Israel baut Magnet-Schwebebahn in Tel Aviv

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
17.11.2014 11:31
In Tel Aviv soll das erste magnetische Schienensystem Israels gebaut werden. Transportiert werden die Fahrgäste in eiförmigen Kapseln mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Via App können Fahrgäste die Bahn an jedem beliebigen Punkt anhalten um zuzusteigen.
Israel baut Magnet-Schwebebahn in Tel Aviv

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Es ist als Pilotprojekt gedacht. Auf dem Gelände von Israel Aerospace Industries (AIA) wird die erste Version der Magnetschwebeeier namens skyTran aufgestellt. Funktioniert dort die Bahn wie geplant, soll Tel Aviv Ende 2016 mit einem größeren Modell für den Personennahverkehr ausgestattet werden. Mit Tempo 70 könnten die Einwohner dann in die Arbeit gleiten. Der Fahrpreis steht übrigens auch schon fest: etwa 3,60 Euro pro Fahrt.

Das kalifornische Unternehmen skyTran hat aber in Tel Aviv den ersten Geldgeber für eine Umsetzung gefunden.

Der skyTran wird also gebaut, wenn auch erst einmal als kleine Version. Auf dem Werkgelände von AIA können die Ingenieure das System dann circa ein Jahr lang ausgiebig testen. Die erste Version wird deshalb ein etwa 500 Meter langer Ring auf dem AIA-Campus. Mitarbeiter sollen dann per Smartphone ein skyTran-Ei anfordern können, das sie an einem bestimmten Punkt auf dem Magnet-Ring abholt und zu einem neuen Ziel gleiten lässt.

Was die bisherigen Versuche immerhin schon ergeben haben, ist die Maximalgeschwindigkeit: Anstatt der 70 km/h für den geplanten Nahverkehr sind offenbar mit einem stärkeren System sogar 240 km/h möglich. Damit wird skyTran auch interessant für die internationalen Geldbeutel. So wundert es kaum, dass bereits Indien, USA und Europa schon Systeme planen – sollte das Probemodell wie gewünscht funktionieren.

Die genaue Beschleunigung der eiförmigen Transportwagen ist ebenfalls ungewohnt, nicht nur deren Optik. So wird ein Magnetschwebeei mit einem Ruck auf 15-30 km/h angeschoben. Erst mit der Zeit erhöht sich danach die Geschwindigkeit auf die vorerst maximalen 70 km/h. Dieses Tempo wird auf dem 500 Meter langen Ring des AIA Geländes wohl eher selten erreicht werden. Doch dies ist natürlich für den Einsatz in Großstädten wichtig. Deshalb hat skyTran laut CEO Jerry Saunders einen zusätzlich 19 km langen Kreis gebaut, auf dem höhere Geschwindigkeiten getestet werden können.

Ein großer Pluspunkt ist die App, mit der ein Nutzer seine skyTran-Kabine bestellen kann. Denn dafür ist ausschließlich ein Ort auf der Magnetschiene anzugeben. Es werden keine klassischen Haltestellen mehr benötigt. Der bestellte Magnet-Transport hält exakt dort, wo die Kunden ihn haben möchten. Damit hat das Modell einen haushohen Vorsprung gegenüber den gewohnten Haltestellen – von der Pünktlichkeit ganz zu schweigen.

Bei so vielen positiven Aspekten lohnt sich auch ein Blick auf das Negative. Zuerst geht es dabei wie so oft um die Kosten. Bisher verrät skyTran aber nur eine Zahl von $80 Millionen. So viel soll das erste öffentliche Projekt in Israel kosten. Die Strecke geht dann mitten durch Tel Aviv und hat eine Länge von knapp 10 km. Wenn die Städte sich dafür Tunnelbohrungen und dergleichen sparen können, ist das sogar relativ günstig. Alles verläuft bei skyTran überirdisch und gerade Tunnel und deren Instandhaltung verursachen beim klassischen Transport einen Großteil der Kosten.

Wird Ende 2016 also die 80 Millionen Dollar  teure Strecke in Tel Aviv gebaut, soll das Netz entsprechend schnell erweitert werden. Ziel ist laut skyTran rund 200 km Magnetschienen in und um Zentral Israel zu errichten. Eine bisher noch unbekannte Größe ist allerdings die Anzahl der Kapseln, die dann für den Transport zur Verfügung stehen sollen. Wenn pro Kabine nur zwei Personen befördert werden können, wird scheinbar der Stau von der Straße nur auf die Magnetschwebebahn umgelenkt.

