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US-Forscher: Goldman Sachs hat uns um unser Lebenswerk gebracht

Zwei Forscher in Boston arbeiten zwanzig Jahre lang Tag und Nacht. Sie schaffen den Durchbruch und entwickeln einen Algorithmus, der die Spracherkennungs-Technologien revolutioniert. Dann machen sie einen verhängnisvollen Fehler: Sie holen sich Goldman Sachs ins Haus, um einen Partner für das Unternehmen zu finden - und verlieren Geld und Lebenswerk. Eine traurige Geschichte über die Naivität von Forschern und die professionelle Kaltschnäuzigkeit einer Investmentbank, die auch noch zehn Jahre nach der Tragödie sagt: „We did a great job!“

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James und Janet Baker: Die Wissenschaftler haben alles verloren, weil Goldman die beiden Forscher nicht vor einem Verkauf ihrer Firma an ein belgisches Betrüger-Duo warnte. Nun fordern die Forscher eine Milliarde Dollar Schadensersatz von Goldman. (Foto: NYT)

James und Janet Baker: Die Wissenschaftler haben alles verloren, weil Goldman die beiden Forscher nicht vor einem Verkauf ihrer Firma an ein belgisches Betrüger-Duo warnte. Nun fordern die Forscher eine Milliarde Dollar Schadensersatz von Goldman. (Foto: NYT)

James und Janet Baker haben sich nur einem Thema verschrieben. Es ist ihr Lebensthema: Wie kann man den Computer dazu bringen, dass er die menschliche Sprache versteht? Beide haben einen PhD von amerikanischen Elite-Universitäten, James von Princeton, Janet von Tufts. Es sind entbehrungsreiche Jahre, in denen das Ehepaar nichts anderes kennt als die besessene Suche nach dem richtigen Code. Sie gönnen sich nichts, leben bescheiden. Nur die Erziehung ihrer Kinder hat in ihrem Leben neben der Forschung Platz. Später werden sie sagen, Dragon sei ihr drittes Kind gewesen.

Dragon: Das ist das Meisterwerk der Bakers.  Nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit gelingt es den beiden nämlich, einen Algorithmus zu entwickeln, der heute als Meilenstein der Spracherkennung gilt. Sie gründen ein Software-Unternehmen, Dragon Systems. Sie versuchen, ihre Forschungsergebnisse in ein Business umzuwandeln. Es gelingt.

Im Juni 1997 bringen die Bakers mit Dragon Naturally Speaking das erste erschwingliche PC-Programm zur Spracherkennung auf den Markt, das normale die menschliche Sprache versteht. Das ist eine Weltsensation. Bis zum Durchbruch der Bakers war die Spracherkennung eher eine brotlose Kunst. Man musste beim Sprechen zwischen zwei Wörtern stets eine Pause machen, um vom Computer verstanden zu werden. Die Ergebnisse waren unbefriedigend. Spracherkennung ist eine komplexe Wissenschaft. Der Erfolg der Bakers hat in der Branche einen ähnlichen Stellenwert wie die Mondlandung in der bemannten Raumfahrt.

Lange weigern sich die Bakers,Venture Capital für ihr neues Unternehmen aufzunehmen. Sie wollen unabhängig bleiben, fürchten, dass die Geldgier von Investoren ihre Forschungsergebnisse zu schnell kommerzialisieren würde. Aber das Unternehmen wächst so schnell, dass die Bakers schließlich doch ein Partner-Unternehmen brauchen. Sie entschließen sich, Dragon zu verkaufen, um die Software im großen Stil weiterentwickeln zu können. Zur professionellen Unterstützung der Transaktion holen sie sich eine Firma als Berater, deren Namen damals das Nonplusultra des Investmentbankings war. Goldman Sachs. Im Jahr 2000 verkaufen sie ihr Unternehmen schließlich für 580 Millionen Dollar an das belgische Unternehmen Lernout & Hauspie (L&H). Goldman erhält ein Honorar von fünf Millionen Dollar.

Doch schon bald wird deutlich: Mit diesem Verkauf sind die Bakers in die größte Katastrophe ihres Lebens geschlittert. Die Firma, die Dragon gekauft hat, ist wirtschaftlich bereits am Ende. Die Gründer des belgischen Unternehmens, Jo Lernout und Pol Hauspie, haben nämlich die Bilanz ihres Unternehmens auf betrügerische Weise poliert. Wichtige Kunden aus Korea entpuppten sich als glatte Erfindungen, berichtet die New York Times. Die gesamte Verkaufsstatistik ist ein Lügengebilde, das Unternehmen besteht praktisch nur auf dem Papier.

