Finanzen

Uran-ETF-Vergleich: Die besten ETF Fonds auf Atomkraft im Test – künstliche Intelligenz braucht Strom

Künstliche Intelligenz braucht Strom, sehr viel Strom. Dieser große Stromhunger von KI zwingt beispielsweise Google, eigene Kernkraftwerke zur Energieerzeugung zu bauen. Nicht nur aus diesem Grund investieren Börsenprofis in Uran-ETFs und erhoffen sich langfristig hohe als Renditechancen. Im folgenden Uran-ETF-Vergleich erfahren Sie, welche ETF Fonds auf Kernkraft die besten sind und welche Herausforderungen bei einem solchen ETF-Investment lauern.
30.09.2025 12:23
Lesezeit: 4 min

Anlageidee Uran-ETFs: Energiehunger der KI treibt Nachfrage nach Uran und Atomkraftwerken

Das Potenzial börsengehandelter Indexfonds (ETF) auf Uran und Kernenergie war eines der Anlagethemen, über das im Juli 2025 auf einem Investorenfestival nahe der estnischen Hauptstadt Tallinn diskutiert wurde. Darüber berichtete das Wirtschaftsportal Mano pinigai.

„Auch wenn die Erinnerungen an frühere Reaktorunfälle schwer verblassen, neigt die Welt insgesamt dazu, Kernenergie als ernsthafte Alternative zur Deckung stabiler und steuerbarer Energiebedarfe zu betrachten“, erklärte Sander Danilas, Stratege im Private Banking der SEB. Kernenergie und Uran seien erst vor Kurzem stärker in den Blick von Investoren geraten, betonte Meelis Maasikas, Senior-Spezialist für Finanzmärkte bei Swedbank. In den vergangenen sechs bis zwölf Monaten sei die Zahl der Käufe von Kernenergie-ETF gestiegen, und das Interesse an diesem Sektor habe eindeutig zugenommen, sagte Nelli Janson, Leiterin der LHV-Investorencommunity. Laut Danilas ist das Interesse an Uran-ETF bei SEB bislang jedoch noch eher gering.

Wachsende Nachfrage nach Atomenergie

Nach Einschätzung von Maasikas hat das schnelle Wachstum von Cloud-Servern und die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI), die enorme Mengen an Energie benötigt, zu einem weltweiten Energiedefizit geführt. Der tägliche Einsatz verschiedenster KI-Anwendungen erfordere den dauerhaften Betrieb von Millionen Servern „Kernenergie liefert damit genau das, was Datenzentren benötigen – stabile, CO2-neutrale Stromversorgung“, ergänzte Janson. Der rasante Ausbau von Datenzentren steigere ebenfalls die Nachfrage nach Kernenergie und mache sie attraktiver als je zuvor.

Die wachsende Nachfrage nach Reaktoren treibt den Bedarf an Uran. Die World Nuclear Association prognostiziert bis 2040 einen Anstieg des Uranbedarfs auf 130.000 Tonnen pro Jahr – ein Plus von 98 Prozent gegenüber heute. Bis 2050 dürfte der Anteil an Brennstoff aus dem Rückbau von Kernwaffen und anderen Sekundärquellen auf nur noch 4 bis 11 Prozent des Gesamtmarktes sinken. Schrumpfende Bestände erhöhen den Druck auf den Uranbergbau zusätzlich. Danilas sieht im steuerbaren Grundlastbetrieb einen entscheidenden Vorteil der Kernenergie gegenüber Solar- und Windkraft. Zudem werde Kernenergie in vielen Ländern als „grüne“ Energie eingestuft. Unterstützung erhalte der Sektor auch durch die Entwicklung kleinerer Reaktortechnologien. „Langfristig hat Kernenergie sicher mehr Potenzial als fossile Brennstoffe und mindestens so viel wie erneuerbare Energien“, so Danilas.

Uran-ETF-Vergleich: Auswahl an Börsenprodukten begrenzt

Für Investoren ohne spezielle Fachkenntnisse sei es schwierig, gezielt Unternehmen aus der Nukleartechnik auszuwählen – hier helfen thematische ETFs. Nach Angaben von Danilas gibt es für europäische Privatanleger nur wenige Uran-ETFs – an einer Hand abzuzählen. Die nach investiertem Kapital beliebtesten Uran-ETFs sind der VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF A (ISIN: IE000M7V94E1), der HANetf Sprott Uranium Miners ETF (ISIN: IE0005YK6564) und der Global X Uranium UCITS ETF USD Accumulating (ISIN: IE000NDWFGA5).

