Finanzen

Russland und China gründen eigene Rating-Agentur

Lesezeit: 1 min
03.06.2014 13:04
Russland und China gründen eine gemeinsame Rating-Agentur, die in ihren Bewertungen unpolitisch vorgehen soll. Sie werfen der US-Regierung politische Einflussnahme auf die amerikanischen Rating-Agenturen vor. Zudem treiben beide Länder die Gründung einer eigenen Entwicklungsbank als Gegengewicht zum IWF voran.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Russland und China gründen ihre eigene Ratingagentur. In einem ersten Schritt werde die neue Institution gemeinsame Investitionsprojekte bewerten, kündigte der russische Finanzminister Anton Siluanow am Dienstag bei einem China-Besuch an.

„Unsere Vorstellung ist, dass die Ratings völlig unpolitisch sind“, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Russland und China haben die großen amerikanischen Agenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch für ihre Bonitätsbewertungen wiederholt kritisiert. Sie vermuten politische Einflussnahme. So stufte S&P Russland Ende April auf eine Note über Ramschniveau herab - einige Wochen zuvor hatte das Land die ukrainische Halbinsel Krim eingegliedert.

Im Zuge der Ukraine-Krise verstärkten Russland und China ihre Zusammenarbeit. Beide Länder wollen sich langfristig von der Dominanz des US-Dollars lösen. So verkündeten China und Russland den Abschluss eines milliardenschweren Gas-Liefervertrags, bei dem der US-Dollar in der Abwicklung außen vor bleibt (mehr hier). Darüber hinaus trennen sich beide Staaten seit Monaten verstärkt von US-Staatsanleihen (hier).

Die Gründung der eigenen Rating-Agentur kommt wenige Tage nachdem bekannt wurde, dass die Brics-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) auch die Gründung einer eigenen Entwicklungsbank vorantreiben. Die fünf Staaten einigten sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters darauf, sich zu jeweils gleichen Teilen an der Bank zu beteiligen. Damit könnte diese bereits 2016 an den Start gehen und ein Gegengewicht zum Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank bilden, die von den USA und Europa dominiert werden.

Die Entwicklungsbank soll mit einem Kapital von 50 Milliarden Dollar ausgestattet werden. Davon sollen zehn Milliarden Dollar von den fünf Ländern in bar eingezahlt werden. Die restlichen 40 Milliarden sollen Garantien sein, durch die sich das Institut Geld an den Finanzmärkten besorgen kann. In fünf Jahren soll das Kapital dann auf 100 Milliarden Dollar verdoppelt werden. Die Pläne müssen noch von den Parlamenten der fünf Staaten abgesegnet werden.

Die Brics-Bank soll vor allem Projekte finanzieren, für die die internationalen Finanzinstitute nicht genügend Geld bereitstellen oder dafür im Gegenzug politische Zugeständnisse verlangen. „Die Bank wird sich die Finanzen der Kreditnehmer ansehen, sich aber niemals in deren wirtschaftliche Angelegenheiten einmischen“, sagte der Regierungsmitarbeiter. „Die Idee dahinter ist, dass sie Kredite zu günstigeren Konditionen als am Markt erhalten können.“ Die Bank stehe überdies auch anderen Ländern offen, doch solle eine Mehrheit von mindestens 55 Prozent bei den Brics-Staaten verbleiben.


Mehr zum Thema:  

DWN
Technologie
Technologie EU-Untersuchung: Musks X droht hohe Geldstrafe
12.07.2024

Nach einer vorläufigen Einschätzung der EU-Kommission verstößt Elon Musk mit seiner Online-Plattform X gegen EU-Recht. Damit steht...

DWN
Technologie
Technologie Bahn bei Fußball-EM überfordert: Wissing fordert Verbesserungen
12.07.2024

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) kritisiert die Deutsche Bahn scharf für ihre Leistung während der Fußball-Europameisterschaft....

DWN
Finanzen
Finanzen Goldschock: Gefälschte Belege und Sammelverwahrung – Anlegern droht Totalverlust!
12.07.2024

Gefälschte Goldbestände: Wie Sie als Anleger jetzt handeln müssen! Erfahren Sie, warum die Swiss Gold Treuhand AG Anleger in den Ruin...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Firmeninsolvenzen in Deutschland: Anstieg verlangsamt sich
12.07.2024

Die Pleitewelle unter deutschen Firmen ist nicht vorüber, aber sie wächst nicht mehr so rasant: Nach zwölf Monaten mit zweistelligen...

DWN
Politik
Politik Putin oder Selenskyj? Biden-Patzer auf der internationalen Bühne
12.07.2024

Jede Aussage, jedes Wort, jede Bewegung, jede Zuckung des US-Präsidenten wird derzeit akribisch analysiert. Bei einer wichtigen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rheinmetall-Chef Papperger im Visier: Russische Mordpläne lösen Empörung aus
12.07.2024

Der CNN-Bericht über angebliche russische Mordpläne gegen Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat in Deutschland für große Empörung...

DWN
Politik
Politik Nato-Gipfel: Selenskyj sieht Ukraine auf Nato-Kurs – Kreml warnt
12.07.2024

Die Ukraine fühlt sich nach dem Nato-Gipfel in Washington gestärkt für ihren Kampf gegen den russischen Angriffskrieg. Bis das Land dem...

DWN
Finanzen
Finanzen Abfindung bei Kündigung: Arbeitgeber und Arbeitnehmer suchen einen umfassenden Ratgeber – hier ist er!
12.07.2024

Ex-Mitarbeiter von Elon Musk haben vor Gericht eine Abfindung in Höhe von 461 Millionen Dollar gefordert, sind jedoch gescheitert. Für...