Google bläst zum Angriff auf die Automobil-Industrie

Google treibt die Entwicklung seiner Selbstfahr-Autos voran. Der Technologiekonzern wirbt den großen Autohersteller dazu die talentiertesten Ingenieure und Wissenschaftler ab. Das stört die Automobilkonzerne: Sie beklagen die Innovation mit Retro-Argument, dass doch gerade das Fahren der größte Spaß am Auto sei.

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Der Technologie-Konzern Google sieht die Zukunft des Automobils in autonomen Fahrzeugen, die von Computern gesteuert werden und ohne menschliches Eingreifen navigieren können. Dies würde die Zahl der Verkehrstoten pro Jahr drastisch reduzieren und Ressourcen einsparen, so die Argumentation des Unternehmens. Mit seinem Streben nach autonomen Fahrzeugen geht Google verstärkt auf Konfrontationskurs mit der Automobil-Industrie. Diese teilt zwar die Googles Vision nach mehr Sicherheit und weniger Staus im Straßenverkehr, will aber auf den menschlichen Fahrer nicht verzichten.

Im Mai 2014 präsentierte der Konzern erstmals einen funktionierenden Prototypen eines fahrerlosen Autos. Der eiförmige Zweisitzer ist mit einem Sensorsystem auf dem Dach ausgerüstet, wodurch das Fahrzeug über Licht- und Abstandsmessungen alle Objekte in der Umgebung in Echtzeit erfassen kann. Der Bordcomputer verarbeitet die Daten und kann zudem auf einen riesigen Bestand an Straßenkarten zugreifen, um das Fahrzeug zu selbstständig manövrieren.

Google verkündete bei der Präsentation des Prototypen, dass man plane, 100 der autonomen Fahrzeuge auf den Straßen Kaliforniens zu testen. In drei US-Bundesstaaten verfügt Google bereits über Straßenzulassungen für seine selbstfahrenden Autos. Die bisherigen Testfahrzeuge verfügten jedoch über Lenkrad, Gaspedal und Bremse, während die Google-Ingenieure bei den im Mai präsentierten Prototypen komplett darauf verzichteten. Doch das Unternehmen muss wohl auf Druck des Gesetzgebers einlenken. Die Verkehrsrichtlinien in Kalifornien verlangen von jedem zugelassenen Fahrzeug ein Lenkrad, ein Gaspedal und eine Bremse.

„Wenn man die Größe von Google hat, verändern viele Dinge, die man tut, die bestehende Umgebung. Wir haben jetzt ein Rennen darum, wer die Software und die Betriebssysteme baut, auf denen fahrerlose Autos laufen.“, zitiert Bloomberg den Analysten Frank Gillett.

Die globalen Automobilkonzerne betrachten Googles Ambitionen mit Argwohn. Der Technologie-Riese nutzt seine immense Finanzkraft, um talentierte Ingenieure bei Toyota, General Motors und BMW abzuwerben. Darüber hinaus rekrutiert Google zahllose Wissenschaftler aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Robotik.

„Es gibt dort offensichtlich viel Spannung“, sagte Richard Wallace, Leiter des Center for Automotive Research. Er sieht die Marktreife autonomer Fahrzeuge jedoch noch in weiter Ferne und denkt, dass Google durch seine jüngsten technologischen Darbietungen viele Erwartungen weckt, die „wahrscheinlich in dieser Form unrealistsisch sind“.

Hinter den Kulissen der großen Autokonzerne ist aufgrund der neuen Konkurrenz aus dem Silicon Valley Unruhe ausgebrochen. Die Hersteller haben lange gebraucht, um zu erkennen, dass die Ambitionen des Technologie-Konzerns mehr als nur wilde Fantasien sind. Sie reagieren nun mit höheren Forschungsetats, besonders in den Bereichen künstliche Intelligenz und Robotik.

„Niemand hat ein Monopol auf diese Technologie. Die großen internationalen Autobauer sind tief und stark im Markt verwurzelt und sie machen keinen Spaß“, sagte William Whittaker, Chef des Field Robotics Center in Pittsburgh. Google hat sich jedoch durch Firmen-Zukäufe bereits einen Vorsprung vor den Auto-Konzernen gesichert.

„Sie haben die Autohersteller damit so beschämt, dass sie mehr Geld darin investieren. Die Forschungsbudgets aller großen Auto-Konzerne sind stark gestiegen seit das angefangen hat. Sie werden buchstäblich von Google gezwungen, mehr zu investieren, um zu zeigen, dass sie nicht zu weit zurückfallen“, sagte Egil Juliussen, Forschungsleiter für fortgeschrittene Antriebssysteme bei IHS Automotive.

Google lässt sich jedoch nicht in die Karten schauen. Das Unternehmen achtet sehr genau darauf, dass alle Pläne zur Vermarktung der autonomen Fahrzeuge unter Verschluss bleiben. Noch ist völlig unklar, ob Google die Autos selbst produzieren will oder mit einem Automobilhersteller zusammenarbeiten wird. Letzteres gilt als wahrscheinlicher, da Google auf die langjährige Erfahrung und die bestehende Infrastruktur der Branche zurückgreifen kann. Zuletzt war der Elektroauto-Hersteller Tesla im Gespräch für eine Kooperation.

„Die Auto-Industrie ist ein Geschäft mit niedrigen Margen. Die besten Unternehmen erhalten zehn Prozent Profitmarge. Warum würden sie in das Geschäft einsteigen wollen, selbst wenn die Umsätze enorm hoch sind?“, so Juliussen weiter.

Im Gegensatz zu Google setzen die meisten großen Autobauer weiterhin auf menschliche Fahrer. Auf dem Intelligent Transport Systems World Congress in Detroit präsentierten sie ihre neuesten technologischen Erweiterungen. General Motors stellte beispielsweise das System „Super Cruise“ vor, dass ab 2017 seriemäßig in allen Cadillacs vorhanden sein soll. Es erlaubt dem Fahrer bei langen Strecken auf der Autobahn, die Hände vom Lenkrad zu nehmen und dem Bordcomputer die Steuerung zu überlassen. Der Fahrer nimmt dann nur noch mit Gas und Bremse Einfluss auf die Geschwindigkeit des Autos.

Daimler stellte kürzlich den ersten selbstfahrenden 40-Tonnen-Lkw vor, der eine ähnliche Technologie einsetzt. Der Fahrer kann die Hände auf der Autobahn über lange Strecken vom Steuer nehmen und sich beispielsweise auf die Routenplanung konzentrieren. Abstandsregeltempomaten, automatische Bremsassistenten, Stabilitätsregelungs- und Spurhalteassistenten sorgen dann für eine sichere und effiziente Fahrt (hier). Auch Toyota und Honda stellten ähnliche Systeme vor, welche die Kontrolle über das Fahrzeug zwischen Mensch und Maschine verteilen.

„Autofahren macht in erster Linie Spaß. Anstatt so zu tun, als ob der Fahrer bei der Fahrt einfach ein Nickerchen machen kann, sollten wir den Fahrern klar machen, dass Arbeitsteilung involviert sein wird – die Kontrolle also hin- und herwechselt – und das Übermut vermieden werden sollte“, sagte Ken Koibuchi, Leiter der Abteilung für intelligente Fahrzeuge beim japanischen Autohersteller Toyota.

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