Finanzen

Baader-Bank: Wegen Crash-Gefahr keine Erhöhung der Zinsen im Jahr 2015

Lesezeit: 1 min
05.10.2015 00:24
Der Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, Robert Halver, schließt eine Zinserhöhung der Fed für das aktuelle Jahr aus. Doch auch im kommenden Jahr werde es keine ,scharfe‘ Zinserhöhung stattfinden. Fed-Chefin Janet Yellen wisse, dass eine klare Zinswende Turbulenzen in Asien führen würde. Sie will nicht schuld an einer Weltwirtschaftskrise sein, so Halver.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Chef Analyst der Baader Bank, Robert Halver, ist der Ansicht, dass China den anhaltenden Kapitalabfluss nicht wirklich beeinflussen kann.

Halver sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „China hat eine regelrechte ,Kommandowirtschaft‘. Das eigentliche Problem ist, dass China zwar den ausländischen Kapitalabfluss nicht wesentlich beeinflussen kann. Doch auf das inländische Kapital hat die Regierung einen enormen Einfluss. Hier kann die Kapitalverkehrsliberalität planwirtschaftlich weitestgehend eingeschränkt werden. Allerdings hat das dann mit freier Marktwirtschaft nichts mehr zu tun. Damit steht China vor einem Dilemma: Marktwirtschaft und damit wirtschaftsschädliche Kapitalflucht, die auch Investitionsmittel abzieht oder Planwirtschaft und Verhinderung von Kapitalflucht. Im Zweifel wird sich Peking für die zweite Variante entscheiden.“

Fed-Chefin Janet Yellen werden zumindest vorsichtig vorgehen. Eine ,scharfe Zinserhöhung‘ würde zwangsläufig zu Kapitalabflüssen in den Schwellenländern, zu denen auch China gehört, führen. Halver:

„Wenn die USA den Leitzins erhöhen sollte, ist die Gefahr von Kapitalabflüssen in allen Schwellenländern groß. Denn in den USA hat man als Anleger dann einen doppelten Vorteil: Höhere Zinsen und einen ansteigenden Dollar und damit Währungsgewinne. Nach einer Zinserhöhung würde ebenso der Euro schwächer. Eine Asien-Krise wie 1997/98 würde sich zwar nicht wiederholen, aber Wachstumseinbußen mit Kollateralschäden für die gesamte Weltkonjunktur wären zu befürchten. Deshalb erwarte ich keine ,scharfe‘ Zinserhöhung. In diesem Jahr erwarte ich gar keine Zinswende mehr. Dazu ist der US-Arbeitsmarkt zu schwach. Und sollte Frau Yellen überhaupt jemals die Leitzinsen erhöhen, dann nur homöopathisch. Diese Zinswende wird eher einer ,Zahnreinigung‘ statt einer ,Wurzelbehandlung‘ gleichkommen. Das Zinserhöhungsrisiko ist grundsätzlich sehr klein. Denn Frau Yellen muss auf die Asiaten Rücksicht nehmen, sonst ist sie schuld an einer Weltwirtschaftskrise.“

Auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten, was eine Zinserhöhung für Deutschland bedeuten würde, sagte Halver: „Durch den schwachen Euro würde zwar die deutsche Exportwirtschaft angekurbelt werden. Doch wichtiger ist es, wenn sich China stabilisiert. Denn wenn der chinesische Markt strauchelt, wird die deutsche und europäische Exportwirtschaft tangiert. Immerhin hat uns China während der Euro-Krise regelrecht gerettet, indem es unsere Produkte aufkaufte. Auf diese Sorglos-Pause will niemand verzichten.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Kampf gegen Inflation: Die EZB steuert auf eine neue Eurokrise zu

Die EZB ist in der Zwickmühle. Wenn sie die Inflation bekämpfen will, muss sie ihr Anleihekaufprogramm stoppen. Doch schon die bloße...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Bargeld-Verbot: Edward Snowden warnt vor „digitalem Finanz-Faschismus“

Ohne Bargeld wäre es Edgard Snowden niemals gelungen, zu fliehen – und die Welt über die Überwachungspraktiken der US-Geheimdienste zu...

DWN
Politik
Politik Kriegsgefahr: Kann China den USA Paroli bieten?

Wie schlagkräftig ist die chinesische Armee? Trotz gigantischem Rüstungsbudget ist die Antwort schwer einzuschätzen. Warum die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die selbsterfüllende nächste Rezession – und ihre Parallelen zur „großen Depression“

Die Stimmungslage unter den Verbrauchern ist so niedrig wie noch nie. Ein Wirtschaftsabschwung ist nicht mehr aufzuhalten – es droht...

DWN
Technologie
Technologie US-Sanktionen kurbeln Chinas Chip-Industrie kräftig an

Die US-Sanktionen gegen China scheinen ihren Zweck zu verfehlen. Ex-Google-Chef Eric Schmidt warnt sogar: "Amerika steht kurz davor, den...

DWN
Deutschland
Deutschland Ostdeutschland könnte zur neuen Industrie-Hochburg der Bundesrepublik werden

Lange galten die neuen Bundesländer wirtschaftlich betrachtet als Sorgenkinder. Doch mit dem Einzug mehrerer Big Player der...

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Notenbank droht Crash der globalen Finanzmärkte auszulösen

Namhafte Spekulanten wetten massiv auf einen Zinsanstieg in Japan, da die Notenbank keine andere Wahl zu haben scheint. Doch die globalen...

DWN
Deutschland
Deutschland Hilflos auf dem Weg in die nächste Flutkatastrophe

Mit dem Juli 2022 wird die Erinnerung an die Flutkatastrophe im Juli des vergangenen Jahres wach. Schon mehren sich die Anzeichen, dass...