Unternehmen

Russland-Sanktionen belasten deutsche Maschinenbauer

Lesezeit: 2 min
03.10.2015 22:12
Im August kämpften die deutschen Maschinenbauer mit erheblichen Rückgängen bei den Bestellungen. Vor allem die Russland-Sanktionen bereiten den Unternehmen weiterhin erhebliche Probleme.
Russland-Sanktionen belasten deutsche Maschinenbauer
Auftragseingang bei den Maschiennbauern. (Grafik: VDMA)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die deutschen Maschinen- und Anlagebauer sind unter Druck, die Bestellungen waren im August um real sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen. Im Juli war gegenüber dem Vorjahr noch ein Plus von 18 Prozent verbucht worden. Die Auslandsbestellungen waren im August um ein Prozent zurückgegangen. Hier konnte das Geschäft mit den Euroländern die Rückgänge bei den Bestellungen mit dem restlichen Ausland einigermaßen ausgleichen. Im Inland allerdings brachen die Bestellungen aus dem Inland um 17 Prozent ein.  Einen expliziten Grund für diesen Rückgang nannte der Verband der deutschen Maschinen und Anlagebauer (VDMA) allerdings nicht.

Die Maschinenbauer leiden weiterhin erheblich unter den Folgen der Russland-Sanktionen. Nach minus 17 Prozent im Jahr 2014 liegen die Rückgänge aktuell (Stand: Mai 2015) bei fast minus 30 Prozent. Rubelverfall, Ölpreis und die schlechte Wirtschaftslage in Russland sind die Hauptursachen für den Einbruch im Russlandgeschäft des Maschinenbaus. Hält der Trend an, rechnet der Verband für das gesamte Jahr 2015 mit einem Sinken der Maschinenexporte auf rund 4,5 Milliarden Euro.

Die Weltbank erwartet für Russland ein Schrumpfen der Wirtschaft in diesem Jahr um 3,8 Prozent und im kommenden Jahr um 0,6 Prozent. Erst 2017 werde es mit 1,5 Prozent wieder Wachstum geben. Noch im Juni war die Weltbank von einem geringeren Schrumpfen in diesem Jahr ausgegangen und hatte für 2016 sogar einen Anstieg vorhergesagt.

Hinderlich für die Aufträge aus dem In- und Ausland ist zudem die Infrastruktur in Deutschland, wie der VDMA bereits öfter betonte. „Die VDMA-Mitglieder monieren, dass durch die seit Jahren immer schlechter und maroder werdende Infrastruktur und durch die notwendigen Reparaturmaßnahmen bei der Organisation von Schwertransporten große Umwege in Kauf genommen werden müssen“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtman. Dies gelte auch für die Erreichbarkeit von Umschlagplätzen, wenn alternative Verkehrsträger wie Binnenschiffe oder die Schiene genutzt werden sollen.

Viele marode Brücken könnten die Last der LKWs mit bis zu 44 Tonnen bereits nicht mehr tragen. Große Umwege und Verzögerungen sind die Folge. Sollte sich die Verkehrssituation weiter verschlechtern, überlegen knapp 20 Prozent der befragten Unternehmen eine Verlagerung ins Ausland. „Die täglichen kilometerlangen Staus zeigen deutlich, dass es mehr als nur Fünf vor Zwölf ist, und dass im Bereich der Verkehrsinfrastruktur dringend Handlungsbedarf besteht, damit unsere Wirtschaft keinen Schaden nimmt“, so Brotmann.Dass Maschinenbauer im schlimmsten Fall einen Standort dicht machen müssen, sei für eine Industrienation wie die Bundesrepublik Deutschland mehr als ein Armutszeugnis.

Hinzu kommt die aktuelle Abgas-Affäre der Automobilbranche. Auch wenn der Deutsche Sparkassen- und Giroverband kein zu großes Risiko darin sieht, fürchtet der VDMA sehe mit Sorge, dass ein Fehlverhalten nun auf die gesamte deutsche Industrie übertragen werden könnte. Rund eine Million Mitarbeiter in Deutschland gäben allein im Maschinenbau jeden Tag ihr Bestes, um die Reputation der Industrie zu verteidigen, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann: „Es gibt keinen Grund, sie jetzt unter Generalverdacht zu stellen. Das schadet nur dem gesamten Standort Deutschland erheblich.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen „All-in“ für den Goldpreis: Die US-Notenbank setzt mit voller Wucht auf Inflation

Die US-Notenbank Fed hält an ihrem inflationären Kurs fest. Eine Zinserhöhung ist trotz Ankündigung sehr ungewiss. Doch eine höhere...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank of England hält an lockerer Geldpolitik fest, wartet auf höhere Inflation

Die britische Notenbank belässt Zinsen und Anleihekäufe unverändert. Mit einer Straffung der Geldpolitik will sie vorerst noch warten.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft OPEC+ will ab August Ölförderkürzungen lockern, Bank of America mit heftiger Preisprognose

Die OPEC+ plant, ab August 2021 die Drosselung der Ölproduktion zu lockern. Die Bank of America hat eine interessante Prognose zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Cannabis auf Rezept: Gegen diese Krankheiten wirkt die Heilpflanze

Cannabis ist vielen nur als Droge bekannt. Dabei nutzen Menschen das Kraut seit Jahrtausenden auch als Heilpflanze. Seit 2017 können...

DWN
Politik
Politik Merkel fordert neue Durchgriffsrechte für EU-Kommissare

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert neue Durchgriffsrechte für EU-Kommissare in mehreren Bereichen. Die Pandemie habe gezeigt, dass ein...

DWN
Politik
Politik Russland verlegt Kriegsflugzeuge in Richtung des Schwarzen Meeres

Russland verlegt drei U-Boot-Abwehrflugzeuge vom Typ Tu-142 vom Luftwaffenstützpunkt Kipelovo zum russischen Marinestützpunkt in Jeisk....

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Bombenalarm im Wahlkreis-Büro von Angela Merkel

Im Wahlkreisbüro von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Stralsund hat es am Donnerstag einen Bombenalarm gegeben.

DWN
Politik
Politik Deutschland baut seine Rolle in Libyen nach Absprache mit den USA aus

Deutschland baut seine Rolle im Libyen-Konflikt aus – doch nur in Kooperation mit den USA.