Politik

Politik für die eigene Tasche: Britische Abgeordnete profitieren vom Immobilien-Boom

Lesezeit: 2 min
26.04.2015 00:59
Die gestiegenen Immobilienpreise in London füllen auch die Geldbeutel einiger Abgeordneter. Über die Steuereinnahmen wurden Teile ihrer Zweitwohnsitze finanziert. Die Immobilien haben in den vergangenen Jahren teilweise ihren Wert verdoppelt.
Politik für die eigene Tasche: Britische Abgeordnete profitieren vom Immobilien-Boom

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ende März wird in Großbritannien das Parlament aufgelöst. Dann werden etwa 77 Abgeordnete aus der Politik ausscheiden. Diejenigen, die vor Ort einen Zweitwohnsitz für ihre Arbeit im Parlament erworben haben, können sich dann über zusätzliches Geld freuen.  Sie profitieren von den gestiegenen Immobilienpreisen. Zumal einige der Abgeordnete sogar beim Kauf der Immobilie finanzielle, staatliche Unterstützung erhielten: also vom Steuerzahler.

Eine Untersuchung des Online Maklers Emoov und der britischen City A.M. zeigt, dass diese Abgeordneten bis jetzt insgesamt einen Gewinn in Höhe von mehr als neun Millionen Pfund mit ihren Zeitwohnsitzen erzielt haben. Bis zum aufgedeckten Spesenskandal 2010 konnten Abgeordnete nämlich eine zusätzliche Kostenpauschale (ACA) beantragen. Wenn sie nachweisen konnten, dass sie sowohl in ihrem Wahlkreis als auch in Westminster einen Aufenthaltsort brauchen, erhielten sie eine finanzielle Unterstützung.

Sie konnten beispielweise Hypothekenzinszahlungen für ihren zweiten Wohnsitz geltend machen, so City A.M. Aber auch die Gemeindesteuer, Telefon, Reparaturen, Versicherung etc. Nach dem Spesenskandal von 2010 wurde diese Regelung geändert. Viele Abgeordnete verkauften daraufhin ihre erworbenen Eigentumswohnungen und mieteten sich eine. Etwa 32 Abgeordnete sollen ihren gekauften Zweitwohnsitz aber weiterhin behalten haben.

Infolge der gestiegenen Immobilienpreise haben diese Immobilien stark an Wert gewonnen. Von 2005 bis 2010 erhielt etwa Sir George Young insgesamt staatliche Zuzahlungen für sein zweites Zuhause in Höhe von 132.282 Pfund. Seit 2005 hat sich der durchschnittliche Wert für eine Immobilie in Youngs Wohngegend von 357.230 Pfund (487.851€) auf 861.723 Pfund (1,176 Mio. €) mehr als verdoppelt. Würde Young seine Wohnung nun verkaufen, könnte er mehr als 500.000 Pfund Gewinn damit machen, so City A.M. Tim Yeo erhielt zwischen 2005 und 2010 133.386 Pfund über die ACA-Regelung. Seine Immobilie nahe der Themse steigerte ihren Wert ebenfalls: Von geschätzten 357.230 Pfund (2005) auf 861.123 Pfund. Allein 2013 hatten sich die Immobilienpreise teilweise um bis zu 20 Prozent erhöht.

Britische Abgeordnete, die ihren Zweitwohnsitz verkaufen, müssen eine Kapitalertragssteuer in Höhe von 28 Prozent auf alle Gewinne von mehr als 11.000 Pfund zahlen. Bei einer Wertsteigerung von mehr als 500.000 Pfund bleibt allerdings selbst nach Abzug der Kapitalertragssteuer sehr viel Geld übrig. Das müssen die Abgeordneten nicht zurückzahlen.

