Politik

Griechenland überweist erste Auszahlung direkt zurück an die Troika

Lesezeit: 1 min
20.08.2015 13:05
Griechenland hat die erste Tranche aus dem umstrittenen dritten Kreditpaket erhalten - und den Großteil direkt zurücküberwiesen. Zwölf der dreizehn Milliarden Euro aus dem ESM-Darlehen wandern umgehend zurück an die Institutionen der Troika. Der ESM weigert sich zu erklären, wer genau sich an den Überweisungen in dem Kredit-Karussell beteiligt.
Griechenland überweist erste Auszahlung direkt zurück an die Troika

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Griechenland hat die erste Auszahlung über 13 Milliarden Euro aus dem neuen Kreditpaket erhalten. Nur wenige Stunden nach dem unter anderem der Bundestag die umstrittenen neuen Milliardenkredite durchgewunken hat, kamen die ersten Gelder in Athen an.

Allerdings bleiben sie dort nicht lange: Rund zwölf Milliarden Euro werden direkt für die Rückzahlung von Schulden eingesetzt - die Gläubiger sind dabei größtenteils die gleichen Institutionen, die die Kredite ausgeben. Griechenland hat bereits die umgehend fällige Rückzahlung von Anleiheschulden über 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) angewiesen. Weitere sieben Milliarden gehen allein für die Rückzahlung des letzten Überbrückungskredits aus dem vergangenen Monat wieder an die Gläubiger aus ESM, EZBund IWF. Mit diesem hatte Griechenland eine erste fällige Zahlung an die EZB und Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) begleichen können. Am Ende geht die erste Milliarden-Überweisung aus dem ESM nach Griechenland fast vollständig zurück an die Institutionen der Troika - ein absurdes Kredit-Karussell ist entstanden.

Der Eurorettungsfonds ESM hat die Überweisung der 13 Milliarden Euro an das Land zwar in einer Mitteilung veröffentlicht. Allerdings weigert sich der ESM zu erklären, wie genau die Überweisung funktioniert und welche Summen konkret von wem überwiesen werden. An der Überweisung seien mehrere Zentralbanken beteiligt, sagte ein ESM-Sprecher auf Anfrage der dpa. Allerdings sind die Zentralbanken auch als Empfänger der Zahlungen beteiligt: Darunter seien die Bank of Greece als Empfänger der Zahlung und die EZB, an welche die Griechen einen Teil des Geldes sofort wieder abgeben müssen, um alte Schulden zu begleichen.

Ob die EZB oder eine andere Zentralbank das Geld überwiesen hat, wollte der Sprecher demnach nicht sagen. Als nicht demokratisch gewählte Institution ist der ESM keine Erklärung schuldig, die Antwort-Verweigerung legt allerdings nahe, dass der ESM nicht zugeben will, dass es sich bei dem Rettungspaket um ein Kredit-Karussell handelt. „Das ist ein komplexer Prozess, der aber letztlich einer Überweisung ähnelt, die auch Privatpersonen im Internet erledigen“, sagte der ESM-Sprecher.  Er versichert jedoch, es sei kein Geld von Steuerzahlern überwiesen worden. Den überwiesenen Betrag habe sich der ESM über Anleihen am Kapitalmarkt besorgt.

Wieso es sich bei Milliardenkrediten aus dem so genannten Rettungs-Paket vielmehr um eine gigantische Geld-Vernichtung handelt, die den europäischen Steuerzahler unausweichlich weit mehr kostet, als ein glatter Schuldenschnitt für Griechenland, lesen sie hier.

 

 

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Iran-Israel-Konflikt: Führt das Krisentreffen in Israel mit Baerbock und Cameron zur Deeskalation?
17.04.2024

Bei Gesprächen mit israelischen Politikern bemühen sich Annalena Baerbock und David Cameron, einen möglichen Vergeltungsschlag gegen den...

DWN
Politik
Politik Günstlingswirtschaft und Gefälligkeiten: Stephan Weil in Niedersachsen am Pranger
17.04.2024

In Berlin steht Kai Wegner (CDU) unter Verdacht, seine Geliebte mit einem Senatorenposten bedacht zu haben. Ursula von der Leyen (CDU)...

DWN
Technologie
Technologie Fluch oder Segen? – Was man aus Müll alles machen kann
17.04.2024

Die Welt ist voller Müll. In den Ländern des globalen Südens gibt es teilweise so viel davon, dass Menschen auf Abfallbergen ihr Dasein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenzrekorde im März: Nachwehen der Coronahilfen
17.04.2024

Deutsche Unternehmen klagen aktuell viel über die Umstände – und die Unternehmensinsolvenzen sind auch auf Rekordniveau. Ein Grund...

DWN
Politik
Politik Vor G7-Treffen: Baerbock warnt vor Eskalationsspirale im Nahen Osten
17.04.2024

Die Grünen-Politikerin hat vor einem Treffen der Gruppe sieben großer Industrienationen (G7) zu "maximaler Zurückhaltung" aufgerufen in...

DWN
Politik
Politik Die Zukunft der EU als Wirtschaftsstandort: DIHK-Befragung zeigt Stimmungstief
17.04.2024

Wie beurteilen Unternehmen die Lage der Europäischen Union? Eine Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) gibt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Studie: Immer mehr Menschen heben Geld im Supermarkt ab
17.04.2024

Geldabheben beim Einkaufen wird in den Supermärken immer beliebter. Für Händler könnten die zunehmenden Bargeldauszahlungen jedoch...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation in Eurozone fällt auf 2,4 Prozent
17.04.2024

Im Herbst 2022 erreichte die Inflation in der Eurozone ein Höchststand von mehr als zehn Prozent, jetzt gibt es den dritten Rückgang der...