Von all dem ahnen die Bakers nichts, als sie den Verkauf verhandeln. Denn sie verlassen sich auf Goldman Sachs: Das sind schließlich die Profis, die vom M&A-Geschäft etwas verstehen – denken die Bakers.

Die Bakers im Jahr 1990 bei der Präsentation eines ersten Prototypen für Dragon. (Foto: privat)

Die Bakers im Jahr 1990 bei der Präsentation eines ersten Prototypen für Dragon. (Foto: privat)

Am 27. März 2000 findet bei Dragon Systems die schicksalshafte Vorstandssitzung statt. Unter Leitung von Janet Baker wird entschieden, der Übernahme des Unternehmens durch L&H zuzustimmen. Es ist bei Übernahmen üblich, dass ein erheblicher Teil des Kaufpreises in Unternehmensanteilen des Käufers bezahlt wird (Share Deal). So soll unter anderem sichergestellt werden, dass die Eigentümer des eingekauften Unternehmens ein Eigeninteresse am Erfolg des aufkaufenden Unternehmens haben. An diesem besitzen sie ja jetzt Anteile, sodass dessen Gewinn auch ihr Gewinn ist. Bei Dragon Systems hatte man lange darüber diskutiert, ob man einen solchen reinen Share-Deal wirklich eingehen solle. Schließlich hatten die Forscher einen enormen und realen Unternehmenswert geschaffen. Aber die Bakers sind so überzeugt von ihrer Entwicklung, dass sie schließlich für einen reinen Share-Deal stimmen. Sie sind auch nicht geldgierig, wollen nicht, wie andere Gründer, schnelle Kasse machen. Sie stimmen dem Share-Deal zu, weil sie an die Überlegenheit von Dragon glauben. Goldman riet den Bakers nicht ausdrücklich von einem solchen Deal ab.

Doch damit hatten die Bakers ihr eigenes Todesurteil unterschrieben: Während Goldman die fünf Millionen Dollar Honorar natürlich in Cash erhielt, besaßen die Bakers auf einmal Anteile an einem Fake-Unternehmen, dass in Wahrheit nichts anderes war als eine betrügerisch aufgeblasenen Scheinfirma.

Nur wenige Monate nach der Übernahme von Dragon Systems meldet L&H Konkurs an. Das eben noch als Zukunftssicherung gedachte Unternehmen ist über Nacht nichts mehr wert. Die Bakers verlieren damit nicht nur den gesamten Unternehmenswert an Dragon: Das Unternehmen war zum Zeitpunkt der Transaktion mit 580 Millionen Dollar bewertet worden. Statt Cash zu nehmen, bekamen die Bakers Anteile an einem wertlosen Unternehmen. Die Forscher müssen tatenlos zusehen, wie ihre gesamte Forschungsarbeit mitsamt den Rechten an der Dragon-Technologie aus der Konkursmasse an andere Softwarefirmen verkauft wird. Die Bakers verlieren jede Zeile Code – sie verlieren alles, was sie in Jahrzehnten entwickelt hatten. Teile von Dragon findet man heute unter anderem bei der Spracherkennung, die Apple für seinen Personal Manager Siri verwendet. Die Bakers sehen von den gewaltigen Einnahmen der anderen Unternehmen nie auch nur einen Cent. Sie haben die Patentrechte verloren, wurden um ihr Lebenswerk gebracht.

Janet Baker gründete nach dem Dragon-Debakel das Saras-Institut und ist an verschiedenen US-Universitäten in der Forschung tätig, unter anderem auch in Grenzbreichen von Computertechnologie und Neurowissenschaften. (Foto: Saras Institut)

Janet Baker gründete nach dem Dragon-Debakel das Saras-Institut und ist an verschiedenen US-Universitäten in der Forschung tätig, unter anderem auch in Grenzbreichen von Computertechnologie und Neurowissenschaften. (Foto: Saras Institut)

Anfang November hat in Boston der Prozess Baker vs. Goldman Sachs begonnen (hier die Klage im Wortlaut, die bereit 2009 eingereicht wurde). Denn heute ist den Forschern klar, dass sie sich in Goldman geirrt haben. Bakers Anwalt Alan K. Cotler wirft der Investmentbank vor, „faul und unfähig“ gewesen zu sein. Die Forscher seien heute überzeugt: Die lasche und mangelhafte Arbeit der Investmentbank habe sie um ihr Lebenswerk gebracht. Der Anwalt erklärt den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, warum er es für begründet hält, Goldman den Vorwurf der Pflichtverletzung machen zu können: Der Betrug um L&H flog durch einen Artikel des Wall Street Journal vom 8. August 2000 auf (hier). Alan Cotler versteht heute noch nicht, warum Goldman nicht schon viel früher hätte draufkommen können, dass bei den Belgiern etwas faul ist. Die Journalisten des WSJ hatten ganz einfach nichts einige der angeblichen Kunden von L&H angerufen – und schon wussten sie, dass es sich um eine Luftnummer handeln musste. Das sei eigentlich das Mindeste, was eine Investment-Bank an Recherche für ein Honorar von fünf Millionen Dollar leisten müsse.

Die New York Times beschreibt, dass bei Goldman zwei junge und unerfahrene Investmentbanker mit der Transaktion betraut gewesen seien, die sich während der kritischen Verhandlungen mehrfach auf Urlaub befunden, an entscheidenden Telefonkonferenzen nicht teilgenommen und die Sache mit erheblicher Arroganz auf die leichte Schulter genommen hätten. Besonders bitter für die Bakers: Unabhängig von der Dragon-Transaktion hatte bei Goldman eine andere Abteilung schon früher in die Bücher der Belgier geschaut – mit dem Ergebnis, dass Goldman große Zweifel an der Seriosität des Geschäfts von L&H überkamen, und die Investmentbank von einem Einstieg Abstand nahm. Die Bakers haben während ihrer Verhandlungen niemals von dieser Beurteilung erfahren. Es ist gut möglich, dass auch die beiden Jungbanker, die den Deal für Baker verhandelt haben, davon gar nichts gewusst haben.

Goldmans Verteidigung bestreitet sämtliche Vorwürfe. Man sei vertraglich nicht verpflichtet gewesen, eine Prüfung der Bücher (Due Diligence) von L&H durchzuführen. Unterstützung erhält Goldman von William D. Cohan, Autor von „Money and Power: How Goldman Sachs Came to Rule the World.“ Cohan berichtet in einem Beitrag für Bloomberg, dass Goldman Dragon Systems „deutlich ermahnt“ habe, man solle einen internationalen Wirtschaftsprüfer für die Due Diligence engagieren. Doch Dragon Systems habe dies aus Zeit- und Kostengründen abgelehnt. Die Bakers bestreiten dies. Die Verantwortlichen bei Dragon Systems seien davon ausgegangen, dass Goldman L&H einer strengen Prüfung unterziehe – und zumindest über die wichtigsten Kennzahlen des Unternehmens auch eigene Recherchen anstelle. Goldman lehnte eine Stellungnahme für die Deutschen Wirtschafts Nachrichten ab.

Wie blanker Zynismus muss es für die Bakers allerdings klingen, wenn Goldman nicht nur jede Verantwortung für das Desaster ablehnt, sondern den Fall noch als eine besondere Erfolgsgeschichte verkauft. Man habe „großartige Arbeit“ geleistet, sagte einer der involvierten Banker der New York Times. Man habe Dragon Systems „hervorragend beraten“ und „zum Geschäftsabschluss geführt“, sagte ein Goldman-Banker unter Eid. Das und nur das sei der Auftrag gewesen – und den habe man erfüllt. Auch wenn die Bakers alles verloren hätten? Ja, denn der man sei beauftragt gewesen, einen Transaktion zustande zu bringen und diese sei zustande gekommen.

Für alle weiteren Probleme seien die Bakers selbst verantwortlich: Die fatale Entscheidung, eine Zahlung in 100 Prozent Aktien zu akzeptieren, habe allein Dragon Systems zu verantworten.

James Baker arbeitet heute für die Johns Hopkins Universität. (Foto: Johns Hopkins)

James Baker arbeitet heute für die Johns Hopkins Universität. (Foto: Johns Hopkins)

Doch damit nicht genug: Goldman hat sogar eine Gegenklage eingereicht, in der Janet Baker Vertragsbruch vorgeworfen wird. Denn im Vertrag sei nur Dragon Systems das Recht eingeräumt worden, die Bank zu verklagen. Und die Firma Dragon Systems existiert nicht mehr. Obwohl Janet Baker in einem von Goldmann verhandelten Geschäft alles verloren hat, solle sie jetzt die Gerichtskosten der Bank tragen.

