Wegen Negativ-Zinsen: Schweizer Pensions-Kassen flüchten ins Bargeld

Die schweizerischen Pensionskassen wollen sich wegen der Negativ-Zinsen ihre Renten-Gelder von den Banken bar auszahlen zu lassen. Die Lagerung in Tresoren ist für die Pensionskassen billiger. Auch in Deutschland dürfte es bald Negativzinsen für größere Vermögen geben, die auch die Pensionskassen betreffen werden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die schweizerischen Pensionskassen prüfen aufgrund der Negativ-Zinsen, Bargeld in Tresoren zu lagern. „Die Nationalbank verrechnet Strafzinsen von 0,75 Prozent. Das Lagern, der Transport und die Versicherung von Cash kostet hingegen nur rund 0,3 Prozent des Barbetrags“, berichtet Blick.ch unter Zitierung einer Meldung aus der NZZ am Sonntag. Es ist Pensionskassen gesetzlich nicht untersagt, Cash zu halten: „Wir sind mit mehreren institutionellen Kunden, darunter Pensionskassen wegen der Lagerung von Bargeld in Kontakt“, zitiert das Schweizer Fernsehen  SRF den Sprecher von Swiss Gold Safe, welches eines der größten schweizerischen Lagerfirmen für Bargeld ist, Ludwig Karl.

Wegen der Negativzinsen ist die Aufbewahrung von Bargeld bereits billiger als ein Bankkonto. Alle Banken müssen der Schweizerischen Nationalbank Strafzinsen von 0,75 Prozent für Einlagen zahlen. Die Banken geben diese Gebühren an die Kunden weiter. Die Lagerung in Tresoren, der Transport und die Versicherung von Bargeld kostet hingegen nur rund 0,3 Prozent des Barbetrags, hat der Blick errechnet.

Das Thema beschäftigt große institutionelle Anleger auch in Deutschland: Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten haben aus Bankenkreisen erfahren, dass auch in Deutschland hinter den Kulissen bereits über Negativzinsen für die Vermögen großer Anleger – also auch Pensionskassen – diskutiert wird. Es wird erwartet, dass solche Zinsen schon bald auf Bankbestände über 10 Millionen Euro erhoben werden könnten. Die Pensionskassen müssen jedoch aus Liquiditätsgründen flexibel sein, um die anstehenden Pensionen auszahlen zu können. Wegen der zahlreichen Baby-Boomer, die in den kommenden Jahren in die Rente gehen, wird dieser Bedarf noch steigen.

Zahlreiche deutsche Institute verlangen von großen Konzernen jetzt bereits Strafzinsen für größere Beträge – ein Dilemma für die Unternehmen, die aus rechtlichen Gründen gehalten sind, große Beträge im Unternehmen zu halten, um die Liquidität sicherzustellen.

Der Schweizer Pensionskassenverband ASIP hat einen Antrag bei der Nationalbank gestellt, wonach sie einen bestimmten Anteil ihrer Gelder zu einem Zinssatz von mindestens Null Prozent bei der Schweizerischen Nationalbank direkt lagern möchte. ASIP ist der Dachverband für 970 Vorsorge-Einrichtungen mit 2,5 Millionen Versicherten. Es verwaltet ein Vermögen in Höhe von 450 Milliarden Schweizer Franken. Das SRF zitiert aus dem Antrag: „Vor dem Hintergrund negativer Verfallsrenditen auf Bundesobligationen und der angekündigten Belastung negativer Zinsen von diversen Banken möchten wir beantragen, den schweizerischen Pensionskassen die Möglichkeit einzuräumen, ein Girokonto bei der SNB eröffnen zu können, das mindesten zu 0% verzinst wird“.

Allerdings ist unklar, ob auch alle Banken bereit sind, den Pensionskassen ihre Renten-Gelder in Bar auszuzahlen. Eine namentlich nicht genannte Bank soll nach Recherchen des SRF den Kassen die Auszahlung ihres Guthabens verweigert haben. Die Aushändigung derart hoher Summen in bar komme für das Finanz-Institut nicht in Frage. Um diese Entwicklung in den Griff zu bekommen, erwartet die Baader-Bank mittelfristig die Abschaffung des Bargelds in Europa. 

Die Folgen der tiefen Zinsen für Banken, Pensionskassen und Versicherungen müssten sorgfältig beobachtet werden, meldete vergangenen Woche der IWF. Die von der Regierung festgelegte Minimum-Verzinsung für Pensionskassen-Guthaben von derzeit 1,75 Prozent solle gesenkt werden.

Die Beratungsgesellschaft Towers Watson berichtete im Januar, dass seit der Aufgabe der Euro-Untergrenze 30 Milliarden von insgesamt 700 Milliarden Franken, die als Pensionskassen-Vermögen gehalten werden, durch Wertverluste vernichtet wurden.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick