Finanzen

Regierung in Rom untätig: Draghi muss Italien auf Kosten Nord-Europas retten

Lesezeit: 2 min
06.12.2014 23:21
Italien befindet sich in einem kritischen Zustand. Die Regierung von Matteo Renzi hat bisher - ähnlich wie jene von Francois Hollande - keinerlei Reform-Absichten erkennen lassen. Eine Diskussion in der EZB zeigt: Die Italiener verlassen sich auf den einsamen Retter Mario Draghi. Die Banken Italiens werden die Haupt-Begünstigten der nächsten Geldschwemme. Das Risiko wandert in Richtung Norden.
Regierung in Rom untätig: Draghi muss Italien auf Kosten Nord-Europas retten

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Italiens Kreditwürdigkeit wurde am Freitag von Standard & Poor’s von BBB auf „BBB -“ herabgesetzt und nähert sich damit dem Ramsch-Niveau. Und dies trotz der Hoffnung auf Staatsanleihenkäufe durch die EZB, vornehmlich aus Italien. Standard & Poor‘s begründet die Herabstufung mit der Prognose eines deutlichen Anwachsens des italienischen Schuldenbergs in den kommenden Jahren.

Schon Ende dieses Jahres schwillt Schätzungen zufolge Italiens Staatsverschuldung auf 135 Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung an.

Italien befindet sich in der Rezession. Im zweiten Quartal 2014 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft und dies zum zweiten Mal in Folge.

Einem Bericht von Reuters zufolge plant EZB-Chef Draghi, das QE-Programm (Quantitative Easing) einschließlich der ABS-Papiere deutlich über 1.000 Milliarden Euro auszuweiten.

Offenbar gibt es im EZB-Rat eine Diskussion darüber, vorrangig Staatsanleihen aus Italien zu kaufen. Bisher war angedacht, Bonds von allen Staaten im Euroraum gleichermaßen aufzukaufen, bzw. entsprechend den EZB-Kapitalquoten. Dies hätte bedeutet, dass vorrangig deutsche Anleihen, danach französische und erst an dritter Stelle italienische Anleihen von der EZB gekauft werden sollten.

Draghi hätte sich damit dem Vorwurf der monetären Staatsfinanzierung entzogen. Gleichwohl werden durch ein breit angelegtes Staatsanleihen-Kaufprogramm (OMT) Risiken zwischen den Euro-Ländern umverteilt. Für eine solche Umverteilung gibt es kein EZB-Mandat.

Doch nun steht auf der Agenda, vorzugsweise italienische Staatsanleihen in die EZB-Bilanz aufnehmen, vorgeblich wegen der höheren Zinsen die Italien im Gegensatz zur Verzinsung deutscher Bonds (Spreads) zahlen muss.

Die Zinsen für Bonds im Euroraum wurden ohnehin nach unten gedrückt, nachdem Draghi mit seiner Ankündigung „whatever it takes to save the Euro“ die Märkte beruhigt hatte, indem er damit versicherte, den Banken und Anlegern ihre Investitionen in Bonds auch aus Krisenländern wie Italien abzunehmen.

Sollte sich Draghi im EZB-Rat durchsetzen, so könnte er tatsächlich bevorzugt italienische Staatsanleihen in die Bilanz aufnehmen.

Damit würde Draghi vorrangig italienischen Banken entlasten. In deren Bilanzen befinden sich Staatsschuldpapiere im Volumen von knapp 400 Milliarden Euro, die beim Banken-Stresstest als „risikolos“ eingestuft wurden.

Zugleich würden Draghis Pläne den italienischen Banken erlauben, dem italienischen Staat erneut Staatsschulden abzunehmen, wenn gewissermaßen erneut „Luft“ für Staatsanleihenkäufe gegeben wäre. Dadurch wächst jedoch wiederum der Schuldenberg.