In gewisser Weise ist dies die traurige Geschichte eines Mißverständnisses. Die Dragon-Software hat bewiesen: Es mag schwierig, aber nicht unlösbar sein, dass Computer die Sprache von Menschen verstehen. Dragon Systems als Unternehmen hat dagegen bewiesen: Es ist unwahrscheinlich, dass normale Menschen und Investmentbanker jemals so miteinander kommunizieren, dass sie einander verstehen.

Fünf Millionen Dollar sind nämlich für Wissenschaftler etwas anderes als für eine Investmentbank: Für Goldman sind das Peanuts. Dafür arbeitet man nicht hart, das ist eine Angelegenheit für Junior-Kräfte. Und die wissen: Wer in der Goldman-Hierarchie etwas werden will, muss Milliarden bewegen. Mit lumpigen Millionen-Aufträgen schlagen sich Anfänger und Aushilfskräfte herum.

Für Wissenschaftler oder Unternehmensgründer sind fünf Millionen dagegen eine unvorstellbar große Summe: Wer sich, wie die Bakers, während des Aufbaus der Unternehmens überlegen muss, ob er sich die Butter fürs Brot noch leisten kann, der erwartet, dass jemand für fünf Millionen Dollar rennt bis zum Umfallen. Dass diese Annahme im Hinblick auf erwartete Leistungen einer Investmentbank naiv sind, das wissen die Bakers erst jetzt – nachdem sie alles verloren haben.

Vor dem Bundesgericht in Boston fordern die Forscher nun ,„Gerechtigkeit“. Damit sie von Goldman auch verstanden werden, beträgt die Summe, auf die die Bakers klagen, eine Milliarde Dollar.

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Bau einer US-Pipeline: Griechenland muss im Euro bleiben
Bau einer US-Pipeline: Griechenland muss im Euro bleiben
Die Euro-Staaten werden Griechenland 10,3 Milliarden Euro überweisen, damit das Land seine Schulden bei der EZB bedienen kann. Die Einigung geschieht vor allem auf Druck der USA: In Griechenland hat der Bau einer neuen US-Pipeline begonnen. Washington will die Stabilität…
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Alexis Tsipras und der türkische Energieminister Berat Albayrak beim Spatenstich für die TAP-Pipeline. (Foto: dpa)

Alexis Tsipras und der türkische Energieminister Berat Albayrak beim Spatenstich für die TAP-Pipeline. (Foto: dpa)

Die Finanzminister der Eurozone haben am Dienstag bis in den späten Abend über weitere Finanzhilfen für das hoch verschuldete Griechenland verhandelt. Nach siebenstündigen Beratungen wurden die Verhandlungen unterbrochen, um Änderungen am Entwurf für die Schlusserklärung des Treffens vorzunehmen, wie Diplomaten sagten. Im Gespräch war dabei die Auszahlung von 10,3 Milliarden Euro in zwei Tranchen bis September.

Eine erste Tranche von 7,5 Milliarden Euro solle im Juni gezahlt werden, wie mehrere Diplomaten übereinstimmend sagten. Sie könne dazu dienen, im Juli fällige Rückzahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB) zu tätigen und auch Rückstände Athens gegenüber Gläubigern in Griechenland selbst zu begleichen.
Im September solle dann eine weitere Zahlung von 2,8 Milliarden Euro erfolgen.

Der Grund für die sich abzeichnende erneute Einigung liegt in der geopolitischen Bedeutung Griechenlands. Die USA bestehen auf einem Verbleib Griechenlands im Euro, um die Stabilität des Landes nicht zu gefährden. Die Regierung in Athen musste am Sonntag ein neues, hartes Austeritätsprogramm verabschieden.

Zugleich hat Griechenland mit dem Bau eines 550 Kilometer langen Abschnitts der Transadriatischen Pipeline (TAP) begonnen. Der erste Spatenstich wurde vergangene Woche vom griechischen Premierminister Alexis Tsipras gesetzt. Die Einweihungszeremonie fand in Thessaloniki statt. „TAP ist eines der größten ausländischen Direktinvestitionsprojekte, die in Griechenland durchgeführt wurden. Die griechische Wirtschaft braucht diese Arbeitsplätze wirklich dringend“, zitiert oilprice.org Tsipras. Griechenland erhofft sich von der TAP, das ein Projektvolumen von 1,5 Milliarden Euro hat, 8.000 neue Arbeitsplätze.

