Finanzen

Nervosität in Peking: China feuert obersten Börsenaufseher

Lesezeit: 1 min
21.02.2016 00:41
In China ist die Sorge wegen der Börsen-Turbulenzen offenbar nicht ausgestanden: Der Chef der chinesischen Börsenaufsicht verlor seinen Job, weil ihn die Regierung in Peking für die jüngsten Kursstürze verantwortlich macht - eine Symbolhandlung.
Nervosität in Peking: China feuert obersten Börsenaufseher

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Börse  
China  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten kosten den Chef der chinesischen Börsenaufsicht den Job. Xiao Gang, der als Erfinder des Stopp-Mechanismus gilt, sei entlassen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag. Der Mechanismus war Anfang des Jahres nach vier Tagen wieder abgeschafft worden, weil er anders als erhofft die Lage an den Börsen nicht beruhigte, sondern die Panik verschärfte. Xiao werde durch den Verwaltungsratsvorsitzenden der Agricultural Bank of China und früheren Vizegouverneur der Notenbank, Liu Shiyu, abgelöst.

"Xiaos Entlassung ist keine Überraschung, wenn man sich das jüngste Desaster am Aktienmarkt ansieht", sagte Zhang Kaihua, Manager beim Hedgefonds Huyang Investment. "Sein Posten steht öffentlich in der Kritik, weil in einem derartigen Marktumfeld Privatanleger Geld verlieren." Der 57-jährige Xiao leitete die Börsenaufsicht seit März 2013 und wurde zunächst dafür gelobt, dass er Geld aus dem überhitzten Immobilienmarkt in Aktien gelenkt hatte. Zudem ging er massiv gegen Insiderhandel vor.

Zugleich konnte er nicht verhindern, dass im Sommer 2015 binnen weniger Monate die Aktienkurse um 40 Prozent einbrachen und weltweit Sorgen um die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft auslösten. Im Januar spitzte sich die Lage durch den Stoppmechanismus zu. Dabei wurde der Handel an der gesamten Börse ausgesetzt, wenn bestimmte Limits unterschritten wurden. Bereits am 07. Januar wurde das System abgeschafft. Xiao hatte deswegen schon im Januar nach Reuters-Informationen seinen Rücktritt angeboten.

Investoren und Analysten gehen davon aus, dass sein 54-jähriger Nachfolger Liu, ein gelernter Volkswirt, eine neue Herangehensweise an den Tag legt. Allerdings werde es wohl mindestens sechs Monate dauern, bis er eingearbeitet sei, sagte Fondsmanager Zhang.

Die Personalie steht in Einklang mit den jüngsten Zusicherungen von Spitzenpolitikern, die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Handelsminister Gao Hucheng sagte am Freitag, er sei zuversichtlich, dass sich im laufenden Jahr die Lage verbessere. Die Wirtschaftsleistung in der Volksrepublik war 2015 um 6,9 Prozent gewachsen, das ist so wenig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Westeuropas Automarkt stürzt auf 30-Jahres-Tief

Dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge wird auch 2021 ein rabenschwarzes Jahr für Europas Autobranche.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verfassungsrechtler und Banker warnen: Green Deal der EU nur mit Ökodiktatur möglich

Ein Ex-Bundesverfassungsrichter warnt davor, dass Deutschland und Europa in eine „Öko-Diktatur“ abgleiten könnte. Doch auch Analysten...

DWN
Politik
Politik Merkel stellt Verbindung zwischen Pandemie und Umweltschutz her – drohen uns nun Klimabeschränkungen?

Angela Merkel zufolge erhöht die Zerstörung der Natur die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern wie das Corona-Virus. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Opposition: Bundesregierung will Mitsprache des Bundestags bei Corona in speziellem Gremium „versenken“

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Bildung eines speziellen Gremiums.

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz Brexit: RWE bringt in Großbritannien Schlüsselprojekt für Windenergie voran

Viele deutsche Industrieunternehmen stehen zwar wegen des Brexits unter Druck. Doch nicht so der Energiekonzern RWE, für den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wird die OPEC+ die Ölproduktion erhöhen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass die OPEC+ am Donnerstag die Ölproduktion ankurbeln wird. Russland unterstützt dieses Vorhaben,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker - Vorbild Israel: EU arbeitet an „Grünem Pass“ für Geimpfte

Die EU-Kommission arbeitet an einem Gesetz zur Einführung eines „Grünen Passes“, der geimpften Bürgern offenbar Vorteile gegenüber...