Finanzen

Bargeld auf dem Abstellgleis: Verbraucher zwischen Komfort und Kontrollverlust

Ob für zwei Brötchen oder den Wocheneinkauf – viele greifen gerne zur Karte oder zum Smartphone. Doch immer mehr Kassen akzeptieren kein Bargeld mehr. Verbraucherschützer schlagen Alarm: Droht das Ende des Bargelds im Alltag – und damit die Wahlfreiheit der Kunden?
05.01.2026 12:58
Lesezeit: 3 min

Vor den Kassen sind Schlangen. Schneller gehen könnte es an einem Bezahlterminal zum Selber-Scannen, doch oft nur mit Karte und nicht mit Scheinen. Auch angesichts von immer mehr SB-Kassen in Supermärkten, Drogerien und Baumärkten warnen die Verbraucherzentralen vor zunehmenden Hürden, Alltagskäufe problemlos bar zu bezahlen. Die Finanzexpertin des Bundesverbands, Dorothea Mohn sagte: „Die Akzeptanz von Bargeld für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche Verwaltungsleistungen sinkt kontinuierlich.“

Wenn Barzahlungen nicht mehr akzeptiert würden, drohe Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlmethoden wie Kindern und Jugendlichen oder älteren Erwachsenen ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe, sagte Mohn. Zudem komme es zu Konflikten und Mehraufwand etwa durch längeres Warten.

Quote für Bargeld-Kassen?

Konkret fordern die Verbraucherschützer, dass auch bei neuen Technologien Barzahlungen möglich sein müssen und nicht erschwert werden dürfen - bei SB-Kassen und etwa auch an Automaten für Parkscheine oder für Tickets von Bussen und Bahnen. „Dies muss durch eine Quote von Bargeld annehmenden Ticketautomaten, Selbstbedienungskassen oder besetzten Bedienkassen je Geschäft erreicht werden“, heißt es in einem Forderungspapier des Verbands.

Im Einzelhandel mit insgesamt rund 710.000 Kassen gibt es inzwischen 38.650 SB-Kassen, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI ergab. Und die Zahl steigt weiter, nachdem es 2023 noch gut 16.000 waren. Zwei Drittel der Geräte stehen im Lebensmittelhandel. Nicht überall ist Barzahlung möglich.

Bei großen Scheinen auch Kartenzahlung

Ausnahmen von der Bargeldakzeptanzpflicht müssten „gesetzlich festgelegt, eng gefasst und gut begründet werden“, verlangen die Verbraucherzentralen. Gerechtfertigt sein könnten Ausnahmen etwa, „wenn der Nennwert des Geldscheins in einem deutlichen Missverhältnis zum zu zahlenden Betrag steht oder Wechselgeld trotz sorgfältiger Planung nicht mehr verfügbar ist“.

Bei einem Verbraucheraufruf des Verbands gingen von Mitte März bis Mitte Juni online 1.300 Meldungen zu schwierigen Fällen beim Barzahlen ein. Zwar werde Bargeld aktuell meistens noch im Handel, für Dienstleistungen oder in Behörden akzeptiert - aber die Akzeptanz nehme immer weiter ab, heißt es zum Ergebnis. „Selbst Kleinstbeträge müssen in einigen Geschäften digital bezahlt werden.“ Viele wollten oder könnten aber nicht mit Karte oder Smartphone bezahlen.

Barzahlung funktioniert auch ohne Internet

Für Anbieter seien digitale Zahlungen bequem, da Diebstahlrisiken und der Aufwand mit Scheinen und Münzen reduziert würden. Für Kunden biete Bargeld aber viele Vorteile, die es zu bewahren gelte, mahnen die Verbraucherzentralen. Es schütze die Privatsphäre, ermögliche eine einfache Kontrolle der eigenen Ausgaben - und funktioniere immer, auch ohne Internet und Strom. Bei digitalen Zahlungen komme es immer wieder zu Problemen, beispielsweise weil das Kartenterminal nicht funktioniert oder eine Karte nicht akzeptiert wird.

Traditionell ist Bargeld in Deutschland weiterhin beliebt, doch die Nutzung sinkt. So wurden 2023 nach einer Bundesbank-Studie 51 Prozent der Bezahlvorgänge im Alltag bar beglichen - sieben Punkte weniger als bei einer Studie 2021.

Bundesbank: Flächendeckende Bargeld-Akzeptanz

Nach einer im Dezember vorgelegten Untersuchung der Bundesbank ist die Akzeptanz nahezu flächendeckend. Bei 2.000 Testkäufen in Einzelhandel, Gastronomie und bei Dienstleistern im Sommer war demnach in 98,7 Prozent der Fälle Barzahlung im ersten Anlauf möglich, bei 0,7 Prozent auf Rückfrage oder an anderen Kassen. Bei Stichproben in Behörden etwa beim Ausstellen von Ausweisen habe sich aber gezeigt, dass Barzahlungen nicht immer möglich sind - in acht von 30 Fällen sei das nicht gegangen, erläuterte die Bundesbank.

Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigen sich auch breitere Probleme. So gaben 30 Prozent an, im vergangenen halben Jahr in einem Café oder Geschäft vor der Situation gestanden zu haben, nicht bar bezahlen zu können, weil dies nicht möglich war - nicht in einer solchen Situation waren demnach 67 Prozent. Befragt wurden den Angaben zufolge vom Institut Eye Square vom 21. bis 30. Oktober 1.000 Menschen ab 16 Jahren, allerdings nur bezogen auf Personen, die das Internet nutzen.

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