Die TAP soll im Jahr 2019 in Betrieb genommen werden. Die Pipeline wird Energieträger aus dem Gasfeld Schah Deniz 2 von Aserbaidschan über Georgien, die Türkei, Griechenland und Albanien bis nach Italien transportieren. Der Abschnitt von Aserbaidschan bis an die türkisch-griechische Grenze wird von der Transanatolischen Pipeline abgedeckt (TANAP). Die TAP hingegen verläuft konkret von der griechischen Stadt Komotini aus nach Pulien in Italien. Die TANAP hat eine Länge von 1.850 Kilometer und die TAP hat eine Länge von 870 Kilometer. Griechenland ist ein wichtiges Land der Nato-Südflanke. Deshalb will die Obama-Regierung auch ein Ausscheiden des Landes aus dem Euro mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung in Athen weiß, dass die Griechenland-Rettung vom Wohlwollen der Amerikaner abhängt, die beim IWF und in Brüssel einflussreich sind.

Die TAP und die TANAP sind aus US-amerikanischer Sicht zwei energiepolitisch wichtige Projekte, die zuvor in direkter Konkurrenz zur russischen Pipeline Turkish Stream standen. Seit dem Abbruch des Baus von Turkish Stream bleibt das US-Projekt als einzige Alternative für die Gasversorgung Europas entlang des südlichen Korridors übrig. Damit erhalten die USA die Möglichkeit, die faktische Monopolstellung Russlands bei der Gasversorgung Europas zu brechen.

Zudem wollen US-amerikanische Fracking-Produzenten in den EU-Markt eindringen und  ihre Stellung ausbauen, um Russland auch über diesen Schritt soweit wie möglich aus dem Markt zu verdrängen. Die USA haben im April erstmals Gas nach Europa geliefert. Ein US-Tanker in legte in Portugal an.

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Erdogan droht Merkel mit Aufkündigung des Flüchtlings-Deals
Erdogan droht Merkel mit Aufkündigung des Flüchtlings-Deals
Der Deal von Bundeskanzlerin Merkel mit der Türkei steht auf der Kippe. Der türkische Präsident Erdogan sagte, die Türkei werde keine Flüchtlinge zurücknehmen, wenn die Visafreiheit nicht kommt. Erdogan beklagte außerdem, dass er bis heute keine Geld von der EU…
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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. (Foto: dpa)

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat in der Flüchtlingskrise mit einem Bruch der Abmachungen mit der EU gedroht. Ohne Fortschritte im Streit um die EU-Visumfreiheit werde er das Abkommen mit der EU zur Rücknahme von Flüchtlingen ab 1. Juni nicht in Kraft treten lassen, sagte Erdogan zum Abschluss des UN-Nothilfegipfels am Dienstag in Istanbul. In diesem Fall werde das türkische Parlament den entsprechenden Beschluss nicht ratifizieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Montag nach einem Gespräch mit Erdogan in Istanbul deutlich gemacht, dass der angestrebte Termin für die Visumfreiheit zum 1. Juli nicht mehr haltbar ist. Hintergrund ist die Weigerung Erdogans, die Anti-Terror-Gesetze der Türkei zu reformieren. Das ist aber eine Voraussetzung der EU, um die Visumpflicht für Türken bei Reisen in den Schengen-Raum aufzuheben.

Erdogan bezieht sich auf ein Abkommen mit der EU zur Rücknahme von Flüchtlingen und zur Visaliberalisierung von Ende 2013. Darin war ursprünglich die Rücknahme von Flüchtlingen aus Drittstaaten erst ab Oktober 2017 vorgesehen. Bei Erdogans Drohung vom Dienstag dürfte es um eine Vereinbarung der EU und Ankaras gehen, die Rücknahme durch die Türkei auf den 1. Juni diesen Jahres vorzuziehen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wollte auf die Androhung des türkischen Staatspräsidenten Erdogan zunächst nicht reagieren. «Das möchte ich jetzt nicht kommentieren, zumal ich das jetzt auch nur aus der Presse gehört habe», sagte de Maizière am Dienstag am Rande der Klausur der Bundesregierung in Meseberg bei Berlin.

Die Rücknahme von illegalen Migranten durch die Türkei erfolgt derzeit nicht im Rahmen des Ende 2013 vereinbarten Abkommens. Sie ist im EU-Flüchtlingspakt im März als Sofortmaßnahme in der Krise verabredet worden. Diese Rücknahme läuft auf Grundlage eines Abkommens zwischen der Türkei und Griechenland und erstreckt sich nur auf die griechischen Ägäis-Inseln. Vom 1. Juni an sollten Flüchtlinge aus Drittstaaten auf Basis des breiter gefassten Rücknahmeabkommens zwischen der EU und der Türkei von Ende 2013 zurückgeschickt werden.

