenen Technologiesektor erlebten in den letzten Monaten eine hohe Volatilität, da die extrem hohen Börsenbewertungen der Unternehmen den Investoren Sorge bereiten. Der Markt sucht zunehmend nach Beweisen dafür, dass die massiven Investitionen in KI endlich auch reales Umsatz- und Gewinnwachstum generieren.
Neben den Giganten gerieten auch der breitere Software- und Logistiksektor unter Druck, da befürchtet wird, dass sich rasant entwickelnde KI-Tools bestehende Geschäftsmodelle überflüssig machen könnten.
Keith Buchanan, Senior Portfolio Manager bei Globalt Investments, bemerkte gegenüber Reuters zur Situation, dass der Markt derzeit zu verstehen versuche, welche Geschäftsbereiche durch KI substanziell gefährdet seien. Seiner Meinung nach sei es in der aktuellen Phase nur natürlich zu erkennen, dass sich nicht alle Erwartungen erfüllen und nicht alle Unternehmen als Gewinner aus dem technologischen Wettlauf hervorgehen werden.
Geopolitik und Druck durch den Ölpreis
Die Situation wird zusätzlich durch den rasanten Anstieg des Ölpreises verschärft, der auf die Angst vor einem möglichen militärischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran zurückzuführen ist. Brent-Rohöl-Futures stiegen am Donnerstag um 1,88 Prozent auf 71,5 Dollar pro Barrel, während der WTI-Rohölpreis auf 66,5 Dollar kletterte. Die Preise haben damit den höchsten Stand seit Anfang August 2025 erreicht, da die wachsenden Spannungen die Lieferungen aus dem Nahen Osten gefährden. Dabei ist der Markt nervös wegen einer bevorstehenden Entscheidung von Präsident Trump, die innerhalb der nächsten 10 Tage erwartet wird. Die Angst vor steigenden Treibstoffpreisen traf die Fluggesellschaften hart – Delta, United und American Airlines fielen alle um mehr als 5 Prozent.
Wirtschaftsdaten sorgten für zusätzliches Kopfzerbrechen, da aktuelle Anträge auf Arbeitslosenunterstützung auf einen sich stabilisierenden Arbeitsmarkt hindeuteten, was der Federal Reserve keinen Grund gibt, die Zinssätze rasch zu senken. Das Protokoll der letzten Zentralbanksitzung enthüllte tiefe Meinungsverschiedenheiten unter den Entscheidungsträgern über den weiteren Kurs, was die Märkte in einer Wartehaltung verharren lässt. Aktuelle Termingeschäfte zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni auf 50 Prozent gesunken ist; die Spannungen werden zudem durch den Freitag erhöht, an dem mit dem PCE-Bericht ein wichtiger Inflationsindikator veröffentlicht wird.
Gegensätzliche Bewegungen auf Einzelaktienebene
Trotz des allgemeinen Marktrückgangs bot der Börsentag auch außergewöhnliche Erfolge.
Zur größten Überraschung des Tages avancierte der Finanzdienstleister Remitly Global. Die Aktie des Unternehmens schoss um 25,94 Prozent nach oben, dank besser als erwartet ausgefallener Finanzergebnisse und eines Zuwachses an aktiven Kunden, was den Investoren die Fähigkeit des Unternehmens bestätigte, auch in einem unsicheren Umfeld Marktanteile zu gewinnen.
Ebenfalls starken Erfolg verzeichnete der Werberiese Omnicom, der den Tag mit einem Plus von 15,36 Prozent beendete, nachdem die Umsatzprognosen der Analysten übertroffen wurden.
Dem positiven Trend schloss sich der Landmaschinenhersteller Deere & Co an, dessen Aktie um 11,58 Prozent sprang, da das Unternehmen seine Jahresgewinnprognose anhob und stärker als erwartete Zahlen für das erste Quartal vorlegte.
Im Finanztechnologiesektor herrschten jedoch gegensätzliche Stimmungen, was durch den abrupten Absturz des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna um 26,91 Prozent verdeutlicht wurde. Dies geschah trotz der Tatsache, dass der Umsatz des Unternehmens im vierten Quartal erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar überschritt und sich die Zahl der Nutzer von Bankdienstleistungen auf fast 16 Millionen verdoppelte. Obwohl CEO Sebastian Siemiatkowski die Fähigkeit betonte, eine globale Bankbeziehung aufzubauen, reichten die Ergebnisse nicht aus, um die Investoren inmitten der breiteren Verkaufswelle im Technologiesektor zu beruhigen.
Tief ins Minus rutschte auch der Autovermietungsriese Avis Budget Group, dessen Wert um mehr als 20 Prozent schrumpfte. Die Finanzergebnisse des Unternehmens bereiteten den Investoren eine herbe Enttäuschung aufgrund eines höher als erwartet ausgefallenen Verlusts, der durch eine drastische Wertminderung der Elektrofahrzeugflotte verursacht wurde.
Ähnlich enttäuschend verlief es für den Softwaredienstleister EPAM Systems, dessen vorsichtiger Zukunftsausblick einen Rückgang um 17 Prozent zur Folge hatte.

