Online-Shopping: Der gläserne Konsument ist längst Realität

Facebook, Twittern oder Google: Wer im Internet seine Interessen preisgibt, macht seine Neigungen bewusst transparent für Firmen, die ihr Produkte anschließend maßgeschneidert anbieten können. Die Datensammler sind dem Kunden immer einen Schritt voraus. Und sie sind kaum zu stoppen.

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Alle großen Firmen sammeln die Daten ihrer Kunden. Bei Rabattkarten, Online-Registrationen und Kontaktformularen sind die Angaben der Emailadresse und des Namen immer Pflicht und können durch zusätzliche Informationen zu der Person ergänzt werden. Diese Informationen müssen mit der tatsächlichen Identität des Konsumenten nicht übereinstimmen, trotzdem verschafft es einem Unternehmen immense Vorteile bei der Verkaufsstrategie, wenn bereits Informationen verfügbar sind.

Prozentzahlen der größten Internetseiten, die den Code von Google, Facebook und Twitter integriert haben (Grafik: WSJ)

Prozentzahlen der größten Internetseiten, die den Code von Google, Facebook und Twitter integriert haben (Grafik: WSJ)

Eine Studie des Wall Street Journal, die die 1.000 größten Internetseiten untersucht, fand heraus, dass 75 Prozent dieser Seiten bereits entweder den Code von Facebook in Form des Like-Buttons oder den Tweet-Button der Kurznachrichten-Plattform Twitter integriert haben. Auch wenn Kunden auf diesen Seiten nach Angeboten shoppen und die Buttons niemals anklicken, besteht die Möglichkeit, das Suchverhalten der Nutzer mit ihren Profilen bei Facebook oder Twitter abzugleichen und für Marketing-Strategien zu nutzen. Daten werden zwar nur in verschlüsselter Form zwischen Internetseiten ausgetauscht, aber maßgeschneiderte Werbeinformationen sind auf diese Weise möglich.

Dabei ist die Identität des Kunden gar nicht mal das Wichtigste. Die meisten Online-Shopper sind bereits so sehr sensibilisiert, dass heikle Daten im Internet nicht angegeben werden. Nur noch 12 Prozent tun das freiwillig und uneingeschränkt. Dennoch kann durch einen Abgleich die Verknüpfung zu Profilen aus sozialen Netzwerken rasant hergestellt werden. Und dort haben die meisten Nutzer noch immer ihre tatsächlichen Daten angegeben: Name, Emailadresse, Geburtsdatum und Interessen in Form von Like-Angaben. Wer nicht möchte, dass diese Daten für Shopping-Seiten sichtbar oder erkennbar sind, sollte sie auf den sozialen Netzwerken entsprechend anonymisieren.

Weitere Recherchen des WSJ belegen, dass bei Internetseiten, die einen Login erfordern, in mindestens 25 Prozent der Fälle die Informationen wie Name, Emailadresse und andere Daten an Dritte weitergegeben werden. Dieser Umstand wird durch die Registration der Nutzer und durch Akzeptieren der Geschäftsbedingungen ermöglicht. Eine große Dating-Seite übergab Angaben über die sexuelle Neigung eines ihrer Nutzer und in einem Einzelfall sogar die Angaben über den Konsum von Drogen.

Lobenswert: Das WSJ prangert auch das eigene Unternehmen an, welches ebenfalls bereits mehrfach Daten weitergegeben hat – versehentlich, wie die Verlagsleitung beteuerte. Bei Medien, die sich gerne als Datenschützer profilieren, ist die Weitergabe von persönlichen Daten keine Seltenheit. So hat in Deutschland der Verlag Gruner+Jahr die Abonnentenkartei der verblichenen FTD an das Handelsblatt verkauft – ohne die Kunden um ihre Zustimmung zu fragen. Mehr zu diesem von den deutschen Zeitungen unkritisch begleiteten Vorgang beim Blogger Thomas Knüwer (hier).

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