Merkel hatte am Montag weitere Gespräche mit der Türkei angekündigt. Erdogan sagte am Dienstag, unter anderem der türkische Außenminister werde die Visumverhandlungen mit der EU nun weiterführen. Sollten die Gespräche keine Resultate bringen, werde vom Parlament in Ankara «kein Beschluss und kein Gesetz bezüglich des Rücknahmeabkommens und des Implementierungsprozesses verabschiedet werden».

Erdogan warf der EU erneut vor, die Reform der Anti-Terror-Gesetze erst nachträglich gefordert zu haben. Exakt diese Forderung ist aber bereits Teil des Abkommens von Ende 2013 gewesen, das Erdogans Regierung mit der EU abgeschlossen hatte. Erdogan hatte das Abkommen – damals noch als Ministerpräsident – einen «Meilenstein» genannt.

Erdogan sagte am Dienstag mit Blick auf die EU: «Sie sollen uns nicht ständig Kriterien aufzwingen. Das hier ist die Türkei.» Der Präsident warnte: «Das kann man bis zu einem gewissen Punkt tolerieren und bis zu einem gewissen Punkt aushalten. Aber nachdem sie es bis zu einem gewissen Punkt ausgehalten hat, fasst die Türkei einen endgültigen Entschluss. Und nachdem sie den Entschluss gefasst hat, dann, nichts für ungut, sagen wir: Denkt doch Ihr jetzt nach.»

Merkel hatte am Montag gesagt, sie habe Erdogan deutlich gemacht, dass der Weg zur Visumfreiheit auf den 72 Bedingungen beruhe, die bereits Ende 2013 verabredet gewesen seien. Ankara müsse alle Punkte erfüllen. Im Zuge der Verhandlungen über ihren Flüchtlingspakt hatten die EU und die Türkei verabredet, die für Oktober geplante Visafreiheit auf den 1. Juli vorzuziehen. Die 72 Bedingungen würden allerdings auch für den späteren Oktober-Termin gelten.

Trotz Sanktionen: Russland beschafft sich Geld am Kapitalmarkt
Trotz Sanktionen: Russland beschafft sich Geld am Kapitalmarkt
Der internationale Kapitalmarkt zeigt sich von den Sanktionen gegen Russland unbeeindruckt: Russland hat am Dienstag erfolgreich eine Anleihe begeben. Dies bedeutet, dass die Investoren die Risiken in Russland für überschaubar halten.
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Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: dpa)

Russland hat Finanzkreisen zufolge erstmals seit Beginn der Sanktionen im Ukraine-Konflikt mit einem Eurobond den internationalen Kapitalmarkt angezapft. Der Staat habe mit der Emission der Fremdwährungsanleihe 1,75 Milliarden Dollar erlöst, sagten Insider am Dienstag laut Reuters. Drei Viertel der Summe sei von ausländischen Investoren aus Europa, den USA und Asien gekommen. Die Rendite habe mit 4,75 Prozent in der Mitte der angepeilten Preisspane gelegen. Mit dem Geld kann die Regierung Löcher im Haushalt stopfen, die von den Sanktionen und der Wirtschaftskrise im Land gerissen wurden.

Zugleich war dies für Russland ein wichtiger Test, ob der Staat trotz der Sanktionen an westliches Investorengeld kommen kann. Die Strafmaßnahmen wurden nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim 2014 verhängt. Sie verbieten zwar nicht den Handel mit russischen Staatsanleihen, sie sorgen aber für ein erhöhtes Risiko und für Unsicherheit unter den Investoren.

Volkswagen auf dem Weg zu einer Einigung mit US-Justiz
Volkswagen auf dem Weg zu einer Einigung mit US-Justiz
Volkswagen und die US-Justiz haben offenbar entscheidende Fortschritte auf dem Weg zu einem Vergleich in der Abgas-Affäre gemacht. Damit könnte sich der Konzern erheblicher finanzieller Risiken entledigen.
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Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Matthias Müller. (Foto: dpa)

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Matthias Müller. (Foto: dpa)

Volkswagen kommt bei der Aufarbeitung der Abgasaffäre seinem Ziel einer Einigung mit den US-Behörden näher. In den Verhandlungen mit dem US-Justizministerium, der Umweltbehörde EPA, der Verbraucherschutzbehörde und den Anwälten der klagenden Autobesitzer seien erhebliche Fortschritte gemacht worden, sagte Bezirksrichter Charles Breyer am Dienstag in San Francisco. Man sei auf Kurs, um dem Gericht wie geplant bis zum 21. Juni ein endgültiges Abkommen zu präsentieren.

