Politik

Spanien: Konservative wollen die Siesta abschaffen

Lesezeit: 2 min
03.04.2016 01:16
Der spanische Premier Mariano Rajoy will die Siesta abschaffen, um die spanischen Arbeitszeiten den europäischen Staaten anzupassen. Ob es zu dieser Kulturrevolution kommt, hängt von den linken Parteien ab: Sie verhandeln über eine Regierungsbildung und könnten Rajoy nach eine langen Interimsphase doch noch aus dem Amt drängen.
Spanien: Konservative wollen die Siesta abschaffen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Spanien  

Spaniens geschäftsführender Ministerpräsident Mariano Rajoy hat den Bürgern des Euro-Landes ein allgemeines Ende des Arbeitstages schon um 18 Uhr in Aussicht gestellt. Mit Blick auf mögliche Neuwahlen im Juni versprach der konservative Politiker am Samstag in Sevilla eine zeitliche Anpassung des Tagesablaufs an die Gebräuche in anderen Ländern Westeuropas.

Immer mehr Spanier beklagen die mehrstündige Mittagspause (die «Siesta»), die den Arbeitstag in die Länge zieht. Für viele geht er erst oft nach 20 Uhr zu Ende. Die Spanier lebten «mit der falschen Uhrzeit» , meint die Kommission zur Rationalisierung der Arbeitszeiten (ARHOE), die seit Jahren unter anderem auch fordert, dass Spanien von der Mitteleuropäischen in die Westeuropäische Zeitzone wechselt. Auch dafür will sich Rajoy im Falle eines Wahlsieges einsetzen.

«Rajoy hat den Wahlkampf begonnen», kommentierte die Zeitung «El Mundo». Gut drei Monate nach der Parlamentswahl hat Spanien immer noch keine Regierung. Rajoys Volkspartei (PP) hatte bei der Wahl am 20. Dezember zwar die meisten Sitze gewonnen, die absolute Mehrheit aber verloren. Rajoy fand danach keinen einzigen Bündnispartner.

In die stockenden Bemühungen um die Bildung einer neuen Regierung kommt in Spanien gut drei Monate nach der Parlamentswahl Bewegung. Der Chef von Podemos (Wir können), Pablo Iglesias, räumte am Samstag erstmals die Möglichkeit der Tolerierung einer Regierungskoalition der Sozialisten (PSOE) mit den liberalen Ciudadanos (Bürgern) durch seine linke Protestpartei ein. Dazu wolle man die Parteimitglieder konsultieren, kündigte der 37-jährige in Madrid an.

Sozialisten-Chef Pedro Sánchez hatte bereits im Februar einen Regierungspakt mit den Liberalen geschlossen. Im Parlament haben beide Parteien zusammen jedoch keine ausreichende Mehrheit. Die Kandidatur des 44-Jährigen für das Amt des Ministerpräsidenten war Anfang März im Madrider Congreso bei zwei Abstimmungen abgelehnt worden. Auch die Podemos-Abgeordneten votierten damals dagegen.

Bei einer Enthaltung der Podemos-Abgeordneten würde sich das sozialistisch-liberale Bündnis bei einem erneuten Versuch mit der einfachen Mehrheit der Stimmen durchsetzen können. «Eine derart wichtige Frage muss von den Menschen beantwortet werden», sagte Iglesias vor dem 60-köpfigen «Bürgerrat» der Partei in Madrid. Eine Teilnahme an einer Regierung, der auch die Liberalen angehören - wie von der PSOE angeboten - lehnt Iglesias derweil kategorisch ab.

Einen Termin für die Befragung der knapp 400 000 Partei-Mitglieder nannte Iglesias noch nicht. Viel Zeit bleibt allerdings nicht: Wenn bis zum 2. Mai in Madrid kein neuer Ministerpräsident gewählt wird, werden in Spanien am 26. Juni Neuwahlen fällig. Die konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte bei der Wahl am 20. Dezember zwar die meisten Sitze gewonnen, die absolute Mehrheit aber verloren. Rajoy fand danach keinen einzigen Bündnispartner und ist nur noch geschäftsführend im Amt.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Merkel stellt Verbindung zwischen Pandemie und Umweltschutz her – drohen uns nun Klimabeschränkungen?

Angela Merkel zufolge erhöht die Zerstörung der Natur die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern wie das Corona-Virus. Die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Westeuropas Automarkt stürzt auf 30-Jahres-Tief

Dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge wird auch 2021 ein rabenschwarzes Jahr für Europas Autobranche.

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Opposition: Bundesregierung will Mitsprache des Bundestags bei Corona in speziellem Gremium „versenken“

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Bildung eines speziellen Gremiums.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verfassungsrechtler und Banker warnen: Green Deal der EU nur mit Ökodiktatur möglich

Ein Ex-Bundesverfassungsrichter warnt davor, dass Deutschland und Europa in eine „Öko-Diktatur“ abgleiten könnte. Doch auch Analysten...

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz Brexit: RWE bringt in Großbritannien Schlüsselprojekt für Windenergie voran

Viele deutsche Industrieunternehmen stehen zwar wegen des Brexits unter Druck. Doch nicht so der Energiekonzern RWE, für den...

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wird die OPEC+ die Ölproduktion erhöhen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass die OPEC+ am Donnerstag die Ölproduktion ankurbeln wird. Russland unterstützt dieses Vorhaben,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...