Zur Erinnerung: Als im Jahr 2011 die Zinsen für italienische Bonds auf brenzlige Höhen kletterten, veranlasste die italienische Regierung die EZB unter Führung des damaligen EZB-Chefs Trichet und des damaligen Chefs der Bank von Italien, Mario Draghi, dazu, durch Staatsanleihekäufe im Kontext des SMP-Programms die Zinsen nach unten zu drücken.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erklärte dazu unlängst bei Bloomberg, die Europäische Zentralbank nutze die Deflationsdebatte, um eine Politik der quantitativen Lockerung vorzubereiten, die jedoch nicht dazu diene, Deflation zu bekämpfen, sondern um Banken zu retten. „Ich sehe die EZB sehr stark in der Bankenrettung und Investitionslenkung unterwegs", so Sinn wörtlich.

Wolfgang Schäuble und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnten die EZB vor einer Kopie der ultralockeren Geldpolitik der USA. Allerdings wurde Weidmann in der Vergangenheit häufig überstimmt.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lieferketten-Chaos und hohe Transportkosten fachen Inflation in Europa an

Produzenten geben die teils deutlich gestiegenen Kosten an die Kunden weiter, die Inflation in Europa erreicht die Geschäfte und...

DWN
Politik
Politik Zwischen Europa und Russland tobt ein harter Kulturkampf

Der geopolitische Wettbewerb zwischen Europa und Russland nimmt Konturen eines Kulturkampfs an, bei dem es um Religion, Familienwerte und...

DWN
Finanzen
Finanzen Es ist noch nicht zu spät: Warum Immobilien auf dem Land eine Chance sind

Trotz der sinkenden Lebensqualität in den Städten infolge von Corona kann das Statistische Bundesamt noch immer keine Flucht aufs Land...

DWN
Finanzen
Finanzen Zentralbank der Zentralbanken warnt vor Blasen im Finanzsystem

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich wählt ihre Worte mit Bedacht. Im Klartext warnt sie vor dem Platzen riesiger...

DWN
Politik
Politik Schock-Bericht: Bundesregierung will Lockdown bis Ende März verlängern

Aus einem Bericht geht hervor: „Aus Regierungskreisen heißt es, dass der Lockdown voraussichtlich bis Ende März im Grundsatz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Erschreckend hohe Kosten erdrücken Deutsche Metall- und Elektroindustrie

Dass die deutsche Metall- und Elektroindustrie im internationalen Vergleich relativ hohe Kosten hat, dürfte wohl kaum jemanden...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Ticker: Stimmungsumschwung - Große Mehrheit der Deutschen für Lockerungen und Öffnungen

Erstmals seit Beginn des Lockdowns im Dezember plädiert eine deutliche Mehrheit der Deutschen für ein Ende der Corona-Beschränkungen....

DWN
Deutschland
Deutschland Verrückte Entwicklung: Immobilien-Preise auf Sylt steigen wegen Corona

Der rasante Anstieg der Immobilienpreise auf Sylt wird durch die Corona-Pandemie verstärkt.

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld boomt: Die Federal Reserve überschwemmt die Welt mit Dollar-Banknoten

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht derzeit weltweit spürbar an – ein Beleg für die Flucht der Bürger in den sicheren Hafen...

DWN
Politik
Politik Die Politik beschließt Corona-Maßnahmen nach dem Mephisto-Prinzip

DWN-Kolumnist Christian Kreiß wendet zur Beurteilung der Corona-Maßnahmen ein neues Verfahren an. Die Ergebnisse sind verblüffend.

DWN
Politik
Politik Italien: Ein Land kann seinen größten Trumpf nicht nutzen

In der elften Folge der großen geopolitischen DWN-Serie zeigt Moritz Enders auf, warum Italien sein Potential als Regionalmacht nicht...

DWN
Politik
Politik Südostasiens Drahtseilakt zwischen den Giganten: Wo führt China, wo die USA? - Teil 2

Wie tief und verlässlich die bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten und Chinas zu ihren Partnern in Südostasien sind, lässt...

DWN
Deutschland
Deutschland Immunologe: Merkel soll sich live im Fernsehen impfen lassen

Angesichts der verbreiteten Skepsis gegenüber dem Impfstoff von AstraZeneca schlägt ein Immunologe eine Live-Impfung Merkels im Fernsehen...