Europas größter Autokonzern hatte sich im April nach monatelangen Verhandlungen mit den US-Behörden auf Grundzüge eines Entschädigungsplans geeinigt. Er sieht den Rückkauf von fast einer halben Million manipulierter Dieselautos mit 2,0-Liter-Motoren und eine substanzielle Entschädigung der Autobesitzer vor. Alternativ soll den Kunden eine Reparatur angeboten werden. Über die technischen Details wird verhandelt. Richter Breyer hat der US-Regierung und Volkswagen eine Frist bis zum 21. Juni gesetzt, um einen Kompromiss auszuarbeiten.

Noch keine Lösung gibt es für die rund 85.000 Fahrzeuge mit drei Litern Hubraum. Breyer sagte, die Tests würden fortgesetzt. Einen Zeitplan nannte er nicht. Bei Fahrzeugen mit diesen Motoren war eine in den USA beanstandete Software-Funktion nicht ausreichend bei den Behörden angemeldet worden. Der von dem Ingolstädter Oberklassehersteller Audi entwickelte Dieselmotor ist in mehreren Fahrzeugmodellen der Marke Audi sowie beim VW Touareg und dem Porsche Cayenne eingebaut.

Volkswagen hatte im September auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Diesel-Abgaswerte bei Zweiliter-Dieselmotoren mit einer speziellen Software manipuliert zu haben. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge davon betroffen.

Durch die Annäherung mit den US-Behörden ist für VW inzwischen ein großer Unsicherheitsfaktor aus dem Weg geräumt. Der Konzern rechnet einem Insider zufolge deshalb vorerst nicht mit weiteren Rückstellungen. Inzwischen sei klar, welche Strafe das US-Justizministerium wegen Verstößen gegen Umweltrecht fordere, sagte eine Person mit Kenntnis der Gespräche zu Reuters. „Uns ist bekannt, welche Summe aus heutiger Sicht auf uns zukommt.“ Die Höhe nannte die Person mit Kenntnis der Gespräche nicht. Der Insider machte jedoch klar, dass dafür keine weitere Vorsorge nötig sei. Volkswagen äußerte sich nicht. Der Konzern hatte in der Bilanz für das abgelaufene Jahr 16,2 Milliarden Euro zur Seite gelegt, um die Lasten der Dieselmanipulationen zu schultern. Dies hatte VW den höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte eingebrockt.

Die juristische Aufarbeitung des Skandals ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Die Niedersachsen sind wegen der Manipulationen mit zahlreichen Schadensersatzklagen von Dieselbesitzern, Autohändlern und Investoren konfrontiert. Dieser Streit dürfte VW noch mehrere Jahre beschäftigen, bevor die Kosten auch hier absehbar sind. Auch laufen noch strafrechtliche Ermittlungen wegen der Abgasmanipulation.

USA: Sanders wirft Clinton Manipulation bei Vorwahl vor
USA: Sanders wirft Clinton Manipulation bei Vorwahl vor
Der Demokrat Bernie Sanders hat eine Neuauszählung der Stimmen in Kentucky durchgesetzt. Er bezichtigt Hillary Clinton der Manipulation: Eine enge Freundin von Clinton ist Wahlleiterin in Kentucky, Clinton siegte nur ganz knapp.
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Hillary Clinton im Wahlkampf. (Foto: dpa)

Hillary Clinton im Wahlkampf. (Foto: dpa)

Nach dem hauchdünnen Sieg Hillary Clintons bei der Vorwahl der US-Demokraten im Bundesstaat Kentucky wird das Wahlergebnis überprüft. Clintons knapp unterlegener Gegenkandidat Bernie Sanders beantragte eine Prüfung der Briefwahlunterlagen sowie der Wahlautomaten. Wie Wahlleiterin Alison Grimes am Dienstag erklärte, soll das am Donnerstagmorgen (Ortszeit) geschehen.