„Das macht deutlich, dass die Änderungen, die im Zuge des Spesenskandals vorgenommen wurden, einfach unzureichend sind“, sagte Jonathan Isaby von der britischen Steuerzahler Allianz. Emoov Gründer Russel Quirk sagte: „Ich bin entsetzt, dass gewählte Vertreter in der Lage sind, persönliche Vorteile aus dem öffentlichen Geld zu ziehen.“ Während die Steuerzahler mit den gestiegenen Immobilienpreisen kämpften und teilweise aus der Stadt verdrängt wurden, schlugen Abgeordnete mit Steuergeldern Profite aus dem Immobilienboom.

Nach dem Spesenskandal 2010 stoppte man die öffentliche Unterstützung für die Hypothekenzinssätze der Zweitwohnsitze. Als Übergang konnten aber 2010 wiedergewählte Abgeordnete von Mai 2010 bis August 2012 noch einmal die Immobilienkosten geltend machen. Das sollte ihnen Zeit geben, sich nach einer Alternative umzusehen. Stieg der Wert der Immobilie in diesem Zeitraum, musste der Abgeordnete diesen Wertgewinn an den Staat zurückzahlen.

Wie lang die Immobilienpreise in Großbritannien allerdings noch so hoch bleiben, ist nicht eindeutig zu sagen. Der IWF warnt vor dem Platzen der Blase. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres kam es sogar zu leicht sinkenden Hauspreisen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Politik
Politik Alarm in Frankreich: Astrazeneca-Impfstoff hat mehr Nebenwirkungen als vermutet

Mehreren Berichten zufolge hat der Astrazeneca-Impfstoff stärkere Nebenwirkungen als bisher vermutet. Mehrere französische Krankenhäuser...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenverband-Studie: Kreditnachfrage der Unternehmen rückläufig

Die Banken in Deutschland rechnen mit einer weiterhin schwachen Kreditnachfrage.

DWN
Politik
Politik Merkel will digitalen EU-Impfpass in den nächsten drei Monaten

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass der digitale EU-Impfpass bis zum Sommer entwickelt werden kann.

DWN
Finanzen
Finanzen Die Börse wurde in einen Zirkus verwandelt

Die Finanzwelt hat sich meilenweit von der Realwirtschaft entfernt. Die Gründe für diese Entwicklung sind einfach – und erschreckend...

DWN
Deutschland
Deutschland Intensivmediziner fordern Lockdown-Verlängerung bis April

Eine ansteckendere Corona-Variante breitet sich aus, gleichzeitig sind Lockerungen geplant: Aus Sicht deutscher Intensivmediziner dürfte...

DWN
Politik
Politik Markus Söder verteidigt umstrittenen Astrazeneca-Impfstoff

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht angesichts der Zurückhaltung gegenüber dem umstrittenen Astrazeneca-Impfstoff...

DWN
Politik
Politik Lassen Mitglieder der Bundesregierung kritische Journalisten ausspähen?

Einem Bericht zufolge ließ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Journalisten „ausforschen“. Der Deutsche Journalisten-Verband ist...

DWN
Politik
Politik China behauptet: Menschenrechte werden vom Westen als Instrument politischer Manipulation eingesetzt

Chinesische Staatsvertreter sind empört über westliche Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen. Diese Länder sollten sich angesichts...

DWN
Politik
Politik Ostdeutsche Ministerpräsidenten für Ende der Russland-Sanktionen

Nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Kretschmer haben Sanktionen als Instrument der Politik keine Zukunft. Und laut Sachsen-Anhalts...

DWN
Politik
Politik Corona-Masken-Affäre: Razzia bei Vize-Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Georg Nüßlein, steht nach Angaben der „Bild-Zeitung“ im Verdacht, einem...

DWN
Deutschland
Deutschland Hamburger Hafen lässt die Krise hinter sich

Im Hamburger Hafen kommt der Seegüterumschlag nach dem Corona-bedingen Einbruch wieder in Fahrt. Denn sein größter Handelspartner China...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chemnitzer Tec-Schmiede bekämpft mit Anti-Fälschungs-Code afrikanische Malaria-Mafia

In Afrika hat sich eine Mafia herausgebildet, die Milliarden an gefälschten Medikamenten verdient. Jetzt hat ein deutscher Mittelständler...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...