Raffelhüschen: Inflation wird Kaufkraft der Rentner zerstören

Das Bundeskabinett hat den Rentenbericht verabschiedet, der leichte Rentensteigerungen für die kommenden Jahre ankündigt. Doch allein die Inflation mache die neuen Erhöhungen schon zunichte, sagt der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen.

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Am Mittwoch verabschiedete das Bundeskabinett den neuen Rentenbericht, demzufolge die Bezüge bis zum Jahr 2026 um rund 36 Prozent ansteigen. Dies entspricht einer jährlichen Steigerung um 2,2 Prozent. Dass Reuters dies als „eine deutliche Erhöhung der Altersgelder“ bezeichnet, ist „absoluter Unfug“, sagte Rentenexperte Bernd Raffelhüschen den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die angekündigten Erhöhungen seien mitnichten „deutlich“. Sie halten noch nicht einmal mit der Inflation Schritt. Daher werde es zu realen Kaufkraftverlusten für Rentner kommen.

In den kommenden vier Jahren werden die Bezüge im Osten Deutschlands um 11 Prozent, im Westen hingegen nur um 8,3 Prozent steigen. Die genaue Höhe der Rentenanpassung wird jedoch erst im Frühjahr endgültig festgelegt, wenn die Zahlen zur Entwicklung der Bruttolöhne vorliegen. In diesem Jahr wurden die Renten um 2,3 Prozent im Osten und um 2,2 Prozent im Westen erhöht. Im letzten Jahr lag die Durchschnittsrente bei 977 Euro.

Rentenexperte Raffelhüschen zufolge bringen die in Aussicht gestellten Rentenerhöhungen gar nicht (Screenshot: 29.11.2012).

Rentenexperte Raffelhüschen zufolge bringen die in Aussicht gestellten Rentenerhöhungen gar nicht (Screenshot: 29.11.2012).

Bei der derzeitigen, positiven Darstellung der angekündigten Rentenerhöhungen sei „die Vernunft gänzlich abhandengekommen“, kritisiert Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg. Zu sehr konzentriere man sich auf das Renteneintrittsalter. Von viel größerer Bedeutung sei der Nachhaltigkeitsfaktor, der 2004 in die Rentenanpassungsformel integriert wurde. Er trägt der Tatsache Rechnung, dass es künftig mehr Rentner auf weniger Verdiener geben wird. Die Renten könnten also nicht in gleichem Maße erhöht werden wie die Bruttolöhne. Es sei denn, ein sehr großer Teil des Bruttolohns wird zur Rentenfinanzierung herangezogen, dies würden die Arbeitnehmer allerdings nicht akzeptieren. Der Nachhaltigkeitsfaktor macht somit „die Alten arm“, so Raffelhüschen.

Einen Untergang des Euro erwartet Bernd Raffelhüschen nicht. Entsprechende Äußerungen hält er für „Humbug“. Doch wenn es zum Euro-Crash käme, dann würden kapitalgedeckte Rentenversicherungen wertlos. Das hat die deutsche Geschichte im letzten Jahrhundert zweimal gezeigt. Die über Umlagen finanzierte Rente hingegen würde neu geregelt und somit weiter fließen. In Zukunft werde die Rente nur eine „Basisversorgung“ sein, mahnt Raffelhüschen.

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