Sanders hatte bei der Abstimmung am 17. Mai nur mit weniger als einem halben Prozentpunkt und weniger als 2000 Stimmen Rückstand auf Clinton verloren. Jüngste Äußerungen ließen seinen Ärger über Grimes erkennen, die vor laufenden Fernsehkameras Clinton zur Siegerin erklärt hatte. Die Politikerin aus Kentucky zählt seit langem zu den Unterstützerinnen der ehemaligen Außenministerin.

Sanders liegt im Clinch mit großen Teilen der Parteiführung. Die Überprüfung der Stimmen in Kentucky bringt ihm im besten Falle einen weiteren Delegierten – sein Rückstand auf Clinton beträgt aber mehrere Hundert. Ungeachtet einiger Zugeständnisse seitens der Partei hatte Sanders kürzlich angekündigt, der Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia könnte «chaotisch» werden.

Investoren glauben nicht an einen Deal zwischen Bayer und Monsanto
Investoren glauben nicht an einen Deal zwischen Bayer und Monsanto
An den internationalen Aktienmärkten wachsen die Zweifel am Gelingen der Monsanto-Übernahme durch Bayer. Monsanto-Aktien notieren deutlich unter dem Bayer-Vorschlag. Und selbst der wurde von Monsanto als zu niedrig zurückgewiesen.
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Monsanto-Chef Hugh Grant. (Foto: dpa)

Monsanto-Chef Hugh Grant. (Foto: dpa)

Der US-Saatgutriese Monsanto hat die 62 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte von Bayer als zu niedrig zurückgewiesen. Zugleich erklärte sich der Weltmarktführer am Dienstag aber offen für Verhandlungen. Das Angebot sei finanziell unangemessen und bewerte Monsanto deutlich zu niedrig, teilte Konzern-Chef Hugh Grant mit. Zudem berücksichtige es nicht ausreichend die finanziellen und regulatorischen Risiken. Monsanto sei aber bereit für Gespräche über Möglichkeiten, einen angemessen Wert für die Aktionäre zu schaffen. Einen Zeitplan dazu habe das Unternehmen allerdings noch nicht festgelegt. Bayer äußerte sich zunächst nicht dazu.

Reuters hatte zuvor bereits von mit der Sache vertrauten Personen erfahren, dass Monsanto die Offerte zurückweisen wird und mehr Geld will. Nach Monsanto-Einschätzung besteht den Insidern zufolge zwar eine industrielle Logik in einem Zusammenschluss mit dem Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern und der Deal würde auch kartellrechtliche Hürden nehmen. Die Anteilseigner verdienten aber mehr als die 122 Dollar je Aktie, die Bayer biete. Bayer-Aktien hatten darauf ihre Gewinne eingegrenzt und gingen mit einem Plus von gut drei Prozent auf 87,15 Euro aus dem Handel. Monsanto-Aktien legten nach der offiziellen Ablehnung knapp drei Prozent zu auf 108,9 Dollar, notierten aber deutlich unter der Bayer-Offerte. Dies deutete Experten zufolge auf eine Skepsis am Markt, dass es zu einem Deal kommen wird.

Sollte sich die Skepsis der Anleger durchsetzen, hätten die Märkte der Politik die Arbeit abgenommen. Die Grünen hatten am Dienstag ein Verbot des Zusammenschlusses gefordert.

Bayer hatte am Montag die Details seines Übernahmeangebots vorgelegt. Der Vorstand befinde sich mit Monsanto in konstruktiven Gesprächen und erwarte eine positive Antwort, hieß es. „Wir sind vollkommen überzeugt von unserer Offerte“, hatte Bayer-Chef Werner Baumann betont. Ob der Konzern auch eine feindliche Übernahme erwägen würde, hatte Baumann offengelassen.

Investoren kritisierten den hohen Preis. Analysten hatten bereits erwartet, dass Monsanto die Offerte zunächst zurückweisen und mehr fordern wird. Sie hatten die Übernahmepläne aber als strategisch sinnvoll bezeichnet. Gemeinsam würden Bayer und Monsanto einen weltweit führenden Anbieter für Saatgut und Pflanzenschutzmittel schaffen. Sollte der Deal erfolgreich sein, wäre es die größte Übernahme in der deutschen Wirtschaftsgeschichte vor dem Kauf des US-Autobauers Chrysler durch Daimler Benz 1998 für 40,46 Milliarden Dollar. Für Bayer wäre es zudem die größte Akquisition in der Firmengeschichte seit dem Kauf des Pharmakonzerns Schering vor zehn Jahren für 17 Milliarden Euro.

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