Politik

China: Rote Armee bereitet sich auf High-Tech-Krieg vor

Lesezeit: 2 min
03.09.2015 12:58
China will seine Armee modernisieren und baut 300.000 Soldaten ab. Offiziell soll dies eine Geste des Friedens sein. Tatsächlich wollen die Chinesen dem US-Beispiel folgen, und ihre Streitkräfte mit Technologie versorgen. Reguläre Soldaten spielen in Kriegen heute eine immer geringere Rolle.
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China will seine Streitkräfte um 300.000 Soldaten verringern. Staats- und Parteichef Xi Jinping kündigte den Truppenabbau am Donnerstag zu Beginn einer Militärparade an. Mit seiner Rede eröffnete Xi Jinping die Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Asien.

Trotz der Parade mit mehr als 12.000 Soldaten und atomar bestückbaren Langstreckenraketen versicherte der Präsident, dass China «einer friedlichen Entwicklung verpflichtet» sei. «Durch die Erfahrung des Krieges wissen die Menschen den Frieden noch mehr zu schätzen.» In einer schwarzen Limousine vom Typ «Rote Fahne» stehend nahm der Präsident die Ehrenformationen ab.

Es ist die erste Waffenschau Chinas zum Kriegsgedenken. Alle früheren Militärparaden hatten zum Jahrestag der Staatsgründung am 1. Oktober stattgefunden. Die Verkleinerung der mit knapp 2,3 Millionen Soldaten personell größten Streitmacht der Welt ist Teil einer mit Spannung erwarteten Militärreform, mit der Xi Jinping die Streitkräfte modernisieren und schlagkräftiger machen will.

Tatsächlich ist die globale Kriegsführung heute bereits ohne massive Soldaten-Aufgebote möglich. Die USA haben mit den höchst umstrittenen gezielten Tötungen eine Technik eingeführt, mit der Einsätze weitgehend über Computer gesteuert werden. Die Technik führt in viele Fällen zu verheerenden Kollateralschäden bei der Zivilbevölkerung. Die Weiterentwicklung schreitet rasant voran: Schon werden Roboter-Soldaten entwickelt, die auf das Töten von echten Menschen spezialisiert sind. Dieser Trend bereitet sogar den Wissenschaftlern der Künstlichen Intelligenz Sorge.

Über die zweite moderne Komponente, den Finanzkrieg, ist aus China wenig bekannt. Allerdings weiß man dank Jim Rickards Recherchen, dass die Regierung zahlreiche Investmentvehikel in Stellung gebracht hat, um etwa auf den Devisenmärkten oder den Märkten für Staatsanleihen spekulativ tätig werden zu können. Auch die Amerikaner haben dieses Feld offiziell längst zum Standard gemacht.

In den USA werden die chinesischen Ankündigungen folglich skeptisch gesehen. Beobachter glauben den Friedensabsichten nicht. Die Washington Post zitiert einen Militär-Experten, der behauptet, die Militärs würden die Entwicklung begrüßen. Die Begründung für diese These: Den Soldaten würde so vor Augen geführt, wie sie sich von einer Bauernarmee zu einer modernen High-Tech-Armee entwickelt hätten. Tatsächlich sei die Friedens-Erklärung eher eine Demonstration der eigenen Fähigkeit, moderne Kriege zu führen. Immerhin zitiert die WP Xi auch mit der Aussage, dass China niemals eine Hegemonialmacht werden wolle und also keinerlei Weltbeherrschungspläne verfolge.

Die Veranstaltung der Chinesen war demnach geradezu nostalgisch: Zur Erinnerung an die Kapitulation Japans marschierten die Truppenteile an der Ehrentribüne am Tor des Himmlischen Friedens vorbei. In Formationen flogen 200 Militärflugzeuge über ihre Köpfe. Rund 500 gepanzerte Fahrzeuge und verschiedene Raketensysteme rollten über die «Straße des Ewigen Friedens». Hinter den Panzern bildete sich eine große Abgaswolke. Mehr als 80 Prozent der Waffensysteme sind nach offiziellen Angaben nie zuvor gezeigt worden.

Unter den rund 30 Staatsgästen waren Russlands Präsident Wladimir Putin, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Präsidentin Park Geun-hye aus Südkorea, das ebenfalls unter Japans Aggression gelitten hatte. In der Parade marschierten auch rund 1000 Soldaten aus 17 Ländern wie Russland, Kuba, Kasachstan, Mexiko, Pakistan und Serbien mit.

Viele Staatsführer sahen von einer Teilnahme an der Waffenschau ab - die Amerikaner unter anderem, um das verbündete Japan nicht zu brüskieren. Deutschland und die USA schickten Botschafter. Als einziger EU-Spitzenpolitiker reiste Tschechiens Präsident Milos Zeman an. Der in China viel kritisierte, rechtskonservative japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hatte eine Einladung zum «Gedenktag zum Sieg im chinesischen Volkskrieg gegen die japanische Invasion und im Kampf gegen den Faschismus» ausgeschlagen.

Der Schauplatz der Militärparade weckt bei Bürgerrechtlern in der ganzen Welt bittere Erinnerungen: Auf den Straßen um den Platz des Himmlischen Friedens hatte die Volksbefreiungsarmee 1989 die friedliche Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Einige hundert Menschen kamen damals ums Leben.

Die Abwesenheit gewichtiger Staatsführer kommentierte der zuständige Militärvertreter Qu Rui: «Die Geschichte lässt sich durch die Haltung bestimmter Länder nicht ändern.» 35 Millionen Chinesen sind nach offiziellen Angaben im Zweiten Weltkrieg getötet oder verwundet worden. Die dpa schreibt es gäbe «andere Quellen, die von rund 14 Millionen Toten in China" ausgehen».

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