Gemischtes

Aufsicht befiehlt: Volkswagen muss 2,4 Millionen Autos zurückrufen

Lesezeit: 2 min
15.10.2015 10:18
Schwerer Schlag für Volkswagen: Das Kraftfahrtbundesamt hat den VW-Vorschlag abgelehnt, dass die manipulierten Fahrzeuge auf freiwilliger Basis repariert werden. VW muss nun alleine in Deutschland 2,4 Millionen Fahrzeuge zurück in die Werkstatt holen.
Aufsicht befiehlt: Volkswagen muss 2,4 Millionen Autos zurückrufen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Volkswagen-Konzern ruft im Abgas-Skandal in ganz Europa rund 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge zurück. In Deutschland zwingt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) VW zu einem Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen. "Wir ordnen den Rückruf an", sagte ein Sprecher der Flensburger Behörde am Donnerstag. Die von VW vorgeschlagene freiwillige Reparatur lehnte die Zulassungsbehörde ab. VW hatte dem KBA vergangene Woche einen Plan vorgelegt, wie die mit der Betrugssoftware ausgestatteten Fahrzeuge in Deutschland in Ordnung gebracht werden sollen. Diesen hatte die Behörde seither geprüft.

"Die angeordnete Rückrufaktion beginnt Anfang 2016", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Donnerstag in Berlin. "Das ist ein Rückruf in einer Dimension, die auch das nötige Maß an Kontrolle und Überwachung nötig macht", begründete der CSU-Politiker die Aktion, obwohl VW dies zuvor auf freiwilliger Basis angeboten hatte. Das Unternehmen arbeite aber konstruktiv mit den Behörden zusammen. Bis wann alle Autos dann wieder den Regeln entsprächen, sei noch offen. Ein nötiges Bauteil für einen Teil der Motoren, stehe laut VW erst in knapp einem Jahr zur Verfügung. Die Autos dürften aber weiter gefahren werden, da sie verkehrssicher seien.

Dobrindt hatte vergangene Woche bereits über Pläne von Volkswagen für einen umfassenden Rückruf berichtet. Davon seien Fahrzeuge mit Euro-5-Dieselmotoren der Größe 2 Liter, 1,6 Liter und 1,2 Liter Hubraum betroffen. Technisch spreche VW bei den 2-Liter-Motoren von einer Softwarelösung, die in diesem Jahr vorliegen solle und ab Beginn des nächsten Jahres neu aufgespielt werden könne. Bei den 1,6-Liter-Motoren werde zusätzlich zu einer neuen Software mit großer Sicherheit eine motortechnische Anpassung nötig sein, die laut Volkswagen nicht vor September 2016 zu erwarten sei.

Am Nachmittag treffen sich in Brüssel die Regulierungsbehörden der einzelnen EU-Länder mit Vertretern der EU-Kommission, um über den Fortgang der Untersuchungen, den Informationsaustausch und einheitliche Testmethoden zu diskutieren.

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte in einem Zeitungsinterview Anfang Oktober gesagt, der Rückruf könne im Januar beginnen und werde sich voraussichtlich bis Ende 2016 hinziehen. Ein Grund seien verschiedene Kombinationen des betroffenen Motors EA 189 mit Getrieben sowie nach Ländern spezifische Auslegungen. "Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern Tausende." Für die meisten Motoren genüge ein Software-Update in der Werkstatt. Manche Fahrzeuge benötigten aber auch neue Einspritzsysteme und Katalysatoren. Notfalls müssten die Autos umgebaut werden. Die Kosten trage Volkswagen. Auch ein Austausch von Autos gegen Neuwagen werde diskutiert.

Volkswagen hatte im September zugegeben, in den USA Diesel-Emissionswerte mit einer Software manipuliert zu haben. Dort drohen dem Autobauer hohe Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen. Nach dem US-Justizministerium und der Umweltbehörde EPA nehmen nun auch die amerikanischen Wettbewerbshüter Ermittlungen gegen Volkswagen auf. Die Bundesbehörde wird unter anderem wegen irreführender Werbung aktiv. VW wirbt in den USA mit dem Slogan Clean Diesel.

Weltweit sind bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware unterwegs. Ob und wie weit diese auch in anderen Ländern unerlaubt eingreift, wird noch untersucht.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Studie erregt Aufsehen: Rechnet das DIW mit einer De-Industrialisierung Deutschlands?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sorgt mit einer neuen Studie zur Energiewende für Aufsehen. Würden einige der in...

DWN
Politik
Politik Strippenzieher des „Great Reset“ planen eine Verschmelzung von Sozialismus und Kapitalismus

Die Mitglieder des World Economic Forum planen im Rahmen ihrer „Great Reset“-Initiative eine Verschmelzung von Kapitalismus und...

DWN
Politik
Politik „Ich mache mir Sorgen um ihn“: Söder stellt seinen Koalitionspartner als Corona-Irren dar – soll Aiwanger enden wie Gustl Mollath?

Markus Söder geht hart ins Gericht mit dem Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Söder wörtlich: „Ich mache mir Sorgen um ihn“....

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Portfolio

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Politik
Politik Dieser Forscher der Leopoldina sagt: „Klappe halten, impfen lassen“

Ein Verhaltensforscher der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert eine Impfpflicht. Er rät dem bayerischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Banken im Stresstest: Aufseher veröffentlichen Ergebnisse

Wie krisenfest sind Europas Banken? In den vergangenen Monaten mussten die Institute wieder einige Szenarien durchrechnen. Eines ist schon...

DWN
Politik
Politik Auch für Geimpfte: Das sind die neuen Corona-Regeln für Urlaubs-Rückkehrer

Die neuen Einreiseverordnungen sehen nicht nur Einschränkungen für Nicht-Geimpfte, sondern auch für Geimpfte vor.

DWN
Politik
Politik Sommerurlaub in Europa – Was geht und was nicht?

In vielen Ländern steigen die Corona-Inzidenzen wieder, manche Länder in Europa bereiten erneut Corona-Einschränkungen vor - auch für...