Dennoch, dieses neuartige und gleichzeitig umweltfreundliche Projekt könnte sich schon bald weltweit über Fahrgäste freuen. In Kombination mit einer App für das Smartphone über die auch die Bezahlung abgewickelt wird, scheint skyTran genau Zahn der Zeit zu treffen. Darüber hinaus findet das Projekt ausschließlich überirdisch statt, so dass die Baumaßnahmen wenig Fläche benötigen. Der skyTran kann über Wohnhäuser, Flüsse und Straßen gebaut werden. Direkte und kurze Fahrtrouten sind demnach machbar.

Laut skyTran gibt es neben Tel Aviv schon drei konkrete Städte, die an einer Partnerschaft interessiert sind. Die Franzosen möchten in Toulouse eine derartige Magnetschwebebahn bauen. Auch Kalifornien plant derzeit ein mögliches Projekt in der San Francisco Bay Area. Zu guter Letzt möchte auch das Land etwas verbessern, dass beim Personenverkehr am meisten aufzuholen hat: Indien. Dort soll der skyTran zuerst im südwestlichen Bundesstaat Kerala eingesetzt werden.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Zentralbanken fürchten um ihre Macht: Gehört die Zukunft einer goldgedeckten Digitalwährung?

DWN-Kolumnist Ernst Wolff analysiert den Kampf um die Währung der Zukunft.

DWN
Politik
Politik 75 Jahre Vereinte Nationen: Kein Grund zum Feiern

Die UN verlieren zunehmend an Bedeutung - dafür ist nicht nur, aber vor allem, ihr Sicherheitsrat verantwortlich.

DWN
Politik
Politik Das große DWN-Interview mit dem echten Top Gun-Piloten

Im Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten schildert Dave Baranek seine Erfahrungen als Kampfpilot und Ausbilder bei der...

DWN
Politik
Politik Russland-Affäre: Untersuchung des US-Senats entlastet Trump - belastet jedoch Putin

Inwiefern hat Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Hilfe von Russland bekommen? Eine parteiübergreifende Untersuchung des...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Niedrige Lohnkosten, sichere Lieferketten: Wird Polen das neue China?

Die Pandemie hat gezeigt, dass China unberechenbar ist. Eine Analyse am Beispiel VW, warum Polen als Standort aufgewertet werden muss.

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz unterstützt Ärzte bei Krebs-Diagnose

Die Zahl der Krebsfälle steigt immer mehr. Eine neue Technologie soll Mediziner dabei unterstützen, die Krankheit zu diagnostizieren,

DWN
Finanzen
Finanzen Bäckereikette Kamps: Mehrwertsteuer-Senkung bekommt nur, wer bargeldlos zahlt

Die von der Bundesregierung zur Stimulierung der Wirtschaft eingeführte Mehrwertsteuersenkung wird von der Bäckereikette Kamps zum Kampf...

DWN
Deutschland
Deutschland Afrikanische Schweinepest in Deutschland - wie lange bleibt sie?

Dass die Afrikanische Schweinepest aus Osteuropa in Deutschland ausbrechen würde, haben Virologen, Tierärzte und Tierhalter erwartet. Wie...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Panikmache: Es gab keine Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen

In Garmisch-Partenkirchen gab es keine Corona-Superspreaderin, die nachts von Kneipe zu Kneipe gezogen ist, um die Menschen zu infizieren....

DWN
Politik
Politik Israel ernennt erstmals Moslem zum Elite-Kommandanten

In Israel wurde erstmals ein muslimischer Druse zum Kommandanten einer Spezialeinheit ernannt.

DWN
Deutschland
Deutschland Die dunkle Seite des Kurzarbeitergelds: Die Autobauer nutzen es, um die Produktion zu verschlanken - und Massen-Entlassungen vorzunehmen

Das Kurzarbeiter-Geld sollte Entlassungen verhindern - doch im Endeffekt hat es den gegenteiligen Effekt.

DWN
Finanzen
Finanzen Private-Equity-Firmen nutzen Schulden-Boom, um sich selbst hohe Dividenden zu zahlen

Private-Equity-Firmen gehören zu den Profiteuren der aktuell starken Nachfrage nach Unternehmensschulden. Sie decken ihre Unternehmen im...

DWN
Deutschland
Deutschland Datenschutz: Bundesregierung will Steuer-ID auch für Rentenübersicht nutzen

Einem Gesetzesentwurf zufolge soll ein Bürger, wenn er über das Internet seine Rentenansprüche abfragen will, seine...

DWN
Politik
Politik US-Geopolitiker Friedman: Eine russisch-deutsche Entente würde Europa dominieren

Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagt der umstrittene US-Geopolitiker George Friedman, dass eine deutsch-russische...

celtra_fin_Interscroller