Der älteste Uran-ETF wurde im April 2022 aufgelegt. Alle fünf ETFs auf Atomenergie sind in Irland registriert, sie alle legen Erträge direkt wieder im Fonbdsvolumen an (thesaurierend) und bei allen lautet die Fondswährung US-Dollar. Der größte, NUKL, verwaltet 825 Mio. Euro und investiert in 25 Unternehmen. Die übrigen Fonds sind etwa halb so groß, enthalten aber mehr Titel. Geografisch liegt der Schwerpunkt auf Kanada, gefolgt von den USA und Australien. In Asien dominieren Japan, Südkorea und China (inklusive Hongkong). Sektorenseitig entfallen die größten Anteile auf Energieunternehmen, gefolgt von Industrie und Rohstoffen. Zu den bedeutendsten Beteiligungen zählen der kanadische Uranlieferant Cameco (CCJ), NexGen Energy (NXE), Denison Mines (DNN), das australische Bergbauunternehmen Paladin Energy (PALAF) sowie Uranium Energy (UEC) aus den USA.

Wesentliche Risiken

Danilas weist darauf hin, dass der Energiesektor stark reguliert und politisiert sei – Kernenergie in besonderem Maße. „Zentrale Risikofaktoren bleiben politische und regulatorische Veränderungen sowie Umweltaspekte“, betonte er. Die Entwicklung des Sektors hänge stark vom politischen Willen ab, der wiederum von der öffentlichen Wahrnehmung der Sicherheit und Umweltverträglichkeit beeinflusst werde. „Das Beispiel USA zeigt, wie ein Machtwechsel und veränderte politische Prioritäten dem Sektor völlig neuen Auftrieb geben können.“ Langfristig könne sich die Richtung mit einer neuen Regierung jedoch wieder ändern. Janson verwies auf den deutschen Atomausstieg als Beispiel dafür, wie nationale Entscheidungen ganze Sektoren beeinflussen können. „Das größte Problem sind die radioaktiven Abfälle, für die es nach wie vor keine gute Lösung gibt“, so Janson. Zudem sei der Bau neuer Kernkraftwerke ein sehr langwieriger Prozess, während Uranabbau und -anreicherung auf wenige Länder wie Kasachstan und Kanada konzentriert seien. Die Uranmärkte seien weniger liquide als Öl oder Gas, Preisschwankungen oft durch einzelne Großkäufe getrieben. Wie bei fossilen Energien gebe es erhebliche geopolitische Risiken.

Ratschläge für Anleger

Danilas beobachtet seit April einen deutlichen Kursanstieg bei Kernenergie-Aktien, nachdem vor allem die USA ihre Haltung zum Sektor spürbar geändert haben. „Kurzfristig könnte das spekulative Interesse nachlassen, aber für langfristige Investoren lohnt sich die Überlegung, diesen Bereich ins Portfolio aufzunehmen“, so Danilas. Janson betont, dass es sich um eine eher enge Nische handele. Im Vergleich zu anderen Energiesektoren sei die ETF-Auswahl deutlich kleiner und weniger liquide. Anleger sollten zudem verstehen, ob ein ETF auf Rohstoffe, Bergbauunternehmen oder Kraftwerksbetreiber ausgerichtet ist. „Da es derzeit keine gleichwertige Alternative gibt, schafft die Schnittmenge von Energie- und KI-Sektor gute Wachstumsperspektiven. Dennoch ist Kernenergie ein kleiner und volatiler Bereich, in dem sich Optimismus oft schon Jahre vor konkreten Ergebnissen in den Kursen widerspiegelt“, erklärte Janson. Maasikas warnt, dass die größten Positionen in diesen ETF oft Unternehmen sind, die noch keine Umsätze erwirtschaften. Diese befänden sich meist in der Konzeptphase, die ersten Produkte und Erträge seien frühestens in drei bis fünf Jahren zu erwarten. „Anleger kaufen heute Ideen – und das spiegelt sich auch im Risikoprofil wider“, so Maasikas. Positiv sei, dass viele dieser Unternehmen eine geringe Marktkapitalisierung aufweisen. Damit bestehe die Chance auf eine Vervielfachung der Bewertung, ohne unrealistisch hohe Niveaus zu erreichen. „Werden die Ideen umgesetzt und stoßen auf breitere Investorenbasis, gibt es ausreichend Raum für Wachstum“, erklärte Maasikas. Derzeit gebe es spekulatives Interesse, das Innovationen antreiben könne. „Sollten sich die Ideen bewahrheiten, könnte dieser Sektor zu einer neuen Quelle langfristigen Wachstums werden“, prognostizierte Maasikas.

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